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Alt 16.04.2008, 22:29   #70 (Permalink)
Pianoman
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Standard AW: Argumente der Esoteriker und Wissenschaftsfeinde; und wie man sie widerlegt - Dieser Beitrag ist 82 Tage alt

Die Argumente der Esoteriker und Wissenschaftsfeinde; und wie man sie widerlegt...

Nr. 2 / Stichworte: Wissenschaft kann nicht das Gegenteil beweisen...

Aussage(n):

Nur weil die Wissenschaft noch keine Erklärung hat,
heißt das doch nicht, dass die Hypothese X nicht existiert...

oder

Nur weil es noch keinen wissenschaftlichen Beweis gibt,
heißt das doch nicht, dass das die Hypothese X falsch ist...

oder

Die Wissenschaft kann ja auch nicht beweisen,
dass die Hypothese X nicht existiert...


Hintergrund: Folgt man dem Selbstbildnis der "modernen" Esoterik, so ist diese kein Geheimbund für aussergewöhnlich Erleuchtete mehr, sondern steht viel realer "in der Welt", als die Wissenschaftler mit deren "eingeschränkter Weltsicht".

Auch sind die Widersprüche zwischen esoterischen und wissenschaftlichen Weltbilder keine inhaltlichen Widersprüche, sondern vielmehr nur temporäre Phänomene: die Wissenschaft ist halt noch nicht soweit, weil sie eben nicht richtig oder an der falschen Stelle forscht und deswegen für esoterische Hypothesen weder Beweise bringt, vor allem aber nicht die Hypothese widerlegen kann; behaupten Esoteriker unterschiedlichester Couleur.
Und sie meinen damit natürlich genau den Bereich, dem sie ihr ganzes Interesse und Engagement widmen - während andere Bereich esoterischen Denkens natürlich völlig absurd sind, ganz klar !
Was sie - die Esoteriker - allerdings dabei gerne übersehen, ist, dass jede esoterische Disziplin identisch argumentiert.

Der Satz: "Die Wissenschaft kann ja nicht beweisen, dass (.....................) nicht funktioniert/existiert.", kann als Lückentext mit jedem Begriff irrationaler Weltanschauungen gefüllt werden; ob Astrologie, Wahrsagen, Channeling, Homöopathie, Handauflegen, Geomantie, oder religiöse Konstrukte.

Und diese Feststellung ist sogar richtig, denn die Nicht-Existenz eines Phänomens kann man grundsätzlich nicht beweisen. Es fehlt nicht der Beweis, sondern: Ein Beweis ist nicht möglich !

Aber umgekehrt darauf zu schließen, dass die Existenz eines Phänomens deswegen nachgewiesen oder auch nur als wahrscheinlich anzunehmen ist, ist schlichter Unsinn.

Wer diese Denkpostion einnimmt, befinden sich mit seiner Position nicht auf der gleichen Ebene wie ein Wissenschaftler, der Beweise sucht, sondern in einer Sackgasse des Denkens. Die Forderung nach einem Beweis der Nichtexistenz ist und bleibt ein schlichter Denkfehler.

Der Soziologe Edgar Wunder (1) hat die Unsinnigkeit dieser Argumentation in einer kleinen Geschichte verdeutlicht:

"Angenommen, eine Person würde die These aufstellen, das Rumpelstilzchen sei nicht nur einen Märchenfigur gewesen, sondern eine tatsächlich existierende, historische Persönlichkeit.
Die "Rumpelstilziologen" geben zwar zu, dass sie ihre Behauptungen nicht restlos beweisen könnten, machen aber gleichzeitig geltend, dass die Wissenschaftler die Nicht-Existenz des Rumpelstilzchens ja auch nicht belegen könnten. Deshalb sei der Glaube an die Existenz des Rumpelstilzchens durchaus legitim und wissenschaftlich vertretbar.

Aber tragen hier die Kritiker und die Anhänger der Rumpelstilzchen-These wirklich zu gleichen Teilen die Beweislast ? Nehmen wir an, die Wissenschaftler akzeptieren das.

Sie beginnen, nach den sterblichen Überresten des Rumpelstilzchens zu suchen, und graben dafür Quadratmeter für Quadratmeter der Erdoberfläche systematisch um.
Doch das negative Resultat (es wurden kein kleinwüchsiges, der Länge nach geteiltes Skelett gefunden) beeindruckt die Rumpelstilziologen nicht; erst müssen noch sämtliche Städte abgerissen werden, denn möglicherweise steht ja nun eine Stadt dort, wo sich - laut Gebrüder Grimm - das Rumpelstilzchen selbst zerteilt hat.

Nach dem auch dies geschehen ist und sämtliche Forschungsmittel in dieses enorme Unterfangen investiert wurden (alle anderen drängenden wissenschaftlichen Fragen mussten zurückstehen), gelangen einige Rumpelstilziologen zu der Auffassung, das Rumpelstilzchen sei am Ende seines Erdenlebens mit Hilfe anderer Ausserirdischer auf den Mars ausgewandert.
Dies alles werde durch ein gigantische Verschwörung der CIA, der Freimauer und des Vatikans vertuscht. (Wem das alles zu blödsinnig erscheint, möge entsprechende Stichworte z.B. in eine Internetsuchmaschine eingeben...)
Jedenfalls müsste die Frage nach der tatsächlichen Existenz von Rumpelstilzchen solange offen bleiben, bis der Mars umgegraben sei.

Derweil tritt eine konkurrierende Gruppe auf de Plan, die die reale Existenz des Froschkönigs behauptet, und Forschungsgelder sowie Untersuchungen durch Wissenschaftler fordert...

Durch die satirische Überspitzung ist die Untauglichkeit einer Argumentation, die sich nicht um den Beweis der Existenz eines Phänomens bemüht, sondern von der anderen Seite (der Wissenschaft) den Beweis der Nicht-Existenz eines Phänomens fordert, gut nachvollziehbar.

Das Erstaunliche ist, dass diese Denkweise trotz der offensichtlichen Untauglichkeit, viele Menschen nicht daran hindert, ihre Überzeugungen von einem nicht zu führenden Beweis abhängig zu machen.

Obwohl, verständlich ist diese Resistenz gegenüber der Einsicht, diesen Denkfehler zu begehen, durchaus, denn es ist das einzige - wenn auch untaugliche - Argument, das für irrationale Begründungen letztlich bleibt.

Solche Erscheinungen wie der Kreationismus, überhaupt die gesamte Esoterik, ziehen wesentliche Teile ihre hypothetischen Existenzberechtigung - trotz des unübersehbaren Beweisnotstands - allein aus der Nonsens-Argumentation des nicht zu erbringenden Beweises der Nichtexistenz.

Pianoman

(Wird fortgesetzt...)


Quellen:

(1) Wunder, E. zitiert in Harder, B. : "Die Sterne lügen nicht - sie schweigen" S. 151 f.

Geändert von Pianoman (07.05.2008 um 07:37 Uhr).
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