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Homöopathie - Informationen zur Methode

In dieser Diskussion geht es um "Homöopathie - Informationen zur Methode" im "kritisch betrachtet" Forum, als Teil von Patientenfragen.net
Dieses Unterforum dient vorrangig der Information über Verfahren, Methoden und Theorien, die der sogenannten Komplementär-Medizin zuzuordnen sind. Ausgangspunkt ist dabei die Beschreibung und die Analyse ...


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Alt 14.07.2007, 11:41   1 Links(s) verweist von irgendwo auf diesen Beitrag. Klicken Sie hier, um es zu öffnen. #1
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Standard Homöopathie - Informationen zur Methode - Dieser Beitrag ist 451 Tage alt

Dieses Unterforum dient vorrangig der Information über Verfahren, Methoden und Theorien, die der sogenannten Komplementär-Medizin zuzuordnen sind.

Ausgangspunkt ist dabei die Beschreibung und die Analyse dieser Heilverfahren im Spannungsfeld zwischen den ihnen zugrunde liegenden Weltbildern und den natur- und geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen der Gegenwart.

Mögliche und erwünschte Diskussionen sollten deshalb mit Hilfe allgemein nachvollziehbarer Argumente geführt werden, da die Erfahrung in ähnlichen Foren gezeigt hat, dass Auseinandersetzungen, in denen "Wissensargumente" und "Glaubensargumente" gegeneinander antreten, sehr schnell die Ebene der Sachlichkeit verlassen.

In erster Linie soll dieses Forum damit dem Ziel gerecht werden, "Patientenfragen" nach bestem Wissen zu beantworten.

Pianoman

Geändert von Pianoman (16.07.2007 um 12:04 Uhr).
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Alt 14.07.2007, 13:06   #2
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Standard AW: Homöopathie - Infomationen zur Methode - Dieser Beitrag ist 451 Tage alt

Homöopathie
Hochpotenzierter Wahn


I. Zu Anfang: Irrtümer...

Etwa um 1790 entwickelte der aus Sachsen stammende Arzt Samuel Hahnemann, wohlmöglich auf Grund des Unbehagens gegenüber den vorwissenschaftlichen, brachialen ärztlichen Methoden der damaligen Zeit (Aderlass, Klistier, Verabreichung von Brech- und Abführmitteln), ein umfassendes therapeutisches Konzept, dass vornehmlich auf den Ergebnissen beruhte, die Hahnemann in verschiedenen Selbstversuchen gewonnen hatte.

Nach diesen Experimenten war Hahnemann der Auffassung, er hätte ein fundamentales pharmakologisches Prinzip entdeckt, nach welchem pharmakologisch wirksame Substanzen (1) , also Arzneistoffe, die in höherer Dosierung bei einem gesunden Menschen die Symptome einer bestimmten Erkrankung auslösen, in niedriger Dosierung in der Lage sind, die Symptome einer Krankheit zu eliminieren, und damit die Krankheit selbst zu heilen.

Dem entsprechend lautete der von Hahnemann im Jahr 1796, der "Geburtsstunde der Homöopathie", formulierte, elementare Gedanke seiner Therapie:

" Similis similibus curentor. "
(lat.: Ähnliches soll durch Ähnliches geheilt werden.)

Allerdings hat Hahneman dieses Therapiekonzept nicht genuin selbst erforscht und entwickelt - hier, wie auch in ihren meisten anderen Aspekten, stimmen die Legenden der Homöopathen nicht - sondern auf die Thesen früherer vorwissenschaftlicher Heiler zurückgegriffen.

Wie der Berliner Rechtsmediziner Prof. Dr. Otto Prokop (2) aufzeigte, reicht die Liste derjenigen, die mit der Hypothese des Simile-Prinzips die menschliche Lebenskraft beeinflussen wollten, vom ausgehenden Mittelalter bis zur Antike, von den Renaissence-Okkultisten Paracelsus (1493-1541) und Agrippa von Nettesheim (1456-1535) bis zu Hippokrates (460-370 v. u. Zr.) im antiken Griechenland zurück.
Dazu addiert sich, dass die Vorstellungen über "Gleiches durch Gleiches", "Ähnliches durch Ähnliches" und "Gegensätzliches durch Gegensätzliches" als Gesetzmässigkeiten und damit als Begründungen für die Beeinflussung der gemeinhin metaphysisch aufgefaßten "Lebenskraft", fest verhaftetes "Allgemeinwissen" im Volks- und Aberglauben der voraufklärerischen Zeit sind.

Hahnemanns "similia similibus curentur" war also alles andere als eine Innovation.

Das ist auch im Zusammenhang mit dem weiter unten beschriebenen Chinin-Versuch, der immer noch als Initialzündung der Homöopathie gilt, festzustellen. Man muss davon ausgehen, dass Hahnemann bei einer Übersetzung des schottischen Pharmakologen Dr. William Cullen (1710-1790) (3) auf die Abhandlung über die Chinarinde stieß.

Cullen vertrat, ebenso wie dessen Zeitgenossen John Brown (1735-1788) und der Deutsche Michael Alberti (1734), "naturphilosophische" bzw. okkulte Auffassungen über Krankheit und Heilung, die ähnlich schon bei Paracelsus zu finden sind, auf den sich Hahnemann ebenfalls ausdrücklich bezieht (4) . So, wie nach ihnen auch Hahnemann, sahen diese Vertreter okkulten Heilertums nicht Krankheiten verschiedenster Ursachen vorliegen, sondern Störungen einer ominösen "Lebenskraft". Dieser Gedanke durchzieht die Homöopathie bis heute.

Wie kam nun Hahnemann zu seinen Überzeugungen ?

Wie schon erwähnt, übersetzte Hahnemann Cullens Werk. Dieser untersuchte u.a. die Chinarinde und war der Meinung, die Chinarinde heile das Wechselfieber (Synonym f. Malaria) durch ihre magenstärkende Wirkung. Im Jahre 1790 begann Hahnemann diese Behauptung von Cullen nachzuprüfen.


Der Chinarinde-Versuch

Der wesentliche der oben angesprochenen Hahnemannschen Selbstversuche bestand in der Einnahme von Chinarinde, deren Bestandteil Chinin (5) , ein Alkaloid, u.a. fiebersenkende Wirkung hat, und deshalb als Chemotherapeutikum bei der Behandlung der Fieberschübe einer Malaria-Erkrankung eingesetzt wird.

Hahnemann jedoch stellte bei seinem legendären Selbstversuch fest, dass die mehrfache Einnahme von Chinarinde bei ihm - anstatt der erwarteten Fiebersenkung - einen Anstieg der Körpertemperatur zur Folge hatte. Wahrscheinlich durch die Einnahmezyklen in Verbindung mit der Dosis provoziert, entwickelte er nach seiner Auffassung Symptome, die dem Wechselfieber der Malaria ähnlich waren.
Allerdings diagnostizierte er dieses "Fieber" - mangels Messgerät - nicht durch eine Temperaturmessung, sondern durch die Interpretation einer anderen physiologischen Erscheinungen, nämlich durch einen erhöhten Puls.
Eine erhöhte Herztätigkeit ist aber auch als Folgeerscheinung der höherdosierten Einnahme dieses Alkaloids bekannt. Sie entsteht im Rahmen einer Methämoglobinämie, die auf die Oxidation des Hämoglobins durch Chinin zurückzuführen ist. Dabei entsteht aus dem zum Sauerstoff transportfähigen Hämoglobin, das nicht zum Sauerstofftransport fähige Methämoglobin. Durch den Anstieg des Methämoglobin im Blut kommt es zu einer Zyanose (O2-Mangel), die u.a. mit Schwindel, Benommenheit, Kopfschmerzen und eben der erhöhten Herzfrequenz einhergeht.

Es spricht also - nach heutigem Wissen - sehr viel dafür, dass Hahnemann überhaupt nicht fieberte, und er seine physiologische Reaktion einfach - in völliger Unkenntnis der biochemischen Zusammenhänge - falsch interpretierte.
Akzeptiert man die hochwahrscheinliche Möglichkeit einer Fehlinterpretation, ist ohne weiteres erklärbar, weshalb es bisher nicht ein einziges Mal gelungen ist, das damalige Experiment mit dem gleichen Ergebnis wie Hahnemann - dem beschriebenen Temperaturanstieg - nachzuvollziehen.

Ein aktueller Versuch (6) dazu wurde von Pharmakologen der Universität Gießen Dr. med. Hans Joachim Krämer und Prof. Dr. med. Ernst Habermann im Jahr 1997 durchgeführt. Das Ergebnis dieses Versuchs entsprach den Erwartungen, die die wissenschaftliche Medizin prognostizieren konnte: Chinin löst kein Fieber (7) aus. Weder bei Gesunden, noch bei Kranken.

Nun könnte man die Betrachtung der Homöopathie an dieser Stelle mit dem Hinweis auf eine offensichtliche Fehldiagnose beenden, wäre nicht Hahnemann von dem Ergebnis seiner Versuche so überzeugt gewesen, dass er an diesem Konzept festhielt und den Rest seines Lebens damit zubrachte, ein komplexes, wenngleich absurdes Heilverfahren zu entwickeln, dass (dummerweise) und aus völlig anderen als den angenommen Gründen auch Heilerfolge hatte (dazu mehr an anderer Stelle), und dass - vor allem in intellektuellen Teilen der Bevölkerung - auf eine mit der Epoche der Deutschen Romantik verbundene Geisteshaltung traf, die mystisch-okkultem Gedankengut durchaus aufgeschlossen gegenüberstand, wenn nicht sogar in Faszination verbunden war.

So verfasste Hahneman 1810 sein "Organon der rationellen Heilkunde" , und schuf damit - wahrscheinlich ohne es zu wollen - eine Bibel für seine Anhänger, an der seither - Dank des sakrosankten Image ihres Autors - jede naturwissenschaftliche Entwicklung spurlos vorüber gegangen ist.

Fakt ist jedoch, dass es seit Bestehen der Homöopathie nicht gelungen ist, auch nur für eine der Hahnemannschen Überzeugungen einen wissenschaftlichen Beweis zu finden; allerdings ist das seit der skandalösen Entscheidung der deutschen Politik, sich den Homöopathie-Lobbyisten zu beugen und die Homöopathie zur "Besonderen Therapierichtung" (8) zu erklären, zur Rechtfertigung des Verfahrens auch nicht mehr nötig.

Dass mit dieser durch nicht zu rechtfertigenden Aufwertung der Homöopathie eine der größten Provokationen der Naturwissenschaften stattfand, ist nicht nur ein Armutszeugnis für Forschungsstandort Deutschland, sondern ein weiterer bedauerlicher Schritt in eine irrationale Gesellschaft.

Wie sehr aber die Homöopathie auf der Irrationalität jahrhundertealter Überlieferung okkulter Vorstellungen beruht, fällt nicht erst ihren heutigen Kritikern auf.


...Irrtümer, die auch schon "damals" schon auffielen.

Schon 1821 fanden erste Versuche statt, den Chinarindenversuch zu wiederholen (9).

Johann Christian August Heinroth (1773-1843), ein Professor für Psychiatrie in Leipzig und Vertreter einer natur-philosophisch-romantischen Richtung der Medizin, bezeichnete in seinem 1825 erschienen "Anti-Organon oder Das Irrige der Hahnemannischen Lehre im Organon der Heilkunst" die Theorien Hahnemanns als Spinnengewebe, mit dem man viel zu nachsichtig umgegangen sei:
" (...) das man ihm (Hahnemann) Vieles hat hingehen lassen, was sich vor dem Richterstuhle des strengen Verstandes gar nicht vertheidigen läßt; überhaupt, daß man Herrn Hahnemann´s, zwar nicht Kunst, aber doch Art, sich ein System zusammenzubauen, und nicht bloß unerwiesene, nicht bloß unerweisliche, sonder auch sich selbst widersprechende Begriffe und Sätze zu den Grundpfeilern seinen Gebäudes zu machen, mit einer Milde hat durchgehen lassen, deren sich Herr Hahnemann gegen die Gesamtheit der Äerzte nicht in gleicher Weise beflissen hat."

Heinroth formuliert dann noch einen Satz, der nicht nur Hahnemann die Grundklage entzieht, sondern - nur nebenbei erwähnt - umfänglich für die Verfahren der Alternativheilerei gilt: "Wer falsche Begriffe hat, spricht auch falsche Regeln aus, wenn er auf seine Begriffe Regeln baut; und thut er dies, so verleitet er auch zu einem falschen Verfahren."

Und dann kommt Heinroth geradezu prophetisch zu einer Erkenntnis, die an Aktualität nichts, rein gar nichts verloren hat:" Von jeher hat sich die Ueberzeugung eines determinirten Mannes, wenn diese Ueberzeugung auch nur ein Wahn war, leicht auch anderen Gemüthern mitgetheilt."

Auch Georg Freiherr von Wedekind (1761-1831) außerordentlicher begabter Mediziner, u.a. Mitgründer der Mainzer Poliklinik und früher Befürworter der Pockenimpfung, kommentierte die Homöopathie sehr eindeutig: "Nichts Gutes kann dabei herauskommen, wenn man Physik und Metaphysik untereinander wirft, wie solches die Naturphilosophen thun, und Herr Hahnemann, den ich ihnen in dieser Hinsicht beizähle."
Nach von Wedekinds Meinung würde die Hahnemannsche Lehre in den "Irrgarten der Geisterwelt" führen, in dem "alle geregelte Untersuchung aufhören und der Aberglaube alles verfinstern könnte".

Doch nicht nur die illustren Vertreter der frühen Wissenschaftsmedizin haben sich umfänglich kritisch mit der Person und dem Werk Hahnemanns auseinander gesetzt, auch im medizinischen Alltag wurden diverse Therapieansätze der Homöopathie überprüft.
So listen Prokop/Prokop (10) verschiedene frühe Untersuchungen z. Tl. Placebo-kontrollierter, homöopathischer Behandlungen auf, die allesamt negativ verliefen:

1834 / Petersburg,12 Pat. / Mittel: Carbo med. D 30 mit Placebo / Placebo gleichwertg.
1834 / Paris, Lungentuberkulosepat. / Mittel: Individuell / Placebo besser
1834 / Paris, Div. Erkrankungen / Mittel: Individuell / kein therapeutischer Nutzen
1835 / Nürnberger Kochsalzversuch, 55 Pat. / Mittel: NaCl D30 / kein therap. Nutzen
1837 / Petersburg, Syphillis-Pat. / Mittel: Individuell / Placebo gleichwertg.

Doch selbst die fundierteste Kritik der damaligen Zeit konnte die Verbreitung der Homöopathie nicht verhindern, denn sie hatte unbestreitbare Erfolge; allerdings nicht durch homöopathische Pharmazeutika. Worauf der "Erfolg" der Homöopathie zurückzuführen ist, ergibt sich aus dem weiteren Kapiteln in Teil 2 und 3.


Endnoten:

(1)Bezüglich der Mittelverwendung existiert in Kreisen der Homöopathie-Nutzer oftmals die fälschliche Auffassung, dass die homöopathischen Ursubstanzen pflanzlicher Herkunft seien; und dementsprechend den Nimbus der "sanften Naturmedizin" genießen. Häufig wird damit der Gegensatz zur "gefährlichen Chemie" konstruiert. Diese Ansicht wird zwar durch die homöopathischen Heiler gepflegt, ist aber völlig unhaltbar. Denn die Homöopathie benutzt nicht nur eine überwiegende Zahl von anorganischen Substanzen, darunter hochgiftige Metalle wie Quecksilber oder Cadmium, sie verwendet auch tierliche Substanzen (meist Gifte) oder komplette Tiere. In der moderen Homöopathie werden Mittel verwendet, die weder eine pharmakologische Einordnung ermöglichen, noch irgend etwas mit Naturmedizin zu tun haben, z.B. Mikrowellen, das Vakuum, oder Röntgenstrahlen; oder eben Ex.can. (Hundekot), beschjrieben von den unglaublichen Homöopathen Eberle & Ritzer, die auch mit Plutonium therapieren. http://www.homoeopathieforschung.de/home.htm

(2) Prof. Dr. Otto Prokop, in Prokop/Prokop" Homöopathie und Wissenschaft : eine Kritik des Systems", Stuttgart 1957 S.

(3) ebenda

(4) ebenda

(5) Eigenschaften und Wirkung des Chinins:
Der bittere Geschmack des Chinins hat appetitanregende Wirkung und findet deshalb in geringen Dosierungen in chininhaltige Getränken Einsatz. In Dosierungen, bei dem noch wenig unerwünschte Nebenwirkungen auftreten, stehen die milde Analgesie und Fiebersenkung im Vordergrund, die jeweils zentralnervösen Angriffspunkten zugeordnet werden können.
Toxisch wirkt Chinin in höheren Dosierungen als potentes Zellgift. Es hemmt verschiedene Enzymsysteme der Zelle. Dies führt zu einer signifikanten Verminderung der Zellatmung durch Hemmung biochemischer Prozesse und damit zu einer Verminderung der Temperatur. Aus diesem Grunde kommt es zu einer systemischen Temperatursenkung beim Menschen, beziehungsweise zur letalen Stoffwechselblockade bei den Malaria-Erregern, den Schizonten, in den Roten Blutzellen. Bei höherer Dosierung des Chinins kommt es also zu einer Vergiftung. Eine Folge davon ist Untertemperatur mit evtl. "Schüttelfrost".

(6) Der Versuch wurde im "Deutschen Ärzteblatt" veröffentlicht: http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=6926,
die Nachlese mit Leserbriefen und Stellungsnahmen ist zu finden unter:http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=8418

(7) Korrekter Weise soll auf die Möglichkeit einer allergischen Reaktion auf Chinin hingewiesen werden, bei der als Symptom auch eine erhöhte Temperatur entstehen kann. Mit den Schlußfolgerungen der Homöopathie hat dieses Phänomen jedoch nichts zu tun.

(8) "Besondere Therapierichtungen“ im Sinne des Sozialgesetzbuches und des Arzneimittelgesetzbuches sind u.a. die Homöopathie und die Phytotherapie (Pflanzenheilkunde). Im Gegensatz zu anderen Arzneimitteln dürfen Präparate der besonderen Therapierichtungen zugelassen und verordnet werden, auch ohne dass für sie Wirksamkeitsnachweise nach empirisch-wissenschaftlichen Kriterien erbracht wurden, sofern eine sogenannte Binnenanerkennung durch Experten der jeweiligen Therapierichtung vorliegt und das Mittel in einer Monographie beschrieben ist.

(9) Die Reproduzierbarkeit eines Experiments ist eine der wesentlichen Voraussetzungen für die Intersubjektivität einer als "wissenschaftlich" anzuerkennenden Theorie.

(10) Aufstellung nach Sallinger (1882) und Lochner (1835) aus Prokop/Prokop" Homöopathie und Wissenschaft : eine Kritik des Systems", Stuttgart 1957 S. 22

Geändert von Pianoman (05.10.2008 um 09:50 Uhr). Grund: Ergänzungen, Überarbeitung nach HON-Code,
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Alt 15.07.2007, 08:56   #3
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Standard AW: Homöopathie - Informationen zur Methode - Dieser Beitrag ist 450 Tage alt

Homöopathie - Theorie und Praxis

Teil 2: Heilmittel

Die zweite Säule der Homöopathie ist die Feststellung der Heilwirkung einer beliebigen Substanz und das Ritual der Wirksamkeitserhöhung durch den Vorgang des Potenzierens. Dabei ist besonders der Vorgang des Potenzierens für die Naturwissenschaften eine erhebliche Herausforderung, weil - sollte dieser Prozess tatsächlich funktionieren - allgemein gültige Naturgesetze in erheblichem Maß für unvollständig oder falsch erklärt werden müssten. Die Konsequenz wäre, dass weder biochemische Prozesse im lebenden Organismus so verlaufen könnten, wie wir es derzeitig immer und überall erleben, noch dürften die meisten chemisch-physikalischen Reaktionen, die tagtäglich in unzähligen Labors und Industrie- Anlagen für technische oder pharmakologische Produkte sorgen, funktionieren. Homöopatische Heilmittel
Die Homöopathie geht davon aus, dass mehr oder weniger willkürlich ausgewählte Substanzen, die von einem gesunden Menschen eingenommen werden, bestimmte Reaktionen „Symptome“ im Organismus hervorrufen, die entweder physischer oder psychischer Art sein können. Ähneln diese „Symptome“ den Begleitsymptomen einer Erkrankung, ist die Substanz in der Lage, die Krankheitssymptome und damit die Krankheit zu beseitigen.

Hahnemann begründet dieses Prinzip mit folgender Annahme:
Wenn im Körper zwei Krankheiten wirken, die unterschiedliche Ursachen haben, heben sich die Krankheiten gegenseitig auf. Dabei ist die eine Krankheit im Köper vorhanden, die andere wird quasi durch das Heilmittel hinzugefügt. Den Testvorgang für Substanzen nennt man „Arzneimittelprüfung am Gesunden“, die Zuordnung der geprüften Substanz zur den Symptomen einer Krankheit heißt „Repertorisierung“ (Im 1. Abschnitt zur Homöopathie ist dieser Vorgang anhand eines Beispiels beschrieben).

Möglicherweise um innerhalb einer Arzneimittelprüfung die Prüfer nicht zu gefährden, wird mit sehr stark verdünnten, in der Sprache der Homöopathen allerdings „hoch potenzierten“ Proben gearbeitet. Im Organon beschreibt Hahnemann in § 128: „So erforscht man jetzt am besten, selbst die für schwach gehaltenen Substanzen in Hinsicht auf ihre Arzneikräfte, wenn man 4 bis 6 feinste Streukügelchen der 30sten Potenz einer solchen Substanz von der Versuchs-Person täglich, mit ein wenig Wasser angefeuchlet, oder vielmehr in einer größern oder geringern Menge Wasser aufgelöset und wohl zusammengeschüttelt, nüchtern einnehmen und dies mehrere Tage fortsetzen läßt.

(Anmerkung dazu: Die Potenz D30 liegt jenseits der Avogadro-Grenze, so dass in der Probe keine Moleküle der Ursubstanz mehr vorhanden sind, aber - nach Vorstellung der Homöopathie – deren geistartige Abbilder.)

Registriert werden dann von den Prüfern sämtliche erlebten Befindlichkeiten physischer und psychischer Art, also körperliche Zustände, Gefühle, Stimmungen etc. Aus Übereinstimmungen mit den Ergebnissen anderen Prüfern werden dann signifikante Symptome abgeleitet. Dabei wird nicht auf mögliche andere Ursachen geachtet, sondern es wird angenommen, dass die Prüfsubstanz die Ursache für die jeweilige Befindlichkeit ist. Als Beispiel hier Auszüge aus einer Arzneimittelprüfung des Deutschen Wattwurms von Jutta Thiel:

Befindlichkeiten:

Ich fühle mich total glücklich, sehr glücklich, habe dieses selige Lächeln auf dem Gesicht.
Prüfer 5, C12, 00:00:05

Immer wieder dieses glücksselige Lächeln, ich lächle viel still in mich hinein.
Prüfer 5, C12, 01:00:00

Lachanfall, ich lache aus Fröhlichkeit, lache Tränen über die Anweisungen zur Arzneimittelprüfung die ich gerade durchlese, ich fühle mich sehr leicht und locker.
Prüfer 13, C12, 00:00:24

Stimmung wird stetig besser.
Prüfer 1, C12, 01:02:00

Den Regen am Nachmittag finde ich einfach toll. Bei warmem Wetter habe ich mich richtig nass regnen lassen. Das Wasser steht mir in den Schuhen, ich suche die Pfützen richtig, ich fühle mich sehr wohl dabei.
Ich stehe mitten im Regen und rufe laut: "Mir geht es gut!"
Prüferin 11, C12, 01:10:00

Reagiere in einer Situation, die mir sonst peinlich gewesen wäre, mit Übermut.
Prüferin 9, C30, 00:20:00

Beim Kegeln hatte ich viel Kraft und Energie, mir gelang einfach alles, ich war die Beste, habe sogar jüngere Männer übertroffen. So gut war ich noch nie.
Prüferin 2, C30, 00:12:00

In den letzten Tagen fällt mir auf, dass ich viel entscheidungsfreudiger bin, konsequenter, ohne zu überlegen arbeite ich, miste eine Kiste, die schon ein Jahr auf der Veranda steht, aus, werfe einfach weg, sortiere gar nicht erst einen alten Nähkasten, der mich schon seit vielen Jahren ärgert, werfe ich mit Inhalt weg. Danach geht es mir sehr gut, alles erledigt, abgehakt. Streiche in der großen Hitze plötzlich eine Holzwand mit schwarzer Lasur, musste jetzt sofort sein.
Prüferin 2, C30, 01:00:00

Reagiere auf alles, wenn man mich anspricht, auf den Fernseher, niemand kann mir was recht machen, aggressiv, hektisch, ungeheurer Bewegungsdrang, kann nicht bei einer Beschäftigung verweilen, kann nicht sitzen bleiben, muss immer wieder aufstehen, dabei sehr viel Energie, viel Kraft. Während eines Besuches stehe ich plötzlich auf, führe ein klärendes Telefonat, teile der Person mit wie es mir mit ihr geht, habe mich sehr abgegrenzt, nicht überlegt, weiß jetzt nicht mehr was ich gesagt habe, danach Beruhigung, jetzt geht es
mir richtig gut. Abends keine Lust meine Tochter ins Bett zu bringen, verspätet mache ich es doch, bin sehr lieblos, lege sie hin, und gehe einfach ohne Gruß.
Prüferin 4, C30, 00:03:00

Bei einem Kirchenbesuch ist mir zum Heulen zumute, habe Tränen in den Augen. Glockengeläut verstärkt das Gefühl der traurigen Grundstimmung. Habe die Lieder dann laut mitgesungen, was die gesamte Situation verbessert.
Prüfer 1, C12, 00:23:30

Ich vergesse beim Grillen den Gitterrost auf den Elektrogrill zu legen und lege das Fleisch
direkt auf die Heizschlangen, rege mich darüber nicht einmal auf.
Prüfer 13, C12, 02:00:00

Leichter Dauerschwindel, das gesamte vordere Gehirndrittel fühlt sich unangenehm leicht an. Dabei das Gefühl mangelnder Augenkoordination. Bei anderweitig gebundener Konzentration nicht mehr wahrnehmbar.
Prüfer 5, C12, 03:00:00

Stechender Kopfschmerz in Schläfen und Stirn, dabei Schwindelgefühl. Schläfen sind berührungsempfindlich, Augen lichtempfindlich.
Prüfer 8, C12, 00:22:45

Die stechenden Schmerzen des äußeren Gehörganges des linken Ohres, hinter dem linken Ohr und des linken Kiefergelenkes wechseln sich miteinander ab.
Prüferin 11, C30, 00:22:00

Sehr starkes, unerträgliches Nasenjucken über Stunden, juckt wie verrückt, zieht innerlich zum linken Ohr. Reiben bessert nicht.
Prüferin 4, C30, 01:00:00

Starkes Vibrieren des rechten äußeren Schneidezahns.
Prüfer 5, C30, 08:00:00

Trinke sehr große Mengen auf einmal und bin nicht, wie gewohnt "satt" davon.
Prüferin 10, C12, 03:00:00

Stuhlgang wieder vor dem Frühstück, nach dem Essen übelriechender Durchfall, wie Wasser, schmerzlos.
Prüferin 6, C12, 03:21:00

Hitzegefühl in den linken Bronchien, Atem fühlt sich auf der Zunge heiß an, als ob ich Feuer ausatme.
Prüfer 5, C30, 00:02:00

Heftige Herzstiche, wie Messerstich, kurz aufeinanderfolgend, erschrecke mich, sage laut: "Aua!" Krümme mich und halte mir die Seite, mir kommt der Gedanke, wenn es noch mal sticht, dann höre ich auf zu atmen und bin tot.
Prüferin 11, C30, 01:09:00

Sehr, sehr kalte, schweißige und klebrige Hände, richtig nass. Bei Berührung zucken die Kinder zurück. Meine Frau bemerkt nach Berührung, dass sich meine Hände anfühlen, wie ein kalter, toter Fisch.
Prüfer 13, C12, 01:00:45

Nach dem Erwachen bin ich sehr kuschelig, brauche viel Körperkontakt.
Prüferin 6, C12, 02:00:00

Erotischer Traum von einem bekannten Mann, viele Gesichter, sehr schön.
Prüferin 4, C12, 00:00:00

Viel innerliche Wärme im Körper und Kopf, sehr angenehm, wohlig, Außentemperatur 30°C.
Prüferin 4, C12, 00:02:00

Supervisorin bemerkt, dass der Prüfer sehr heiter ist, lacht viel und macht ungewöhnliche Scherze, fast ein wenig albern. Dieser Eindruck bleibt für den Rest der Prüfung
Prüfer 1, C12, 01:00:00

Ich selbst habe aus der Prüfung ein mir unbekanntes Aggressionspotential mitgenommen. Einen Zorn, den ich kaum beherrschen konnte. Ich litt darunter. Später, nach drei Monaten erst, wurde mir klar, dass diese, mir fremden Emotionen, "Wattwurmsymptome" darstellen könnten.
Ich nahm Arenicola marina C200. Unmittelbar danach lösten sich diese Gefühle auf, verpufften wie tausend Funken im Nichts. Kein Zorn, keine Wut trat bisher wieder auf.
( Jutta Thiel, Autorin)


Ich denke, die Darstellung spricht für sich selbst. Sie zeigt exemplarisch, dass im Verfahren der Arzneimittelprüfung völlig alltägliche Ereignisse - ohne kritische Reflektion - in eine besondere Kausalität überführt werden. Gerade in der letzten Darstellung, von der Autorin der Studie selbst geschrieben, wird das besonders deutlich: Frau Thiel geht davon aus, dass das Wattwurmpräparat in ihr einen "negativen" Gefühlszustand ausgelöst hat, den sie aber durch die erneute Einnahme des Präparats beseitigen konnte.
Sie stellt - ohne eine andere Möglichkeit überhaupt in Betracht zu ziehen - eine direkte Kausalität zwischen den geistartigen Kräften des Wattwurms und ihrer Gefühlslage her.

Nimmt man diese Denkweise an, drängen sich zwei Schlußfolgerungen auf:
1. Die Einnahme von Wattwurm-Präparaten führt zu Agressionen
2. Menschliche Agressionen können durch die Einnahme von Wattwurm-Präparaten beseitigt werden.

Das gesamte homöopathische Arzneimittelprüfungsverfahren ist von solchen eigentümlichen Ergebnissen duchzogen. Die Ursache ist, wie eben beschrieben, das von ausschließlich subjektivem Empfinden gesteuerte Erkenntnisverfahren, dass für weitere sehr erstaunlichen Phänomene in der homöopathischen Heilmittelsystematik verantwortlich ist:

So werden einzelne Substanzen bei zum Teil sehr unterschiedliche Erkrankungen eingesetzt: Ischias wird ebenso behandelt wie Eifersucht bei Mädchen: mit Pulsatilla D6. Bei Keuchhusten und Ehesorgen hilft Ambra D3. Die Nux Vomica (Brechnuss) hilft gegen Verdauungsbeschwerden, Streitsucht, Hämorrhoiden, Kater, Migräne, verklebte Augenlider, Erkältungen, Darmverschluss, Prostatabeschwerden, Nierenkolik, Impotenz, Hexenschuss, Harnträufeln und Akne.

Genau so werden aber auch definierte Krankheits-Symptome mit sehr unterschiedlichen Mittel behandelt: Nach Dorcsi (Homöopathie, 1990) wird der emotionale Affekt „Eifersucht“ in Abhängigkeit von Co-Faktoren in der Pubertät mit Bufo rana D12 (auch bei intellektuellem und moralischem Verfall), bei Mädchen mit Pulsatilla D4 (auch bei Ischias; D30:zum Trösten), im Klimakterium mit Lachesis D12, in Kombination mit Ehesorgen durch Ambra D3 (auch bei Keuchhusten), in Verbindung mit Enttäuschung durch Phosphor D4, in Verbindung mit Enttäuschung und Hysterie durch Ignatia D30, in Verbindung mit Geilheit im Alter durch Conium D4 (D12) oder Crocus D12, als Ausdruck einer Sexualneurose mit Staphisagria D12 (D6: bei Zahnschmerz), in Verbindung mit Nymphomanie durch Hyoscyamus D12 und in Verbindung mit dem Ausbleiben der Menstruation mit Phosphor D30 (D12: gegen Zahnfleischbluten) behandelt.

"Sanfte" Homöopathie ?

Ein wesentliches Argument der Homöopathie-Anhänger ist es, sich auf die Ungefährlichkeit einer möglichweise nur auf Placebo-Effekte zurückzuführende Behandlung zu berufen. Homöopathika sei halt "sanft".
Diese Annahme trifft bei vielen Menschen auf offene Ohren, denen es ein ausgewiesenes Bedürfnis, den "Chemie-Bomben" der Hochschulmedizin verträgliche, nebenwirkungsfreie Medikamente entgegen zusetzen.

Entgegen der Volksmeinung können aber Homöopathika gefährlich sein. Nicht selten enthalten sie giftige Stoffe wie Arsen, Antimon, Anilin, Blei, Cyanid, Phosphor, Quecksilber, Eiter, Extrakte von Mutterkorn, Osterluzei und Knollenblätterpilzen sowie andere Gifte in pharmakologisch relevanter Menge! Da erscheint es paradox, dem Laien Unbedenklichkeit vorzugaukeln. Im Rahmen einer Nutzen/Risiko-Abwägung gibt es hieraus nur eine Schlussfolgerung: Bei Methoden, deren Nutzen unbelegt oder gar widerlegt ist, sind auch geringe Risiken nicht zu tolerieren.

(Anmerkung: Die nachfolgend Liste homöopathoischer Substanzen ist ein kleiner Auszug aus "Handbuch der homöopathischen Materia medica von W. Boericke, Stuttgart 2004":

Ablagerungen aus dem Mutterkuchen des Pferdes (Hippomanes), Amerikanischer Kartoffelkäfer (Doryphora decemlineata), Arsen (Arsenicum album, A. bromatum, A. hydrogenatum, A. iodatum, A. metallicum, A. sulphuratum flavum), Austernschalenkalk (Calcarea carbonica), Benzol (Benzinum), Bernstein (Succinum), Bettwanze (Cimex lectularius), Bibergeil (Castoreum), Blattgold (Aurum foliatum), Blattläuse von Chenopodium (Aphis chenopodii glauci), Blausäure (Hydrocyanicum acidum), Blei (Plumbum metallicum), Botulinum, Brechweinstein (Antimonium tartaricum), Brustkrebs-Nosode (Carcinosinum Burnett), Buchenholzkohlenteer (Kreosotum), Chloroform (Chloroformium), Chlor (Chlorum), Cholesterin (Cholesterinum), Curare, Deutsche Otter (Vipera), Diphtherie-Nosode (Diphtherinum), Eierstockextrakt von Kühen oder Schafen (Ovininum), Eihaut des Hühnereis (Ovi gallinae pellicula), Eiterflüssigkeit aus dem Krätzebläschen (Psorinum), Fliegenpilz (Agaricus), Flüssiges Pech oder Teer (Pix liquida), Flusskrebs (Astacus fluviatilis), Formaldehyd (Formalinum), Gallensäure (Gallicum acidum), Getrocknetes Blut des Pfeilschwanzkrebses (Limulus cyclops), Getrocknete Tintenfischtinte (Sepia succus), Giftsumach (Rhus toxicodendron, venenata), Gila-Echse (Heloderma suspectum), Gneis aus Gastein (Lapis albus), Graphit (Graphites), Haschisch (Cannabis indica), Hausfliegenmilbe (Trombidium muscae domesticae), Holzkohle (Carbo vegetabilis), Holzruß (Fuligo ligni), Holzteerdestillat (Eupionum), Hornisse (Vespa crabro), Hundemilch (Lac caninum), Hypophyse (Pituaria glandula), Iridium (I. metallicum), Kadmiumsulfat (Cadmium sulphuratum), Kakerlaken (Blatta americana, B. orientalis), Kalziumarsenit (Calcarea arsenicosa), Karlsbader Wasser (Carlsbad aqua; wird nur in niederen Potenzen empfohlen), Kellerassel (Oniscus asellus), Keuchhusten-Nosode (Pertussinum), Klapperschlangengift (Crotalus horridus), Kobalt (Cobaltum), Kobragift (Naja tripudians), Kohlenmonoxid (Carboneum oxygenisatum), Kokain (Cocainum hydrochloricum) Königswasser (Nitromuriaticum acidum; Mischung aus starker Salpeter- und Salzsäure), Korallen (Corallium rubrum), Kreuzspinne (Aranea diadema), Krötengift (Bufo rana), Kubanische und Spanische Tarantel (Tarantula cubensis, T. hispanica), Kupfer, Kupferarsenit (Cuprum metallicum, C. arsenicosum), Lava und Schlacke des Vulkans Hekla (Hecla lava), Maisbrand (Ustilago maydis), Manganacetat (Manganum aceticum), Marienkäfer (Coccinella septempunctata), Menschenfloh (Pulex irritans), Milzbrand (Anthracinum; Bacillus anthracis aus der Milz des Schafes), Mutterkorn (Secale cornutum), Naphthalin (Naphthalinum), Nickel (Niccolum metallicum), Ohrenqualle (Medusa), Opium, Osmium (Osmium metallicum), Palladium (Palladium metallicum), Paraffin (Paraffinum), Petroleum, Pferdemauken-Nosode (Malandrinum; aus der Hautentzündung an der hinteren Fläche der Fessel in der Fesselbeuge), Platin (Platinum metallicum), Pocken-Nosode (Variolinum), Purpurschnecke (Murex purpureus), Quecksilber (Mercurius; in verschiedenen Formen), Radiumbromid (Radium bromatum), Rindergalle (Fel tauri), Röntgenstrahlen (X-Ray; eine mit Röntgenstrahlen behandelte Alkoholampulle), Roter Seestern (Asterias rubens), Rote Waldameise (Formica rufa), Salzsäure (Muriaticum acidum), Schierling (Conium maculatum), Schuppen des rudimentären Großzehennagels des Pferdes (Castor equi), Schwarze Witwe (Latrodectus mactans), Silber (Argentum metallicum), Silbernitrat (Argentum nitricum), Spanische Fliege (Cantharis vesicatoria), Speichel tollwütiger Hunde (Lyssinum, Hydrophobinum), Stinktiersekret (Mephitis putorius), Strontiumcarbonat (Strontium carbonicum), Strychnin (Strychninum), Süßwasserschwamm (Badiaga), Syphiliserreger-Nosode (Syphilinum), TNT (Trinitrotoluenum), Tripper-Nosode (Medorrhinum), Tuberkulöse Lunge (Bacillinum Burnett), Tuberkulöse Rinderabszesse (Tuberculinum bovinum Kent), Verdauungssaft des Hummers (Homarus), Vogelspinne (Mygale lasiodora), Walfischdreck (Ambra grisea, grauer Amber; aus dem Darm des Pottwals), Westindische Feuerspinne (Theridion curassavicum), Wismutnitrat (Bismuthum), Zinn (Stannum metallicum), Zinnober (Cinnabaris), Zyankali (Kali cyanatum)


Angesichts der äußerst potenten Gifte und agressiver Chemikalien, die sich in diesem Katalog befinden, kann man nur hoffen, dass die Verdünnung der homöopathischen Medikamente mit höchster Sorgfalt betrieben wird.)


Homöopathika wirkt nur bei Homöopathen
Ein weiteres Faktum im Verhältnis von Homöopathie und Wissenschaftsmedizin wirft ebenfalls Fragen auf: Bisher hat kein homöopathisches Mittel unbestreitbar positive Heilwirkung vorweisen können. Hätte ein Mittel das gekonnt, wäre es längst von der Wissenschaftsmedizin übernommen worden.
In ihrer langen Geschichte hat die Homöopathie in keinem einzigen Fall durch ihr Verfahren der Arzneimittelprüfung an Gesunden eine Therapie entdeckt, die Eingang in die Wissenschaftsmedizin gefunden hätte - nicht aufgrund dogmatischer Ablehnung, sondern weil glaubhafte Nachweise der Wirksamkeit - über Placebo-Effekte hinaus - ausstehen. Es erscheint grotesk, dass Homöopathen in aller Welt mit Mühe und grösstem Einfühlungsvermögen diejenigen Globuli heraussuchen, die nach ihren Kompendien ganz individuell für die Beschwerden ihrer Patienten passen - und man sie ohne Nachteil - gegen x-beliebige andere Globuli austauschen kann.

Wie unsicher die Homöopathie selbst im Hinblick auf die Wirkung ihrer Substanzen ist, zeigt der nachfolgende Auszug aus einem homöopathischen Lehrwerk:

Mögliche Reaktionen nach der Erstgabe eines Homöopathikums:

1. Eine rasche Heilung findet statt, ohne Verschlechterung der Symptome
2. Die Verschlechterung verläuft schnell, kurz und heftig, gefolgt von rascher Besserung des Patienten.
3. Lange Verschlechterung mit abschließender und langsamer Besserung des Patienten.
4. Lange Verschlechterung mit abschließendem Verfall des Patienten.
5. Andauernde Besserung der Symptome ohne spezielle Linderung.
6. Zuerst Besserung mit nachfolgender Verschlechterung.
7. Zu kurze Linderung der Symptome.
8. Alte Symptome erscheinen.
9. Neue Symptome tauchen auf, nachdem das Mittel verabreicht worden ist.
10. Patienten, die jedes verabreichte Mittel prüfen.
11. Die Symptome schlagen die falsche Richtung ein.


Wenn man also eine Therapiemaßnahme mit Homöopathika durchführt, muss man folgende Hypothesen als richtig und gesichert annehmen:

Eine einzige Substanz kann gegen viele sehr unterschiedliche Krankheitssymptome helfen, genau so kann es aber auch sein, dass von Fall zu Fall gegen ein und dieselbe Erkrankung sehr unterschiedliche Substanzen verordnet werden.

Die Ursache der Krankheit spielt bei der Auswahl des Heilmittels kein Rolle, sondern nur die Symptome, die von Gesunden nach der Einnahme einer Substanz aufgezeichnet werden.

Krankheiten haben keine materiellen Ursachen.



Der Konflikt mit den Natur- und Geisteswissenschaften:


Homöopathische Ursubstanzen bestehen aus einer Vielzahl unterschiedlicher Atome und chemischen Verbindungen. Auch in reinstem Wasser und Alkohol, die man bei der Herstellung der Heilmittel verwendet, kommen in Spuren fast alle wichtigen, natürlichen Elemente vor, die es gibt.

Woher "weiss" das Heilmittel, dass nur es allein wirken soll?
Ein wohlmöglich noch "selektierendes" Gedächtnis der Materie ist außerhalb der homöopathische Theorie bisher nicht bekannt geworden, d.h. es ist noch in keinem anderen chemischen oder physikalischen Zusammenhang und Verfahren je bemerkt worden. Es gibt auch keinerlei Nachweise für dessen Existenz.

Homöopathische Arzneimittel jenseits der Potenz D6 haben keinerlei spezifische Wirkung, jeneits der Potenz D23 keine Moleküle der Ursubtanz mehr, obwohl immer eine biochemische Wechselwirkung angenommen werden muß.
Was genau wirkt, kann die Homöopathie nicht beschreiben. Wie sich der Konflikt mit dem Massewirkungsgesetz naturwissenschaftlich auflösen lässt , kann die Homöopathie nicht beantworten.

Die Theorie, dass Gleiches mit Gleichem kuriert werde und dass beim "Potenzieren" sich "feinstoffliche Information" vom Wesen der Ursubstanz auf den Verdünnungsstoff übertrage, wobei "Stoffliches sich schrittweise in Unstoffliches verwandle", ist wissenschaftlich unbelegt. Wer heute noch an die vitalistische "immaterielle Lebenskraft" im Sinne Hahnemanns glaubt, der ignoriert wesentliche Erkenntnisse der Physik, Chemie und Biologie der letzten 200 Jahre


Wer an die Homöopathie glaubt, wird - bewusst oder unbewusst - skeptisch gegenüber der wissenschaftlichen Medizin. Mit der Angst vor der "schädlichen Chemie" ist aber ein "Nocebo-Effekt" verbunden, der die Wirkung von gut bewährten konventionellen Verfahren mindert oder sogar ganz aufhebt.


Ende des 2. Teils

Pianoman

Geändert von Pianoman (17.07.2007 um 09:26 Uhr).
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Alt 17.07.2007, 09:42   #4
Glaubt an nix!
 
 
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Homöopathie - Theorie und Praxis

Teil 3: Hochpotenzen

In diesem letzten Teil soll es um das Phänomen der Hochpotenzen in der homöopathischen Arzneimittellehre gehen.

Ganz grundsätzlich festgestellt, verlässt die Homöopathie mit der Theorie der Hochpotenzen den gesicherten Boden der Erkenntnis so deutlich, dass man, wenn ihre Annahmen in der Realität tatsächlich funktionieren sollten, davon ausgehen muss, dass - zwangsläufig - wesentliche, fundamentale Gesetze der Physik, Chemie und Biologie falsch oder grob unvollständig sind.
Somit stellt sie das größte Konfliktfeld im Umgang mit den Naturwissenschaften dar.

Die Hypothese lautet:

1. Wenn eine Lösung einer Substanz nach einem ritualisierten Verfahren in mehrfachen Schritten verdünnt und bei jedem Verdünnungsschritt geschüttelt wird, nimmt die therapeutische Wirksamkeit der Lösung trotz der damit verbundenen Reduzierung des wirksamen Arzneistoffes zu.

2. Auch wenn nach der entsprechenden Zahl von Verdünnungsschritten kein Arzneistoff mehr vorhanden ist, potenziert (verstärkt) sich die Wirkung weiterhin.

3. Es gibt keine therapeutische Grenze für die Verdünnungsschritte. Je höher die Potenz - also je mehr Verdünnungsschritte vollzogen wurden - desto wirksamer das Präparat.

4. Ausschlaggebend für die Wirkung der Hochpotenzen ist der rituelle Verdünnungsprozess. Eine direkte Verdünnung zur angestrebten Potenz unter Auslassung der Zwischenschritte führt nicht zur angenommenen Wirksamkeitserhöhung.

(Anmerkung: Auch wenn es grundsätzlich denkbar ist, dass der rituelle Prozess -der Behälter mit der zu potenzierenden Lösung wird 10 x auf ein Lederkissen gestossen - zu spezifischen Eigenschaften einer Lösung führt, so scheint sich Hahnemann selbst nicht besonders sicher gewesen zu sein, wie das Ritual zu gestalten war, da er in seinem Werk mehrfach unterschiedliche Angeben zu den Schlägen im Potenzierungsverfahren gemacht hat, dabei aber keine bestimmte Zahl besonders hervorgehoben hat.
Es gibt kein explizit beschriebenes, ausschließliches Verfahren für den Vorgang der Potenzierung. In den Hinterlassenschaften Hahnemanns sind u.a. folgende Angaben zu finden: Im Jahr 1801: Minutenlanges Schütteln, dann 1810: Starkes Schütteln, präzisiert 1814: 3 Minuten Schütteln, abgemildert 1816: Wohl Schütteln, sportlich 1822: Mit 10 Armschlägen Schütteln, anscheinend ermüdet 1824: 2 Armschläge, wieder erstarkt 1837: 10 Armschläge, im Fitnesswahn 1842: 100 Armschlägen als Optimum.)

5. Die Wirksamkeitserhöhung bezieht sich immer nur auf die Ursubstanz. Alle anderen Stoffe, die sich auch (zwangsläufig) in der Lösung befinden, werden nicht verstärkt.

6. Auch werden bestimmte negative Eigenschaften homöopathischer Ursubstanz (Giftwirkung) nicht verstärkt.

7. Die erzeugten pharmakologischen Eigenschaften der jeweiligen Verdünnung sind dauerhaft, d.h. mindesten 5 Jahre nach deren Herstellung vorhanden.

Begründet wird dieser Prozess mit einer aus den Vorstellungen der mittelalterlichen Alchemie stammenden "geistartigen Kraft", die auch in unbelebter Materie zu finden ist. Diese "geistartige Kraft" überträgt sich auf das Lösungsmittel, dass somit über die Erinnerung an die pharmakologische Wirksamkeit der Ursubstanz verfügt. Auch die "geistartigen Kraft" ist in der Lage, sich zu multiplizieren, so dass die Anwesenheit der Ursubstanz zur Weitergabe der Erinnerungen nicht nötig ist.


Der Konflikt mit den Natur- und Geisteswissenschaften:

Insgesamt ist sowohl der Herstellungsprozess von Hochpotenzen als auch deren zugedachte Eigenschaften weder mit der allgemeinen Erfahrungswelt des Menschen noch mit spezifischen Naturgesetzlichkeiten in Einklang zu bringen:

1. In der gesamten Physik bzw. Chemie ist die Verschiedenartigkeit einer Lösung unbekannt, die sich aus dem Unterschied zwischen einer gerührten oder geschüttelten Vermischung ergibt. Wenn "Schütteln" als Verarbeitungsschritt eine eigenständige Mischform darstellen würde, müsste die Auswirkungen dieses Vorgang auch außerhalb der Homöopathie registriert werden können.

2. In der gesamten Physik bzw. Chemie ist kein Unterschied einer Lösung bekannt, der sich aus der Art und Weise ihre Verdünnungsprozesses ergeben würde. Eine Lösung, die in einem Zug 1:1000 verdünnt wurde, unterscheidet sich nicht von einer Lösung, die man 3x nacheinander jeweils 1:10 verdünnt hat. Wenn der schrittweise Verdünnungsprozess eine Relevanz für die Zusammensetzung einer Lösung hätte, müsste dieser Vorgang auch außerhalb der Homöopathie verzeichnet werden können.

3. In der allgemein erfahrbaren Lebenswelt wie auch unter den Laborbedingungen der gesamten Physik bzw. Chemie ist kein Prozess bekannt, in dem bei kontinuierlicher Verringerung der Konzentration einer Substanz bzw. vor allem bei deren Abwesenheit eine kontinuierliche oder sogar exponentiale Wirkungserhöhung verzeichnet werden kann. Wäre diese Eigenschaft von Materie vorhanden, müsste dieser Vorgang auch außerhalb der Homöopathie verzeichnet werden können.

4. In der gesamten Physik bzw. Chemie ist keine geistartige Kraft eines Atoms, von Molekülen oder Gemischen (weder in Anwesenheit noch in Abwesenheit der Urtinktur) bekannt. Ganz im Gegenteil, die Alchemie, als Vorgängerin der heutigen Chemie, scheiterte vor allem an der Tatsache, dass ihr Annahme, chemische Reaktionen sein durch die Veränderung der geistartigen Eigenschaften der Materie zu erreichen, sich als falsch und untauglich für die Erklärung chemischer Prozesse herausstellte.

5. Es gibt keinen begründeten Anlass, anzunehmen, dass Wasser als Lösungsmittel über das ihm zugeschriebene Gedächtnis verfügt. Im Gegenteil neueste Forschungsergebnisse deuten nämlich darauf hin, dass Wasser eher vergesslich ist. Einem Team um den Physiker Thomas Elsässer vom Max-Born-Institut in Berlin-Adlershof gelang es, die Moleküle eines dünnen Wasserfilms lokal zu bestimmten Schwingungen anzuregen, also Informationen zu speichern. Mit einer trickreichen Apparatur maßen die Forscher, wie lange diese Schwingungsveränderung gespeichert bleibt - ganze 50 Femtosekunden. Eine Femtosekunde ist der millionste Teil einer milliardstel Sekunde. Elsässer bestreitet deshalb, dass die Information eines Wirkstoffs in einer Hochpotenz noch existent sein könnte. "Unsere Ergebnisse zeigen explizit, dass es diesen molekularen Abdruck im Wasser nicht gibt. Dieses Phänomen kann man mit Sicherheit ausschließen."
Dieses Ergebnis hat seine Ursache darin, das Wassermoleküle ständig in Bewegung sind und die Wasserstoffbrücken, die Wassermoleküle kurzfristig aufbauen, eben nur eine durchschnittliche Bindungsdauer von etwa 50 Femtosekunden haben.
Alle diesbezüglichen Versuche von Befürwortern der Homöopathie (Benveniste,1988, Ennis 2001, Rey 2003, Schmidt, Süß und Nieber 2004) deren positive Nachweise für das Vorhandensein eines Wassergedächtnisses jeweils lautstark gefeiert wurden, haben sich nach Überprüfungen als fehlerhaft und nicht reproduzierbar herausgestellt.


6. In der gesamten Physik bzw. Chemie ist kein Prozess bekannt, bei dem in einem Lösungsgemisch durch irgendein Verfahren eine Unterscheidung der Urtinktur von den Nebenbestandteilen stattfindet, der dazu führen würde, dass sich die Konzentration ausschließlich eines Bestandteils verändern würde, alle anderen Bestandteile aber auf ihrem ursprünglichen Konzentrationsniveau verblieben. Wäre diese Eigenschaft von Materie vorhanden, müsste dieser Vorgang auch außerhalb der Homöopathie verzeichnet werden können.

7. Weiterhin stellt sich die grundsätzliche Frage, ob die meisten Hochpotenzen der Homöopathie überhaupt in den häufig verwendeten Potenzen oberhalb D23 herzustellen sind.

Dazu folgende Überlegungen:

Während des Vorgang des Verdünnens bzw. Potenzierens wird eine Ausgangsverdünnung mit einem reinen Lösungsmittel gemischt. Das ist selbstverständlich nur möglich, wenn das zum Verdünnen verwendete Lösungsmitteln nicht bereits selbst die gelöste Substanz in der gleichen Konzentration enthält, wie die Ausgangslösung.

Wasser, das im homöopathischen Verdünnungsprozess eingesetzt wird, ist im Regelfall Wasser aus dem Trinkwasserleitungsnetz. Trinkwasser wird aus Grundwasservorräten, aus Stauseen oder aus Uferfiltraten von Flüssen gewonnen. Auf dem Weg dahin nimmt Wasser unzählige Substanzen auf, die durch die Wasserbewegungen beim Durchfluß von Bächen und Flüssen, Staustufen etc. intensiv vermischt und "geschüttelt" werden. Durch zulaufendes Wasser wird gleichzeitig eine Verdünnung erreicht. Nach
homöopathischen Vorstellungen entstehen genau unter diesen Bedingungen "Abbilder" der Substanzen, die im Wasser enthalten sind.

Würden nun beispielsweise Tollkirschen (Belladonna) in einem Wassergewinnungsgebiet vom einem Busch fallen, und deren Inhaltsstoffe vom Regenwasser mitgespült und in einen Bach geraten, müsste davon ausgegangen werden, dass der Wirkstoff der Tollkirsche, Atropin, in einer bestimmten, wenn auch geringen Konzentration im Trinkwasser vorhanden ist.

Gehen wir weiterhin davon aus, dass aus diesem Trinkwasser in einer Apotheke eine homöopathische Belladonna-Lösung in der Potenz D100 hergestellt werden soll.

Wenn nun die Menge Atropin (etwa 2 mg), die in einer einzige Tollkirsche enthalten ist, mit einer Wassermenge gemischt wird, die dem Jahresverbrauch an Trinkwasser einer mittleren Großstadt mit etwa 500.000 Einwohner entspricht (etwa 35 Millionen Kubikmeter), so entsteht aus diesem Trinkwasser eine ca.10 hoch minus 20 molare
Atropinlösung. Jeder Liter dieses Wassers enthielte dann etwa 1000 Moleküle Atropin (und nach homöopathischer Lehre eine unbekannte Anzahl von "Abbildern").
Das entspricht einer Belladonna-Potenz von etwa D17. Würden mehrere Tollkirschen ins Trinkwasser fallen, müsste natürlich von einem höheren Wert ausgegangen werden.
Wenn dann in der Apotheke beim Verdünnen bzw. Potenzieren des Belladonna-Präparats die Belladonna-Potenz dieses Trinkwassers erreicht wird, ist eine weitere Potenzierung nicht mehr möglich, da ja bei jedem Potenzierungsschritt mindestens wieder eine D17-Lösung zugeführt wird.

Da ohne intensive Analysetätigkeit kaum je nachzuvollziehen ist, welche Minimalspuren von verschiedensten Stoffen im Trinkwasser vorhanden sind, ist im Grunde auszuschließen, dass die präzise angegeben Potenzierungsstufen für die meisten Ursubstanzen überhaupt erreicht werden können.

8. Weiterhin ist bis jetzt ungeklärt, was eine Hochpotenz, die nicht genau dem Symptombild (z.Bsp. bei einer möglichen Fehldiagnose) der zu therapierenden Erkrankung entspricht, im menschlichen Organismus auslöst. Nach dem Verständnis der Homöopathie müsste dadurch ein Krankheitsbild entstehen, da es sich de facto um eine Arzneimittelprüfung am Gesunden (gesund im Hinblick auf das Arzneimittelbild der Hochpotenz) handelt.
Damit besteht - im Gegensatz zu der ständig wiederholten Feststellung, Homöopathika sei sanft, ohne Nebenwirkungen und deshalb risikolos - die Gefahr, dass der Patient zu der vorhandenen Krankheit auch noch eine weitere bekommt; falls die Homöopathie funktionieren würde.

9. Zuletzt muß noch auf einen anderen wesentlichen Punkt hingewiesen werden:
Nach Auffassung der Hochschulmedizin ist die pharmakologische Wirkung eines Stoffes auf eine Interaktion zwischen zellulären Strukturen und der Substanz zurückzuführen. Für derartige Wechselwirkungen ist eine bestimmte Stoffkonzentration nötig.
Würde die Potenzierung von Stoffen in Wasser funktionieren, würde jeder Tropfen Wasser dieser Welt über eine ungezählte Anzahl von geistartigen Abbildern verfügen.
Da der Mensch aus etwa 60% Wasser besteht, würden ständig alle möglichen Substanzen mit ungeheuerem Wirkungspotential im Körper vorliegen. Damit aber wären spezifische biochemische Reaktionen weder möglich noch steuerbar, weil unsere Zellen auf das Vorhandensein und genau so auch auf die Abwesenheit bestimmter Stoffe zu definierten Zeiten angewiesen sind.

Wenn man also eine Therapiemaßnahme mit Homöopathika durchführt, muss man folgende Hypothesen als richtig und gesichert annehmen:

Materie, die zu Arzneistoffen verarbeitet wird, verfügt neben ihren naturgesetzlich nachweisbaren Eigenschaften über eine geistartiges Wesenselement, dass aber außerhalb der Homöopathie weder Wirkung zeigt, noch nachgewiesen werden kann.

Materie weiß, wann sie sich potenzieren (verstärken) darf und wann nicht.

Komplexe Materie - Moleküle und Verbindungen aus ihnen - weiß, welche ihrer Bestandteile Heilwirkung haben, und damit potenziert werden sollen, sie weiß aber auch, welche Bestandteil unerwünscht sind, und nicht potenziert werden dürfen.

Die Wirkung von Materie ist nicht an ihre Anwesenheit gebunden.

Materie ist in der Lage, geistartige Eigenschaften an ein Lösungsmittel wie Wasser abzugeben. Wasser als Lösungsmittel ist in der Lage, diese Informationen dauerhaft zu speichern.

Für alle genannten Konfliktfelder hat die Homöopathie bis jetzt weder eine schlüssige Erklärung abgegeben, noch Nachweise erbracht, dass die Annahmen der Naturwissenschaften falsch wären, und damit die Hypothesen der Homöopathie richtig.

Für ergänzende Nachfragen stehe ich gern zur Verfügung.


Pianoman

Geändert von Pianoman (17.07.2007 um 11:56 Uhr).
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Alt 17.07.2007, 13:10   #5
Frosch
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Pianoman,

danke für den Mittagswitz:
Zitat:
der Behälter mit der zu potenzierenden Lösung wird 10 x auf ein Lederkissen gestossen
Geht es der Lösung danach besser?
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Alt 17.07.2007, 13:55   #6
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Zitat: von Frosch
Pianoman,

danke für den Mittagswitz:

Geht es der Lösung danach besser?
Na sicher nicht dadurch wird es aber (laut der Lehre) potenter...
hups ich hoffe meine rau haut mich nie auf ein Lederkissen...
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Alt 25.07.2007, 21:15   #7
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Homöopathie - Theorie und Praxis

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