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Alt 26.02.2008, 10:33
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Pianoman Pianoman ist offline
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Autor Standard AW: Argumente der Esoteriker und Wissenschaftsfeinde; und wie man sie widerlegt - Dieser Beitrag ist 81 Tage alt

Die Argumente der Esoteriker und Wissenschaftsfeinde;
und wie man sie widerlegt...

Nr. 1 / Stichwort: Flugunfähige Hummel

Aussage: “Die Hummel kann aufgrund ihrer Aerodynamik, ihres Gewichts und ihrer Flügelfläche nach den Gesetzen der Physik gar nicht fliegen. Weil sie aber von diesen Gesetzen keine Ahnung hat, fliegt sie trotzdem. Wüsste sie von diesen Gesetzen …”

Hintergrund: Die Story hält sich hartnäckig seit etwa 70 Jahren, und wird jedesmal aus dem Hut gezaubert, wenn es darum geht, wissenschaftliche Aussagen zu diskreditieren.

Der Behauptung über die nach aerodynamischen Regeln flugunfähige Hummel basiert auf einer Begebenheit an der Universität Göttingen in den 1930er Jahren.
Nach dieser Geschichte soll dort ein Biologe einen Aerodynamiker gefragt haben, warum eine Biene oder Hummel fliegen könne. Nach einer kurzen Berechnung soll die Antwort des Aerodynamikers folgendermaßen gelautet haben:

Die Hummel hat 0,7 cm² Flügelfläche und wiegt 1,2 Gramm. Nach den Gesetzen der Aerodynamik ist es unmöglich, bei diesem Verhältnis zu fliegen.

Hinzu kolportiert wurden dann Aussagen wie:

Die Hummel kümmert das nicht und sie fliegt trotzdem. oder
Da die Hummel die Gesetze der Aerodynamik nicht kennt, fliegt sie doch.

Wahr an der Geschichte ist, dass die durchgeführte Berechnung von Faktoren ausgeht, die zwar bei Flugzeugen, allerdings nicht bei Insekten vorliegen, beispielweise von einem starren Flügelprofil.
Wahr ist auch, dass die Berechnung korrigiert wurden; allerdings war die Korrektur für die Wissenschaftsfeinde bei weitem nicht so interessant, wie der Denkfehler der ersten Berechnung.
Wahr ist weiterhin, dass ein befriedigende Beschreibung der komplizierten Aerodynamik des Insektenflugs erst 1996 von Wissenschaftlern in Cambridge abgeliefert wurde.
Dafür mussten jedoch nicht formulierte physikalische Theorien geändert, sondern nur die speziellen Bedingungen des Insektenflugs besser analysiert werden.

Erklärung: Was zu der ganzen Geschichte führte, ist ein Vorgang, den man als Metabasie (auch Metabasis) beschreibt. Damit gemeint ist der "unerlaubte Wissenstransfer", d.h. die fehlerhafte Anwendung und Übertragung von Erkenntnissen aus verschiedenen Systemen.
Eingeführt wurde diese Erkenntnistheoretische Fußfalle von Aristoteles als „metabasis eis allo genos“, und war gemeint als "Unerlaubter Übergang in eine andere Kategorie, eine andere Gattung".
Man kann die Metabasis entweder als Begriffsverwechslung, als Begriffsfehlanwendung oder als „Kategorienfehler“ sehen. In ihrer Fehlschluss-Variante soll eine Metabasis besagen, dass jemand Begriffe eines Gebietes oder einer Kategorie (anderer Sinnzusammenhang, anderes Umfeld, anderer situativer Kontext) deckungsgleich auf eine andere Kategorie anwendet.
Im Fall der Hummel um die Anwendung aerodynamische Gesetze für Flugmaschinen auf den Flug der Insekten.

Fazit: Es geht also bei diesem Prozess keineswegs um die Unzulänglichkeit wissenschaftlicher Gesetze, sondern letztlich nur um deren fehlerhafte Anwendung.

Pianoman

(Wird fortgesetzt...)

Geändert von Pianoman (26.02.2008 um 13:05 Uhr).
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