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Alt 01.03.2008, 20:22   #27 (Permalink)
Pianoman
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Standard AW: Argumente der Esoteriker und Wissenschaftsfeinde; und wie man sie widerlegt - Dieser Beitrag ist 188 Tage alt

Mißbrauch des Wissenschaftsbegriffs ? Große Worte !

Na, dann gehen wir mal ins Detaille.

Fakt ist, es geht um eine Geschichte, die sich verselbstständigt hat.

In den 1930er Jahren wurde - aufgrund damaliger Kenntnisse der Aerodynamik -
der Gedanke in die Welt gesetzt, dass Hummeln (und andere Insekten) gemäß der damaligen Rechenmodelle zu Strömungsprozessen an Flügeln und der Berücksichtigung weiter Faktoren wie deren Masse, eigentlich nicht fliegen können.
Das allerdings widersprach der Tatsache, dass sie es doch tun.
Die daraus resultierende Schlußfolgerung war, dass die mathematisch-physikalischen Modelle zur Beschreibung des Insektenflug ungeeignet waren.

Der diesen fehlerhaften Aussage zugrundeliegenden kognitiven Prozess, nämlich die Übertragung von Wissen aus einem kontextuellen Rahmen in einen anderen, habe ich dargestellt.

Stellt sich noch die überaus wesentliche Frage nach dem Urheber der falschen Behauptung. Möglicherweise war es der Schweizer Aerodynamiker Jakob Ackeret, der Ende der 1920er Jahre bei Prandtl in Göttigen forschte und arbeitete.

Allerdings findet man im 1934 erschienen Buch Le Vol des Insectes des französischen Insektenkundlers Magnanin der Einleitung folgenden Satz:

"Tout d'abord pouss'e par ce qui fait en aviation, j'ai applique' aux insectes les lois de la resistance del'air, et je suis arrive' avec SAINTE-LAGUE a cette conclusion que leur vol es impossible."

Daraus resultiert, dass möglicherweise auch der Assistent von Magnain, Saint-Lague der Urheber der Fehlberechnung sein könnte.

Vielleicht hat aber auch ein Wissensaustausch in der damaligen noch überschaubar kleinen Gemeinde der Fluganalytiker stattgefunden, zumindest zeitlich wäre es absolut nachvollziehbar, da Magnains Buch erst einige Jahre nach Ackerets Zeit in Göttigen erschien.
Übrigens wird bezüglich der Berechnung - egal ob durch Saint-Lague oder Ackeret -
des öfteren das folgende Zitat genannt: "One shouldn't be surprised that the results of the calculations don't square with reality". Dem ist eigentlich nichts hinzu zu fügen.

Deshalb, wer nun endgültig das Huhn war, dass den zuerst Fehler gelegt hat, lässt sich nur mit einem Riesenaufwand eruieren; und so richtig interessiert es mich auch nicht, weil es keine grundsätzliche Bedeutung für den Vorgang hat.

Wichtig ist nur, was sich aus dieser Geschichte entwickelt hat.

Und vielleicht erwähnen Sie mal in diesem Zusammenhang, was Sie eigentlich mit Ihren Beiträgen beabsichtigen. Den möglichen Irrtum hinsichtlich der Urheberschaft des Rechenfehlers aufzuklären, dafür hätte es doch deutlich weniger Anlauf gebraucht, oder ?

Pianoman
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