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Homöopathie - Informationen zur MethodeIn dieser Diskussion geht es um "Homöopathie - Informationen zur Methode" im "kritisch betrachtet" Forum, als Teil von Patientenfragen.net |
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#1
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Glaubt an nix!
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Dieses Unterforum dient vorrangig der Information über Verfahren, Methoden und Theorien, die der sogenannten Komplementär-Medizin zuzuordnen sind.
Ausgangspunkt ist dabei die Beschreibung und die Analyse dieser Heilverfahren im Spannungsfeld zwischen den ihnen zugrunde liegenden Weltbildern und den natur- und geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen der Gegenwart. Mögliche und erwünschte Diskussionen sollten deshalb mit Hilfe allgemein nachvollziehbarer Argumente geführt werden, da die Erfahrung in ähnlichen Foren gezeigt hat, dass Auseinandersetzungen, in denen "Wissensargumente" und "Glaubensargumente" gegeneinander antreten, sehr schnell die Ebene der Sachlichkeit verlassen. In erster Linie soll dieses Forum damit dem Ziel gerecht werden, "Patientenfragen" nach bestem Wissen zu beantworten. Pianoman |
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Geändert von Pianoman (16.07.2007 um 13:04 Uhr). |
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#2 |
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Glaubt an nix!
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Homöopathie Hochpotenzierter Wahn I. Zu Anfang: Irrtümer... Etwa um 1790 entwickelte der aus Sachsen stammende Arzt Samuel Hahnemann, wohlmöglich auf Grund des Unbehagens gegenüber den vorwissenschaftlichen, brachialen ärztlichen Methoden der damaligen Zeit (Aderlass, Klistier, Verabreichung von Brech- und Abführmitteln), ein umfassendes therapeutisches Konzept, das vornehmlich auf den Ergebnissen beruhte, die Hahnemann in verschiedenen Selbstversuchen gewonnen hatte. Nach diesen Experimenten war Hahnemann der Auffassung, er hätte ein fundamentales pharmakologisches Prinzip entdeckt, nach welchem pharmakologisch wirksame Substanzen (1) , also Arzneistoffe, die in höherer Dosierung bei einem gesunden Menschen die Symptome einer bestimmten Erkrankung auslösen, in niedriger Dosierung in der Lage sind, die Symptome einer Krankheit zu eliminieren, und damit die Krankheit selbst zu heilen. Dem entsprechend lautete der von Hahnemann im Jahr 1796, der "Geburtsstunde der Homöopathie", formulierte, elementare Gedanke seiner Therapie: " Similis similibus curentor. " (lat.: Ähnliches soll durch Ähnliches geheilt werden.) Allerdings hat Hahneman dieses Therapiekonzept nicht genuin selbst erforscht und entwickelt - hier, wie auch in ihren meisten anderen Aspekten, stimmen die Legenden der Homöopathen nicht - sondern auf die Thesen früherer vorwissenschaftlicher Heiler zurückgegriffen. Wie der Berliner Rechtsmediziner Prof. Dr. Otto Prokop (2) aufzeigte, reicht die Liste derjenigen, die mit der Hypothese des Simile-Prinzips die menschliche Lebenskraft beeinflussen wollten, vom ausgehenden Mittelalter bis zur Antike, von den Renaissence-Okkultisten Paracelsus (1493-1541) und Agrippa von Nettesheim (1456-1535) bis zu Hippokrates (460-370 v. u. Zr.) im antiken Griechenland zurück. Dazu addiert sich, dass die Vorstellungen über "Gleiches durch Gleiches", "Ähnliches durch Ähnliches" und "Gegensätzliches durch Gegensätzliches" als Gesetzmässigkeiten und damit als Begründungen für die Beeinflussung der gemeinhin metaphysisch aufgefaßten "Lebenskraft", fest verhaftetes "Allgemeinwissen" im Volks- und Aberglauben der voraufklärerischen Zeit sind. Hahnemanns "similia similibus curentur" war also alles andere als eine Innovation. Das ist auch im Zusammenhang mit dem weiter unten beschriebenen Chinin-Versuch, der immer noch als Initialzündung der Homöopathie gilt, festzustellen. Man muss davon ausgehen, dass Hahnemann bei einer Übersetzung des schottischen Pharmakologen Dr. William Cullen (1710-1790) (3) auf die Abhandlung über die Chinarinde stieß. Cullen vertrat, ebenso wie dessen Zeitgenossen John Brown (1735-1788) und der Deutsche Michael Alberti (1734), "naturphilosophische" bzw. okkulte Auffassungen über Krankheit und Heilung, die ähnlich schon bei Paracelsus zu finden sind, auf den sich Hahnemann ebenfalls ausdrücklich bezieht (4) . So, wie nach ihnen auch Hahnemann, sahen diese Vertreter okkulten Heilertums nicht Krankheiten verschiedenster Ursachen vorliegen, sondern Störungen einer ominösen "Lebenskraft". Dieser Gedanke durchzieht die Homöopathie bis heute. Wie kam nun Hahnemann zu seinen Überzeugungen ? Wie schon erwähnt, übersetzte Hahnemann Cullens Werk. Dieser untersuchte u.a. die Chinarinde und war der Meinung, die Chinarinde heile das Wechselfieber (Synonym f. Malaria) durch ihre magenstärkende Wirkung. Im Jahre 1790 begann Hahnemann diese Behauptung von Cullen nachzuprüfen. Der Chinarinde-Versuch Der wesentliche der oben angesprochenen Hahnemannschen Selbstversuche bestand in der Einnahme von Chinarinde, deren Bestandteil Chinin (5) , ein Alkaloid, u.a. fiebersenkende Wirkung hat, und deshalb als Chemotherapeutikum bei der Behandlung der Fieberschübe einer Malaria-Erkrankung eingesetzt wird. Hahnemann jedoch stellte bei seinem legendären Selbstversuch fest, dass die mehrfache Einnahme von Chinarinde bei ihm - anstatt der erwarteten Fiebersenkung - einen Anstieg der Körpertemperatur zur Folge hatte. Wahrscheinlich durch die Einnahmezyklen in Verbindung mit der Dosis provoziert, entwickelte er nach seiner Auffassung Symptome, die dem Wechselfieber der Malaria ähnlich waren. Allerdings diagnostizierte er dieses "Fieber" - mangels Messgerät - nicht durch eine Temperaturmessung, sondern durch die Interpretation einer anderen physiologischen Erscheinungen, nämlich durch einen erhöhten Puls. Eine erhöhte Herztätigkeit ist aber auch als Folgeerscheinung der höherdosierten Einnahme dieses Alkaloids bekannt. Sie entsteht im Rahmen einer Methämoglobinämie, die auf die Oxidation des Hämoglobins durch Chinin zurückzuführen ist. Dabei entsteht aus dem zum Sauerstoff transportfähigen Hämoglobin, das nicht zum Sauerstofftransport fähige Methämoglobin. Durch den Anstieg des Methämoglobin im Blut kommt es zu einer Zyanose (O2-Mangel), die u.a. mit Schwindel, Benommenheit, Kopfschmerzen und eben der erhöhten Herzfrequenz einhergeht. Es spricht also - nach heutigem Wissen - sehr viel dafür, dass Hahnemann überhaupt nicht fieberte, und er seine physiologische Reaktion einfach - in völliger Unkenntnis der biochemischen Zusammenhänge - falsch interpretierte. Akzeptiert man die hochwahrscheinliche Möglichkeit einer Fehlinterpretation, ist ohne weiteres erklärbar, weshalb es bisher nicht ein einziges Mal gelungen ist, das damalige Experiment mit dem gleichen Ergebnis wie Hahnemann - dem beschriebenen Temperaturanstieg - nachzuvollziehen. Ein aktueller Versuch (6) dazu wurde von Pharmakologen der Universität Gießen Dr. med. Hans Joachim Krämer und Prof. Dr. med. Ernst Habermann im Jahr 1997 durchgeführt. Das Ergebnis dieses Versuchs entsprach den Erwartungen, die die wissenschaftliche Medizin prognostizieren konnte: Chinin löst kein Fieber (7) aus. Weder bei Gesunden, noch bei Kranken. Nun könnte man die Betrachtung der Homöopathie an dieser Stelle mit dem Hinweis auf eine offensichtliche Fehldiagnose beenden, wäre nicht Hahnemann von dem Ergebnis seiner Versuche so überzeugt gewesen, dass er an diesem Konzept festhielt und den Rest seines Lebens damit zubrachte, ein komplexes, wenngleich absurdes Heilverfahren zu entwickeln, dass (dummerweise) und aus völlig anderen als den angenommen Gründen auch Heilerfolge hatte (dazu mehr an anderer Stelle), und dass - vor allem in intellektuellen Teilen der Bevölkerung - auf eine mit der Epoche der Deutschen Romantik verbundene Geisteshaltung traf, die mystisch-okkultem Gedankengut durchaus aufgeschlossen gegenüberstand, wenn nicht sogar in Faszination verbunden war. So verfasste Hahneman 1810 sein "Organon der rationellen Heilkunde" , und schuf damit - wahrscheinlich ohne es zu wollen - eine Bibel für seine Anhänger, an der seither - Dank des sakrosankten Image ihres Autors - jede naturwissenschaftliche Entwicklung spurlos vorüber gegangen ist. Fakt ist jedoch, dass es seit Bestehen der Homöopathie nicht gelungen ist, auch nur für eine der Hahnemannschen Überzeugungen einen wissenschaftlichen Beweis zu finden; allerdings ist das seit der skandalösen Entscheidung der deutschen Politik, sich den Homöopathie-Lobbyisten zu beugen und die Homöopathie zur "Besonderen Therapierichtung" (8) zu erklären, zur Rechtfertigung des Verfahrens auch nicht mehr nötig. Dass mit dieser durch nichts zu rechtfertigenden Aufwertung der Homöopathie eine der größten Provokationen der Naturwissenschaften stattfand, ist nicht nur ein Armutszeugnis für Forschungsstandort Deutschland, sondern ein weiterer bedauerlicher Schritt in eine irrationale Gesellschaft. Wie sehr aber die Homöopathie auf der Irrationalität jahrhundertealter Überlieferung okkulter Vorstellungen beruht, fällt nicht erst ihren heutigen Kritikern auf. ...Irrtümer, die auch schon "damals" schon auffielen. Schon 1821 fanden erste Versuche statt, den Chinarindenversuch zu wiederholen (9). Johann Christian August Heinroth (1773-1843), ein Professor für Psychiatrie in Leipzig und Vertreter einer natur-philosophisch-romantischen Richtung der Medizin, bezeichnete in seinem 1825 erschienen "Anti-Organon oder Das Irrige der Hahnemannischen Lehre im Organon der Heilkunst" die Theorien Hahnemanns als Spinnengewebe, mit dem man viel zu nachsichtig umgegangen sei: " (...) das man ihm (Hahnemann) Vieles hat hingehen lassen, was sich vor dem Richterstuhle des strengen Verstandes gar nicht vertheidigen läßt; überhaupt, daß man Herrn Hahnemann´s, zwar nicht Kunst, aber doch Art, sich ein System zusammenzubauen, und nicht bloß unerwiesene, nicht bloß unerweisliche, sonder auch sich selbst widersprechende Begriffe und Sätze zu den Grundpfeilern seinen Gebäudes zu machen, mit einer Milde hat durchgehen lassen, deren sich Herr Hahnemann gegen die Gesamtheit der Äerzte nicht in gleicher Weise beflissen hat." Heinroth formuliert dann noch einen Satz, der nicht nur Hahnemann die Grundklage entzieht, sondern - nur nebenbei erwähnt - umfänglich für die Verfahren der Alternativheilerei gilt: "Wer falsche Begriffe hat, spricht auch falsche Regeln aus, wenn er auf seine Begriffe Regeln baut; und thut er dies, so verleitet er auch zu einem falschen Verfahren." Und dann kommt Heinroth geradezu prophetisch zu einer Erkenntnis, die an Aktualität nichts, rein gar nichts verloren hat:" Von jeher hat sich die Ueberzeugung eines determinirten Mannes, wenn diese Ueberzeugung auch nur ein Wahn war, leicht auch anderen Gemüthern mitgetheilt." Auch Georg Freiherr von Wedekind (1761-1831) außerordentlicher begabter Mediziner, u.a. Mitgründer der Mainzer Poliklinik und früher Befürworter der Pockenimpfung, kommentierte die Homöopathie sehr eindeutig: "Nichts Gutes kann dabei herauskommen, wenn man Physik und Metaphysik untereinander wirft, wie solches die Naturphilosophen thun, und Herr Hahnemann, den ich ihnen in dieser Hinsicht beizähle." Nach von Wedekinds Meinung würde die Hahnemannsche Lehre in den "Irrgarten der Geisterwelt" führen, in dem "alle geregelte Untersuchung aufhören und der Aberglaube alles verfinstern könnte". Doch nicht nur die illustren Vertreter der frühen Wissenschaftsmedizin haben sich umfänglich kritisch mit der Person und dem Werk Hahnemanns auseinander gesetzt, auch im medizinischen Alltag wurden diverse Therapieansätze der Homöopathie überprüft. So listen Prokop/Prokop (10) verschiedene frühe Untersuchungen z. Tl. Placebo-kontrollierter, homöopathischer Behandlungen auf, die allesamt negativ verliefen: 1834 / Petersburg,12 Pat. / Mittel: Carbo med. D 30 mit Placebo / Placebo gleichwertg. 1834 / Paris, Lungentuberkulosepat. / Mittel: Individuell / Placebo besser 1834 / Paris, Div. Erkrankungen / Mittel: Individuell / kein therapeutischer Nutzen 1835 / Nürnberger Kochsalzversuch, 55 Pat. / Mittel: NaCl D30 / kein therap. Nutzen 1837 / Petersburg, Syphillis-Pat. / Mittel: Individuell / Placebo gleichwertg. Doch selbst die fundierteste Kritik der damaligen Zeit konnte die Verbreitung der Homöopathie nicht verhindern, denn sie hatte unbestreitbare Erfolge; allerdings nicht durch homöopathische Pharmazeutika. Worauf der "Erfolg" der Homöopathie zurückzuführen ist, ergibt sich aus den weiteren Kapiteln in Teil II und III. Endnoten: (1) Bezüglich der Mittelverwendung existiert in Kreisen der Homöopathie-Nutzer oftmals die falsche Auffassung, dass die homöopathischen Ursubstanzen pflanzlicher Herkunft seien; und dementsprechend den Nimbus der "sanften Naturmedizin" genießen. Häufig wird damit der Gegensatz zur "gefährlichen Chemie" konstruiert. Diese Ansicht wird zwar durch die homöopathischen Heiler gepflegt, ist aber völlig unhaltbar. Denn die Homöopathie benutzt nicht nur eine überwiegende Zahl von anorganischen Substanzen, darunter hochgiftige Metalle wie Quecksilber oder Cadmium, sie verwendet auch tierliche Substanzen (häufig Gifte) oder komplette Tiere. In der moderen Homöopathie werden Mittel verwendet, die weder eine pharmakologische Einordnung ermöglichen, noch irgend etwas mit Naturmedizin zu tun haben, z.B. Mikrowellen, das Vakuum, oder Röntgenstrahlen; oder eben Ex.can. (Hundekot), beschrieben von den unglaublichen Homöopathen Eberle & Ritzer, die auch mit Plutonium therapieren. http://www.homoeopathieforschung.de/home.htm (2) Prof. Dr. Otto Prokop, in Prokop/Prokop" Homöopathie und Wissenschaft : eine Kritik des Systems", Stuttgart 1957 S. (3) ebenda (4) ebenda (5) Eigenschaften und Wirkung des Chinins: Der bittere Geschmack des Chinins hat appetitanregende Wirkung und findet deshalb in geringen Dosierungen in chininhaltige Getränken Einsatz. In Dosierungen, bei dem noch wenig unerwünschte Nebenwirkungen auftreten, stehen die milde Analgesie und Fiebersenkung im Vordergrund, die jeweils zentralnervösen Angriffspunkten zugeordnet werden können. Toxisch wirkt Chinin in höheren Dosierungen als potentes Zellgift. Es hemmt verschiedene Enzymsysteme der Zelle. Dies führt zu einer signifikanten Verminderung der Zellatmung durch Hemmung biochemischer Prozesse und damit zu einer Verminderung der Temperatur. Aus diesem Grunde kommt es zu einer systemischen Temperatursenkung beim Menschen, beziehungsweise zur letalen Stoffwechselblockade bei den Malaria-Erregern, den Schizonten, in den Roten Blutzellen. Bei höherer Dosierung des Chinins kommt es also zu einer Vergiftung. Eine Folge davon ist Untertemperatur mit evtl. "Schüttelfrost". (6) Der Versuch wurde im "Deutschen Ärzteblatt" veröffentlicht: http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=6926, die Nachlese mit Leserbriefen und Stellungnahmen ist zu finden unter:http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=8418 (7) Korrekterweise soll auf die Möglichkeit einer allergischen Reaktion auf Chinin hingewiesen werden, bei der als Symptom auch eine erhöhte Temperatur entstehen kann. Mit den Schlußfolgerungen der Homöopathie hat dieses Phänomen jedoch nichts zu tun. (8) "Besondere Therapierichtungen“ im Sinne des Sozialgesetzbuches und des Arzneimittelgesetzbuches sind u.a. die Homöopathie und die Phytotherapie (Pflanzenheilkunde). Im Gegensatz zu anderen Arzneimitteln dürfen Präparate der besonderen Therapierichtungen zugelassen und verordnet werden, auch ohne dass für sie Wirksamkeitsnachweise nach empirisch-wissenschaftlichen Kriterien erbracht wurden, sofern eine sogenannte Binnenanerkennung durch Experten der jeweiligen Therapierichtung vorliegt und das Mittel in einer Monographie beschrieben ist. (9) Die Reproduzierbarkeit eines Experiments ist eine der wesentlichen Voraussetzungen für die Intersubjektivität einer als "wissenschaftlich" anzuerkennenden Theorie. (10) Aufstellung nach Sallinger (1882) und Lochner (1835) aus Prokop/Prokop" Homöopathie und Wissenschaft : eine Kritik des Systems", Stuttgart 1957 S. 22 |
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Geändert von Pianoman (13.12.2008 um 10:32 Uhr). Grund: Änderungen, Anpassung an die HoNcode-Prinzipien |
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#3 |
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Glaubt an nix!
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Homöopathie Hochpotenzierter Wahn II. Homöopathische Arzneimittel; Beliebigkeit zum Prinzip erhoben - Simile-Prinzip / Vitalismus - Bedenken wir noch einmal die Ausgangssituation der Hahnmannschen Hypothese: Hahnemann erforschte ein Mittel (Chinin), dessen pharmakologische Wirkung (Fiebersenkung) bekannt war. Er tat das nicht mit der Absicht, die Wirkungen von Chinin im Sinne des simile-Prinzips zu beweisen, sondern um Cullens Hypothese der "magenstärkenden Wirkung" des Chinins zu bestätigen bzw. zu verwerfen. Sicherlich ging es dabei auch um Dosierungen von Chinin. Hahnemann war offenbar keineswegs auf der Suche nach "Geistartigen Eigenschaften", sondern betrieb frühe Biochemie und Pharmazie mit dem minimalen naturwissenschaftlichen Wissen seiner Epoche. Bei diesem Versuch traf er auf eine Wirkung des Alkaloids Chinin, die er - mangels Kenntnis der schon im 1. Teil beschriebenen biochemischen und mikrobiologischen Zusammenhänge - falsch interpretierte und dadurch in einen nicht haltbaren Kausalzusammenhang brachte. Hätte Hahnemann die Wirkung von Chinin nicht schon gekannt, wäre er mit dem Ergebnis seines Versuchs nicht in der Lage gewesen, den Wirkmechanismus des Chinins zu entdecken; denn das (falsche) Ergebnis seines Selbstversuchs war ja: Chinin erzeugt Fieber. Hahnemann sah sich also einem Widerspruch gegenüber, den er auflösen musste: Sein Versuchsergebnis stimmte mit der empirisch erforschten Realität nicht überein. Eine - wenn auch falsche - Erklärung für das Phänomen bot das Simile-Prinzip, das in Ansätzen schon lange vor Hahnemann existierte (1), also zu seinem "Wissensschatz" gehörte. Das Simile-Prinzip ist ein Folge falschen Analogie-Denkens vor allem antiker vorsokratischer Philosophen und Forscher. Es basiert auf der Annahme, dass (vermutete) Ähnlichkeiten zwischen Dingen oder Prozessen präzise Erklärungen über die Natur der Dinge oder Prozesse ermöglicht. Beipiele für dieses Denken bei Heraklit: "Das Bewegte wird durch das Bewegte erkannt.", oder Empedokies: "Erde gewahren wir stets durch Erde, durch Wasser das Wasser, göttlichen Äther durch Äther, verwüstendes Feuer durch Feuer, Liebe durch Liebe zumal und Streit mit traurigem Streite.", auch bei Plato: "Das Auge ist nicht die Sonne, aber das sonnenähnlichste Wahrnehmungswerkzeug." oder Platin: "Nie hätte das Auge die Sonne gesehen wenn es nicht selber sonnenhaft wäre..." sind solche Analogien zu finden. Der Großmeister der Analogie war die historisch zweifelhafte Person des Hermes Trismegistos, dessen angeblich universellen Weisheiten jede Frage dieser Welt beantworten. "Wie oben so unten, wie im kleinen so im großen..." Dieses Analogie-Denken ist in der vorwissenschaftlichen Medizin das typische Kennzeichen archaischer, magisch-animistischer Heilkonzepte. Das Konzept greifen auf einfache Stoff-, Farb-, Kraft- und Gestaltanalogien (Gelber Löwenzahn hilft gegen Gelbsucht) zurück, und genau diese Analogien sind auch eine der wesentlichen Grundlagen nicht nur der Homöopathie, sondern genau so auch in der Anthroposophischen Heilkunde, überhaupt in allen esoterisch beeinflussten Heilverfahren zu finden. Weil aber dieses Konzept der Welterkundung ebenso falsch ist, wie die Schlußfolgerungen des Chinin-Versuchs es waren, kam es bei der Fortsetzung der vielfältigen Hahnemannschen Selbstversuche zu erheblich anderen Erscheinungen als erwartet. Um das Konzept - und möglicherweise auch seine eigene Gesundheit - zu retten, reduzierte Hahnemann nicht nur - aus nachvollziehbaren praktischen Erwägungen - die Konzentrationen seiner Medikamente - sowohl bei der Behandlung der Kranken als auch innerhalb der sogenannten Arzneimittelprüfungen -, er führte auch im Laufe der Erforschung verschiedener anderer Substanzen ein weiteres Erklärungsmodell ein, das begründen sollte, warum auch ein extrem verdünnter Stoff eine Wirkung auslösen konnte. Hahnemann, als Mensch seiner Zeit noch stark beeinflusst von der Denkwelt der mittelalterlichen Alchemie, erklärte die Wirkung seiner Zubereitungen mit einer geistartigen Kraft, die in der Vorstellung der Alchemie auch unbelebter Materie innewohnt. Um eine innere Konsistenz in seiner Theorie zu schaffen, erklärte er weiterhin die vielfältigen Erkrankungen, die sich Menschen zuziehen können, ganz allgemein als Störung einer geistartigen Lebenskraft (in späteren Zeiten in "Lebensprinzip" umbenannt), die mit Hilfe der geistartigen Kraft der Medikamente beseitigt werden könnte. Auch diese Idee stammt aus den Vorstellungen der Antike und des Mittelalters zum sogenannten "Vitalismus" (2). Nun haben sich die Vorstellungen der Alchemie genau so überlebt, wie der Vitalismus und letztlich fast der gesamte "Wissensstand" der vorwissenschaftlichen Zeit. Es ist deswegen nachvollziehbar, dass Hahnemanns Denken auf heute nicht mehr haltbaren Weltanschauungen beruht. Weder hatte er ein konkretes Bild von Humanpathologie, noch von Biochemie, von Mikrobiologie, vom Zellstoffwechsel, von Genetik, von der Wirkung von Mikroorganismen (deren mögliche Existenz er konkret ablehnte), vom Atommodell, vom Massewirkungsgesetz und - ganz allgemein - von fast allen anderen Naturgesetzen, die heute fundamental unsere Auffassung von Natur und Kosmos bestimmen; und die, im Gegensatz zu Hahnemanns Vorstellungen, sich keiner wissenschaftlichen Verifizierung entziehen. Genau hier begegnen wir dem zentralen Problem der Homöopathie: Weil das Konzept von Hahnmann sowohl auf metaphysisch-mystischen (also sich weitestgehend der Nachweisbarkeit entziehenden) als auch schlicht falschen Vorstellung von Naturprinzipien beruht, ist es nicht entwicklungsfähig. Dazu addiert sich, dass die Anhänger der Homöopathie konsequent alle Erkenntnisse der letzten 200 Jahre, die sich in der Biologie, der Medizin, der Physik oder Chemie etabliert haben, ignoriert haben, und jeder Versuch, die Prinzipien der Homöopathie unter Beachtung der mittlerweile erkannten Naturgesetzlichkeiten auf ihre Wahrheit zu überprüfen, zwangsläufig zum Scheitern verurteilt ist. - Die homöopathische "Arzneimittelprüfung"; auf Umwegen in die Absurdität - Trotz aller Kritik an den (falschen) Hypothesen der Homöopathie betreiben deren Verfächter weiter die Entwicklung homöopathischer "Medikamente" nach einem Verfahren, welches in seiner Beliebigkeit selbst einer Wäscheklammer (3) therapeutische Tauglichkeit attestieren könnte. Der Begriff "Arzneimittelprüfung" suggeriert unbefangenen Mitmenschen, dass hier getestet wird, ob man mit bestimmten Substanzen kranke Menschen heilen kann, und, falls dem so ist, ob diese "Arznei" besser wirkt als ein Placebo. In der modernen wissenschaftlichen Medizin wird dazu ein Standardverfahren genutzt: die Überprüfung der Wirksamkeit eines Therapeutikum oder eines Heilverfahrens erfolgt im Rahmen einer doppelt-verblindeten, randomisierten Studie. Das homöopathische Verfahren funktioniert jedoch gänzlich anders: Will nämlich ein Homöopath herausfinden, ob eine Substanz wirkt bzw. wie sie überhaupt wirkt, wird das zu prüfende Mittel nicht erkrankten sondern gesunden Menschen verabreicht, den Teilnehmern einer "homöopathischen Arzneimittelprüfung". Diese Testpersonen führen dann über Tage z.Tl auch über Wochen hinweg ein "Tagebuch", d.h. eine Art Prüf-Protokoll. Registriert werden - nach der Einnahme der zu prüfenden Substanz - von den Prüfern sämtliche erlebten Befindlichkeiten physischer und psychischer Art, also körperliche Zustände, Gefühle, Stimmungen etc. pp. Aus Übereinstimmungen mit den Ergebnissen anderen Prüfern werden nun signifikante Symptome abgeleitet. Dabei wird nicht auf mögliche andere Ursachen geachtet, sondern es wird angenommen, dass die Prüfsubstanz die Ursache für die jeweilige Befindlichkeit ist (4). Mit dieser Methode ist zwangsläufig sichergestellt, das man immer gewisse Effekte oder "Symptome" findet; und nicht selten diese dann parallel bei mehreren Prüfern. Denn die Banalität und Häufigkeit bestimmter menschlicher Reaktion, sorgt dafür, dass bestimmte physische und psychische Prozesse vervielfacht registriert werden. Wenn eine Prüfung z.B. im Hochsommer bei entsprechenden Temperaturen stattfindet, kann man davon ausgehen, dass nicht wenige Prüfer als Symptom "Nächtliches Schwitzen" oder "Unruhiger Schlaf" verzeichen. Findet eine Prüfung dagegen zur Zeit einer Grippewelle oder bei typischem Erkältungswetter statt, werden sicher gehäuft die Symptome "Laufende Nase" "Fieber", "Halzschmerzen" "Kalte Füße in der Nacht" etc. zu vermerken sein. Es ist deswegen auch nicht verwunderlich, dass bestimmte, gleiche Symptome bei einer Vielzahl von geprüften Substanzen mit schöner Regelmässigkeit auftauchen, und auch regelmässig in verschiedenen Arzneimittelbilder erscheinen. Genau so, wie auch eine bestimmte Prüfsubstanz für verschiedenste Symptome zuständig sein soll. Aufgrund der in der Arzneimittelprüfung festgestellten (vermeindlichen)Zusammenhänge, legt der Prüfer unter Beachtung des fundamentalen Grundsatzes der Homöopathie - Similar similibus currentur - die zukünftige Anwendung des Mittels fest. Ganz einfach beschrieben: Berichtet eine Testperson von Halsschmerzen während der Prüfung, dann kann das Mittel gegen Halsschmerzen angewendet werden; verzeichnet eine Testperson Schlafstörungen mit Nachtschweiß (Hochsommer), dann verwendet man die Substanz gegen eine Erkrankungen, bei der Schlafstörungen mit Nachtschweiß als Symptom registriert wird. Es dürfte nachvollziehbar sein, dass aufgrund eines solchen Testverfahrens wie die "Arzneimittelprüfung", in der Homöopathie so gut wie alle denkbaren Substanzen gegen irgendeine menschliche Daseinsäußerung - die als Symptom einer Erkrankung bzw. Störung der Lebenskraft interpretiert wird - wirksam ist. Das ist eben auch der Grund für die umfängliche Anzahl von sogenannten "Arzneien", die mit einem nachvollziehbaren, pharmazeutisch beschreibbaren Prozess im menschlichen Organismus nicht das Geringste zutun haben. Um ein Argument der Homöopathie-Verfechter vorweg zu nehmen: Natürlich können auch unorthodoxe Substanzen heilende Prozesse auslösen. Nur, das Problem ist dabei - nehmen wir mal solche Substanzen wie radioaktive Schwermetallen (5), Hundeexkrement (6), oder die nicht geringen Anzahl von sogenannten "Nosoden" aus pathologischen Körpermaterial (7) - das diese Mittel oftmals alles andere als unbedenklich sind. Das ist wohl auch Hahnemann - zu seiner Zeit konfrontiert mit Giftstoffen wie z.B. Arsen - aufgefallen. Deshalb ist die Anweisung aus dem Organon durchaus nachvollziehbar: Organon § 128: „So erforscht man jetzt am besten, selbst die für schwach gehaltenen Substanzen in Hinsicht auf ihre Arzneikräfte, wenn man 4 bis 6 feinste Streukügelchen der 30sten Potenz einer solchen Substanz von der Versuchs-Person täglich, mit ein wenig Wasser angefeuchtet, oder vielmehr in einer größern oder geringern Menge Wasser aufgelöset und wohl zusammengeschüttelt, nüchtern einnehmen und dies mehrere Tage fortsetzen läßt.“ Hahnemann propagiert also D30 als Potenz für die Arzneimittelprüfung. Weil aber ab D23 (8) mit keinem Atom der Prüfsubstanz mehr gerechnet werden muss, ist damit die Sicherheit der Prüfer bzw. später auch die Sicherheit der Patienten gewährleistet. Nur, so wird sich der Nicht-Homöopath an dieser Stelle sicher fragen: "Was prüfen die dann eigentlich, wenn in der Prüfsubstanz nichts mehr zum Prüfen vorhanden ist ?" Und damit gelangen wir zum großen Geheimnis der Hochpotenzen, dem Bestandteil der Homöopathie, der wohl die größte intellektuelle Zumutung für den normal denkenden Menschen darstellt; und deshalb separat in Teil III behandelt wird. Endnoten: (1) Vergleichbare Ansätze sind bei Hippokrates oder Paracelsus zu finden (2) Vitalismus: http://de.wikipedia.org/wiki/Vitalismus (3) Wenn sich bei dem Beispiel der Wäscheklammer Homöopathen provoziert fühlen, mögen diese die Absurdität dieses Vorschlags mit solchen Prüfsubstanzen wie Mondlicht, Südwind, Vakuum, Röntgenstrahlen, Hundekot, Mikrowellen, oder Mobilphone vergleichen. Der Katalog homöopathischer Arzneien von Remeda liefert Beispiele, bei denen eine Wäscheklammer wohl eher zu den rationaleren Ursubstanzen zu zählen ist. Die Liste der abwegigen Stoffe, die die Homöopathie sich - auf ihren Irrwegen - als Arzneien erarbeitet hat, ist so lang, dass hier nur auf die Auflistung des Homöopathika-Herstellers "remedia" verwiesen werden soll. http://www.remedia.at/homoeopathie/arzneibuchstabe.html?PHPSESSID=ec5ua8ipm3hrsiko6a7 i9u9qj6 Wer also das außerordentlich krankmachende Adenosintriphosphat "ATP" als Globuli sucht, wird dort genau so fündig, wie der, der seinen trockenen Husten mit "Badeschwamm" therapieren möchte. Für Maler gibt es "Brillux" hergestellt aus Brillux Flächenglasur (aromatenfrei), für Greifvögelfreunde Globuli aus "Buzzard" (Mäusebussard), Jäger gesunden möglicherweise mit "Deer", (Globuli aus dem Blut männlicher Rehkitze), Schlosser können durch "Edelstahl" genesen und für die derzeit doch geschundenen Bänker gibt es Globuli aus "Eintausend DM". Und dem, der irgendwie doch nicht weiß, ob er der ganzen Homoöpathie trauen soll, bietet sich sogar schulmedizinisches "Aspirin" ab D3 an. (4) Exemplarisch für den Ablauf und die Inhalte von "Arzneimittelprüfung" sollen hier die Prüfung von "Mikrowellen" und "Deutscher Wattwurrm" genannt werden. Mikrowellen: http://www.remedia.at/homoeopathie/microwave.html?erfahrung=erfahrung&width=800&heigh t=450&inlineId=erfahrung1&nr=5123&name=MicrowaveFi refoxHTML\Shell\Open\Command Deutscher Wattwurm: http://www.homoeopathie-wichmann.de/provings/wattwurm.pdf (5) Radioaktive Schwermetalle wie Plutonium setzen die Homöopathen Eberle & Ritzer als Therapeutika zur "Heilung von Krankheiten in modernen Lebenssituationen" ein. http://www.homoeopathieforschung.de/home.htm (6) Auch für Excrementum canium, also Hundekot, liefern Eberle & Ritzer das Arzneimittelbild. http://www.homoeopathieforschung.de/caninum.htm (7) Eine besonders bemerkenswerten Gruppe homöopathischer Grundsubstanzen stellen die sogenannten "Nosoden" dar. Nosoden sind Arzneimittel, welche nach Vorschrift des homöopathischen Arzneibuches (HAB) aus Krankheits- oder Stoffwechselprodukten von Menschen, Tieren, Microorganismen oder Viren hergestellt werden können. (8) Ab einem gewissen Grad der Verdünnung – die Grenze wird bestimmt durch die Avogadro-Konstante – enthält eine homöopathische Arznei keine Moleküle der Ausgangssubstanz mehr (sogenannte Hochpotenzen ab der D24 bzw. der C12). Eine gemäss naturwissenschaftlichem Ermessen nichtwirksame Arznei ist ein sprichwörtlicher Etikettenschwindel: Was auf einem Fläschchen draufsteht (z.B. Natrium chloratum C30), lässt sich im Fläschchen nicht nachweisen. http://de.wikipedia.org/wiki/Avogadro-Konstante |
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Geändert von Pianoman (13.12.2008 um 10:42 Uhr). Grund: Änderungen, Anpassung an die HoNcode-Prinzipien |
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Glaubt an nix!
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Homöopathie Hochpotenzierter Wahn III. Hochpotenzen In diesem letzten Teil soll es um das erstaunliche Phänomen der Hochpotenzen in der homöopathischen Arzneimittellehre gehen. Ganz grundsätzlich festgestellt, verlässt die Homöopathie mit der Theorie der Hochpotenzen den gesicherten Boden der Erkenntnis so deutlich, dass man, wenn die damit verbundenen Hypothesen in der Realität tatsächlich funktionieren sollten, davon ausgehen muss, dass - zwangsläufig - wesentliche, fundamentale Gesetze der Physik, Chemie und Biologie falsch oder grob unvollständig sind (1). Damit diese Feststellung nachvollziehbar wird, soll hier kurz exemplarisch dargestellt werden, welche biologischen Abläufe auf der Zellebene vorliegen, wenn ein biologischer Prozess durch eine pharmazeutisch wirksame Substanz beeinflusst wird. Als Prozess ist hier die Erregung einer Muskelzelle und deren Blokade durch Atropin beschrieben. Dieses Beispiel ist deswegen von besonderer Aussagekraft, weil genau mit diesem Prozess Pharmazeuten der Universität Leipzig, im Jahre 2003 die Wirkung von Belladonna-Hochpotenzen nachgewiesen haben wollten; und damit kläglich scheiterten (2). Um was geht es genau ? Im Zusammenspiel von Nervensystem und z. B. der Muskulatur spielen Neurotransmitter wie Acetylcholin eine wesentliche Rolle. Neurotransmitter sind chemische Botenstoffe, welche die elektrischen Reize der Nervenbahnen zwischen deren einzelnen Abschnitten oder an andere Strukturen des Organismus übermitteln. Bei einem Bewegungsimpuls wird ein Reiz von einer Nervenfaser an der motorischen Endplatte mittels des Neurotransmitters Acetylcholin auf die Muskelfaser übertragen. Das Acetylcholin, welches - vom Axon kommend - in den synaptischen Spalt ausgeschüttet wird, trifft dort auf spezifische Rezeptoren der Muskelzelle. Diese Rezeptoren funktionieren nach dem Schlüssel-Schloß-Prinzip: Nur eine Substanz, die - wie ein Schlüssel - genaue "technische" bzw. "chemisch-physikalische" Eigenschaften (3) besitzt, ist in der Lage, mit dem Rezeptor - ähnlich wie ein Schloss - "technisch" bzw. "chemisch-physikalisch" zu funktionieren. Im Fall der Acetylcholin-Rezeptoren bedeutet dieses "funktionieren", dass sich - wie eine Tür - ein Weg für einen Stofftransport öffnet. Ein Acetylcholin-Rezeptor ist ein unspezifischer Kationenkanal, der für Natrium-, Calcium- und Kalium-Ionen leitfähig ist. Durch die unterschiedlichen Triebkräfte für diese Ionen fließt vor allem ein durch Natrium- und Calcium-Ionen getragener Strom durch diesen Kanal, und sorgen für nachfolgende chemische Reaktionen in der Muskelzelle, die dann letztlich zur Kontraktion des Muskels führen. Nach dieser Reaktion wird Acetylcholin durch ein Enzym abgebaut, der Rezeptor ist wieder frei für die Übertragung weiterer Nervenreize. Atropin, der Wirkstoff aus den Früchten der Pflanze Belladonna (Tollkirsche) ist dem Acetylcholin in seinem chemischen Aufbau sehr ähnlich. So ähnlich, dass er ebenfalls in der Lage ist, den Acetylcholin-Rezeptor zu besetzen. Aber, und das erklärt nun die Wirkung des Atropins, es öffnet sich dabei nicht der Ionenkanal des Rezeptors, der zu einer Erregung der Muskelzelle führt. Auch kann an den Rezeptoren, an denen Atropin gebunden ist, Acetylcholin nicht mehr andocken. Ebenfalls kann Atropin, wenn es in genügen großer Menge vorhanden ist, Acetylcholin vom Rezeptor verdrängen. Ganz allgemein formuliert: Atropin hemmt die nervöse Erregung der Muskulatur bzw. bewirkt deren Erschlaffung. Diese Eigenschaft nutzen z.B. Augenärzte, um bei Untersuchungen des Augenhintergrundes die Kontraktion der Pupille zu verhindern. - Die wissenschaftsmedizinische Rezeptor-Theorie Die Entdeckung der Zusammenhänge bei der chemischen Übertragung von Nervenimpulse mit Hilfe der Rezeptor-Theorie ist eine der großen Erfolgsgeschichten der Medizin. Seit etwa 100 Jahren erforschen Wissenschaftler gezielt biochemische Prozesse, die auf der Wirkung spezifischer Moleküle und spezifischer Rezeptoren beruhen, und immer wieder bestätigt sich die Gültigkeit der Theorie, die mit allen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen vollkommen übereinstimmt, auf´s Neue. So ist die Rezeptor-Theorie unerlässlich für die gezielte Verbesserung von und für die Suche nach neuen Arzneistoffen. Es ist schlichtweg unmöglich wissenschaftlich medizinisch zu Forschen, Krankheiten zu erklären, oder z.B. die Vorgänge in der Immunologie, Rheumatologie usw. ohne diese Theorie zu beschreiben. Diese Theorie zählt zu den erfolgreichsten biologischen bzw. medizinischen Erklärungsmodellen. Sie ist, wie auch das Massenwirkungsgesetz, ein Faktum, ohne dem einfach nicht erklärt werden kann, wie Leben funktioniert. Was hat das nun alles mit Homöopathie zu tun ? Erinnern wir uns: 1. Zelluläre Vorgänge werden wesentlich durch das Vorhandensein bzw. durch die Abwesentheit bestimmter chemischer Verbindungen beeinflusst. 2. Für spezifische Reaktionen werden spezifische chemische Verbindungen benötigt, für die spezifische Rezeptoren vorhanden sind. 3. Für die Auslösung eines Vorgangs sind bestimmte Konzentration eines Stoffes nötig. Um bei unserem Beispiel zu bleiben: Die üblicherweise durch Acetylcholin (ACh) stimulierte Kontraktion von Muskelzellen kann durch die Zufuhr einer pharmazeutisch wirksamen Substanz wie Belladonna (Extrakte aus der Tollkirsche) oder dem Wirkstoff dieses Extraktes, Atropin, durch die Blockade des Acetylcholin-Rezeptors gehemmt werden. Das ist der Erkenntnisstand der Wissenschaftsmedizin. Die Homöopathen behaupten allerdings, dass solche Reaktionen auch dann hervorgerufen werden können, wenn der eigentliche Wirkstoff - in unserem Fall das Atropin - nicht mehr in der "Arznei" vorhanden ist. Das ist bei der Anwendung der sogenannten Hochpotenzen (Verdünnungen ab D23 oder C12) der Fall. Der dafür bemühte Erklärungsversuch stellt fest, dass die spezifischen Informationen der wirksamen Substanz (in unserem Beispiel "Atropin") durch das rituelle Verfahren des Verschüttelns (4) auf das Trägermedium "Wasser" übertragen werden, und sich, im Laufe der wiederholten "Verschüttelungen", sogar verstärken, so dass die Wirkung der "Arznei" mit zunehmendem "Potenzierungsgrad" immer intensiver wird. Diese Hypothese beruht selbstverständlich - wie alles in der Homöopathie - auf dem "Wissen" Hahnemanns. Der schrieb nämlich im Organon: Organon § 269: «Die homöopathische Heilkunst entwickelt zu ihrem besondern Behufe, die innern, geistartigen Arzneikräfte der rohen Substanzen mittels einer ihr eigenthümlichen, bis zu meiner Zeit unversuchten Behandlung, zu einem, früher unerhörten Grade, wodurch sie sämmtlich erst recht sehr, ja unermesslich-durchdringend wirksam und hülfreich werden, selbst diejenigen unter ihnen, welche im rohen Zustande nicht die geringste Arzneikraft im menschlichen Körper äussern. Diese merkwürdige Veränderung in den Eigenschaften der Naturkörper, durch mechanische Einwirkung auf ihre kleinsten Theile, durch Reiben und Schütteln entwickelt die latenten, vorher unmerklich, wie schlafend in ihnen verborgen gewesenen, dynamischen Kräfte […]. Man nennt daher diese Bearbeitung derselben Dynamisiren, Potenziren (Arzneikraft-Entwickelung), und die Produkte davon Dynamisationen. - Von Paris nach Leipzig; § 269 im Dauertest Diese mechanische Arzneikraftentwicklung, wie sie Hahnemann im § 269 des Organons beschreibt, widerspricht offenkundig den bekannten Naturgesetzen. Denn Prozesse wie Verreibung und Verschüttelung können keine Änderungen physikalisch-chemischer Grössen bewirken (5) . Deshalb handelt es sich - von wissenschaftlichen Standpunkt aus betrachtet - bei homöopathischen Arzneien um nichts anderes als Verdünnungen. Damit ergibt sich das wesentliche Problem der Hochpotenzen: Ab einem gewissen Grad der Verdünnung – die Grenze wird bestimmt durch die Avogadro-Konstante – enthält eine homöopathische Arznei keine Moleküle der Ausgangssubstanz mehr, so dass eine spezifische Rezeptorwirkung, wie sie in unserem Beispiel beschrieben wird, de facto nicht mehr möglich ist. Diese banale Einsicht -Wo nichts ist, kann nichts wirken ! - bringt das gesamte Denkmodell der Hochpotenzen, und damit eine der zentralen Säulen der Homöopathie zum Einsturz. Weil es sich bei der Homöopathie aber um eine dogmatische, nicht rationale und nicht entwicklungsfähige Theorie handelt, die für Ihre Anhänger quasi religiösen Charakter hat, bemühen sich seit Jahrzehnten auch "gläubige" Wissenschaftler darum, doch irgendwelche Beweise dafür zu finden, dass nicht die Homöopathie bzw. Hahnemann irrt, sondern eben die modernen Naturwissenschaften, die der Homöopathie diese Irrtümer vorhalten. Ein wesentlicher Ansatz bei diesen Bemühungen besteht darin, einen Nachweis für die Übertragung der spezifischen Information eines Wirkstoffes (z.B. des Atropins) auf das Trägermedium Wasser zu erbringen. So konzentrierten sich in der näheren Vergangenheit praktisch alle Versuche im Zusammenhang mit der Verifizierung der Homöopathie auf diesen Erklärungsansatz. Ausgelöst wurde die Diskussion um das »Gedächtnis des Wassers« im Jahre 1988 durch eine Veröffentlichung des französischen Mediziners und Immunologen Jacques Benveniste (1935-2004), im Fachmagazin "Nature" (6). Benveniste war zu dieser Zeit Forschungsdirektor des staatlichen Instituts INSERM (Institut de la Santé et de la Recherche Médical) in Paris. Benveniste errang als Forscher internationale Beachtung in den 1970er Jahren durch die Entdeckung des Plättchen-aktivierenden Faktors (PAF). In dem erwähnten Artikel berichtete die Arbeitsgruppe um Benveniste über Versuche mit einem Antiserum, das Antikörper der Klasse IgE enthält und basische Leukozyten degranuliert. Das Bemerkenswerte und Aufsehenerregende war nun, dass mit Verdünnungen bis zu einem Bereich, in dem rein rechnerisch keine Antikörpermoleküle mehr enthalten sein konnten, experimientiert wurde Daraufhin reiste Nature-Chefredakteur John Meddox zusammen mit dem Fälschungsexperten Walter Stewart und dem amerikanischen Pseudowissenschafts-Gegner James Randi (7) nach Paris, um die Experimente zu überprüfen. Die negativ verlaufenen Ergebnisse der Überprüfung: "High-dilution« experiments a delusion" (8) wurden zusammen mit den bei der Redaktion eingegangenen kritischen Lesermeinungen und einer Entgegnung von Benveniste in einem späteren Heft von »Nature« veröffentlicht (9) . Unabhängige Gutachter konnten die Ergebnisse nicht reproduzieren und wiesen auf systematische Fehler bei der Versuchsdurchführung hin. Benveniste selbst stand allerdings zu seinen Ergebnissen bis zuletzt, beschwerte sich über eine Art Hexenjagd auf ihn, und bemängelte die von Heddox durchgeführten Kontrollversuche. Das alles änderte jedoch nichts an der Tatsache, dass es - wie bei allen nachfolgenden Studien zum Wassergedächtnis - nie gelungen ist, diese Hypothese nach wissenschaftlichen Kriterien zu verifizieren. Es gibt, außer dem Wunschdenken der Homöopathen, also keinen begründeten Anlass, ernsthaft anzunehmen, dass Wasser als Lösungsmittel über das ihm zugeschriebene Gedächtnis verfügt. Im Gegenteil neueste Forschungsergebnisse deuten nämlich darauf hin, dass Wasser eher vergesslich ist. Einem Team um den Physiker Thomas Elsässer vom Max-Born-Institut in Berlin-Adlershof gelang es, die Moleküle eines dünnen Wasserfilms lokal zu bestimmten Schwingungen anzuregen, also Informationen zu speichern. Mit einer trickreichen Apparatur maßen die Forscher, wie lange diese Schwingungsveränderung gespeichert bleibt - ganze 50 Femtosekunden. Eine Femtosekunde ist der millionste Teil einer milliardstel Sekunde. (10) Professor Dr. habil. Peter Nuhn vom Institut für Pharmazeutische Chemie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg schreibt in einem Aufsatz: Wasser ist ein polares Molekül, bei dem die zwei Wasserstoffatome und das eine Sauerstoffatom ein Dreieck mit asymmetrischer Ladungsverteilung bilden (Sauerstoff negativ, Wasserstoff positiv). Dadurch haben die Wassermoleküle eine große Affinität zueinander. Wasser bildet Wasserstoffbrücken aus, die Moleküle orientieren sich zueinander, bilden mehr oder weniger geordnete Strukturen (dreidimensionale Vernetzung) mit allerdings sehr geringer Verweildauer (11). Nicht nur Elsässer bestreitet deshalb, dass die Information eines Wirkstoffs in einer Hochpotenz noch existent sein könnte. "Unsere Ergebnisse zeigen explizit, dass es diesen molekularen Abdruck im Wasser nicht gibt. Dieses Phänomen kann man mit Sicherheit ausschließen." So ist es im Grunde nicht verwunderlich, dass alle diesbezüglichen Versuche von Befürwortern der Homöopathie (Benveniste,1988, Ennis 2001, Rey 2003, und zuletzt Schmidt, Süß und Nieber 2004) deren angeblich positive Nachweise für das Vorhandensein eines Wassergedächtnisses jeweils lautstark gefeiert wurden, nach ernsthaften und unabhängigen Überprüfungen als fehlerhaft und nicht reproduzierbar herausgestellt haben (12), bzw. keine wirklichen Erklärungen für homöopathische Phänomene lieferten. Mittlerweile ist deswegen festzustellen, dass das Erklärungsmodell "Wassergedächtnis" zunehmend in der Versenkung verschwindet. Neueste Ansätze bemühen zunehmend die Quantenmechanik, spezielles Stichwort ist dabei die Quantenverschränkung. Konkrete Hypothesen oder gar wissenschaftlich haltbare Studienergebnisse gibt es auch hier nicht. Der Homöopathie gelingt es weiterhin nicht, ihre 200 Jahre alten Hypothesen auf sicherem Boden zu etablieren. IV. Fazit und Perspektiven: Die seit den 1980er Jahren anhaltende Renaissence der Homöopathie lässt sich - zumindest aus Sicht der Naturwissenschaften - nicht sinnvoll begründen. Zu sehr widersprechen die angeblichen Wirkmechanismen der Homöopathie den erkannten Naturgesetzlichkeiten, die sich ihrerseits ständig aus Neue beweisen. Wesentliche Elemente der Homöopathie - die sich nicht der Falsifizierbarkeit entziehen - sind so oft widerlegt, dass das Beharren der Homöopathen auf diesen Hypothesen nur im Rahmen eines streng dogmatischen Denkens erklärt werden kann. (13) Die Hypothesen der Homöopathie, die nicht widerlegt werden können, sind keine wissenschaftlichen Feststellungen, sondern Ergebnisse zirkulärer Denkweise. Was aber erklärt dann die durchweg positive Bewertung durch die Anwender und die hohe Akzeptanz in der Bevölkerung ? Viel spricht dafür, das die Homöopathie im Sog der New Age-Bewegung (14) eine soziale Validität (15 ) erhalten hat, die ihre Ursachen nicht zuletzt in den Mangelerscheinungen eines technisierten, und deswegen als inhuman empfundenen Medizinbetriebs hat. Dazu addieren sich die zweifelhaften weltanschaulichen Entwicklungen der postmodernen Gesellschaft, die soziokulturellen Meinungspluralismus mit Methodenpluralismus verwechselt, auch deshalb auch bei wissenschaftlichen Erkenntnissen die Existenz mehrerer "Wahrheiten" als legitim auffasst. Die wissenschaftliche Bilanz ist jedoch ernüchternd: Die Entwicklung der Homöopathie basiert auf einer Fehlinterpretation. Die Theorie der homöopathischen Krankheitslehre entpuppt sich als Sammlung von Mythen und Legenden. Die Theorie der homöopathischen Arzneiherstellung präsentiert sich als ein pseudowissenschaftliches Verfahren. Sämtliche Erklärungsmodelle der Homöopathie sind wissenschaftlich unhaltbar und inhaltlich voller Widersprüche. Kein Heilverfahren, das auf homöopathischen Prinzipien beruht, konnte sich in mehr als 200 Jahren homöopathischer Behandlungspraxis in der Wissenschaftsmedizin etablieren, so dass keine schlechtere Versorgung der Patienten zu befürchten wäre, würde man die Homöopathie nicht mehr praktizieren. Und was bleibt ? Es ist unübersehbar: Die homöopathische Pathologie und das darauf aufbauende pharmakologische Konzept der Homöopathie versagt in der praktischen Anwendung. Homöopathische Arzneimittel - besonders die Hochpotenzen - sind nicht in der Lage, biochemische Prozesse im Organismus im Sinne der Heilung einer Erkrankung zu beeinflussen. Das wissen oder ahnen zumindest einige Homöopathen.So schreibt Rainer Lüdtke, Chef-Statistiker der Veronica & Carl Carstens-Stiftung, die sich der Förderung und Erforschung der Homöopathie widmet(16), nicht gänzlich unerwartet: „Das Grundkonzept der Homöopathieforschung, die allgemeine Wirksamkeit der Homöopathie an der isolierten Wirksamkeit der homöopathischen Arzneimittel festzumachen, muss insgesamt als gescheitert angesehen werden.“ Homöopathie = Psychotherapie ? Im Wissenschaftsmagazin "Leonardo" (WDR 5) vom 16. April 2007 formulierte Lüdtke weiter: „Wir wissen aus der Placeboforschung, dass allein die Umgebung, wie ein Arztzimmer aussieht, einen sehr, sehr großen Effekt darauf haben kann, wie auch ein schulmedizinisches Medikament wirken kann. Eine Hypothese wäre, dass die Homöopathen es schaffen, eine Umgebung, ein sogenanntes Setting zu fabrizieren, was den Weg ebnet dann für eine arzneiliche Wirkung. Es kann aber auch zum Beispiel sein, dass die Homöopathie mehr oder weniger ähnlich einer Psychotherapie wirkt.“ "Psychotherapie" (allerdings nicht in ihrer medizinischen Definition) scheint das Stichwort zu sein, um den Mythos Homöopathie zu erklären. Betrachtet man die vielen Beiträge der Homöopathie-Anwender zur Diskussion, so wird immer wieder deutlich, dass vor allem die umfängliche homöopathische Erstanamnese als Beweis für umfängliche Zuwendung der Therapeuten zum Patienten angesehen wird. Hinter dieser intensiven Beschäftigung mit den Nöten eines erkrankten Menschen verbirgt sich deutlich mehr, als nur die - sinnlose - Suche nach einem homöopathischen Arzneimittel. Es ist nicht zuletzt die Möglichkeit zur Selbstreflektion von Seiten des Patienten, es ist aber auch der Trost, den die Empathie des Zuhörenden vermittelt; und das sind Elemente, die auch in der Psychotherapie eine erhebliche Rolle spielen. Hier offenbart sich schwerwiegende Kritik am etablierten Medizinsystem, das die Zuwendung des Arztes geringer honoriert, als dessen Einsatz naturwissenschaftlich-technischer Diagnosehilfen; so notwendig diese für eine umfassende Anamnese auch sind. Insgesamt bleibt deshalb doch nur die Erkenntnis: Die Homöopathie wirkt - als Ritual - über den Glauben an eine angebliche Heilwirkung. Insoweit ist sie höchstens eine unfreiwillige Psychotherapie; mit eher mässigem Erfolg und allenfalls bei banalen Erkrankungen. Homöopathie = Gesellschaftskritik ? Und genau an dieser Stelle gewinnt die Homöopathie - wen auch unfreiwillig - eine Bedeutung als Indikator für ein Medizinsystem, dass sich in einer erheblichen Krise befindet; ähnlich wie zu Hahnemanns Zeiten, die man im Hinblick auf den damaligen Stand der Heilkunde als Epoche einer medizinischen Orientierungslosigkeit bezeichnen kann. Hahnemanns Verdienst ist wohl darin zu sehen, dass er den abwegigen Therapiemaßnahmen seiner Zeit eine deutliche Absage erteilte. Diese aber stammten aus der Humoralpathologie (17) der Antike, die sich erst durch die Zellularpathologie Virchows aus ihrem von Aberglauben und Mythos beeinflussten Denken befreien konnte, und dadurch die Erfolgsgeschichte der modernen Wissenschaftsmedizin, basierend auf beweisbaren naturwissenschaftlichen Grundlagen entwickelte. Auch heute hat die Medizin eine Krise ihres Selbstverständnisses zu überwinden. Ursache für diese Krise ist eine langjährig betriebene, zu einseitige naturwissenschaftlich-technische Ausrichtung, die wesentliche soziale Aspekte der Arzt-Patienten-Beziehung ausblendete. Allerdings findet derzeit - innerhalb der Wissenschaftsmedizin - eine deutliche Richtungskorrektur statt. Ganz pragmatisch geht es darum, dem Arzt für die Erfüllung seiner sozialen Aufgaben mehr Raum zuzubilligen, überhaupt diesen Aufgaben grundsätzlich mehr Aufmerksamkeit - auch im Rahmen wissenschaftsmedizinischer Forschung - zu widmen. Denn in einer zunehmend individualisierten Gesellschaft, in der der Einzelne immer weniger soziale Geborgenheit, Trost in Krisen und zwischenmenschliche Zuwendung erhält, kommt dem Arzt eine besondere Bedeutung als Ansprechpartner in Lebenskrisen zu. Wen wir also in Zukunft eine wirklich ganzheitliche Medizin haben wollen, kommen wir nicht daran vorbei, unseren Ärzten die Möglichkeit dazu zu geben. Denn nur sie verfügen über die notwendigen Qualifikationen, das Wissen über die physischen und psychischen Prozesse im menschlichen Organismus, das uns die Naturwissenschaften verschafft haben, in konkrete Therapiemaßnahmen umzusetzen. Wer heute den Placebo-Effekt als einzigen Effekt alternativer Heilverfahren akzeptiert, vergisst dabei, dass in der Wissenschaftsmedizin dieser Effekt genau so vorhanden ist; aber dort, und nur dort, eben auch die effektiven Heilmittel und -verfahren aus Pharmazie und technisch-physikalischer Medizin zu Verfügung stehen. Die Homöopathie - wie auch der größte Teil der alternativheilerischer Verfahren - sind überflüssig, wenn unserer Ärzte die Gelegenheit bekommen, dass zutun, was ihre eigentliche Aufgabe ist, den Menschen in seiner Gesamtheit zu sehen und zu heilen. Die Mittel und Möglichkeiten dafür zu Verfügung zu stellen, ist allerdings keine medizinische, sondern eine ökonomische und damit gesellschaftlich-politische Aufgabe. Endnoten: (1) Lambeck M., Irrt die Physik? Über alternative Medizin und Esoterik. München: Beck; 2003. Prof. Dr. Martin Lambeck liefert eine detaillierte Darstellung der Konflikte zwischen den Erklärungsmodellen der Homoöpathie und den Erkentnissen der moderen Naturwissenschaften. Hauptsächliches Thema ist dabei, wie zu erklären ist, dass eine Verdünnung einer Substanz, in Verbindung mit einem rituellen Behandlungsprozess, mit zunehmender Verringerung der Substanz eine Verstärkung der Arzneimittelwirkung erfährt. (2) Die Leipziger PharmazeutenSchmidt, Süß und Nieber hatten einen Test entwickelt, mit dem sie angeblich nachweisen konnten, dass homöopathische Hochpotenzen des Atropins (z.B. D100) diese Muskelkontraktion ebenfalls hemmen können (Einzelheiten im Kommentar von Bruhn, Wielandt und Keck). Die Professoren Dr. Bruhn und Dr. Wielandt, sowie der Privatdozent Dr. Keck, haben den seinerzeit die Forschungsergebnisse der obengenannten Wissenschaftler als Pseudowissenschaft enttarnt, und diesen Wissenschaftsskandal an der Uni Leipzig zum öffentlichen Thema gemacht. http://www.xy44.de/belladonna http://www.xy44.de/belladonna/chrono/kommentar.pdf http://www.xy44.de/belladonna/chrono/ (3) Atome und Verbindungen aus ihnen haben eine Masse, haben eine bestimmte elektrische Ladung, eine räumliche Gestalt, Verbindungen sind aus verschiedenen Atomen zusammengesetzt, etc. Alle diese einzelnen Merkmale beschreiben zusammen die chemisch-physikalischen Eigenschaften von Atomen und den aus ihnen zusammengesetzten Verbindungen, und damit auch mögliche Reaktionen mit anderen Atomen oder eben Verbindungen. Gelangen nun diese Stoffe in einen entsprechenden Organismus an Stellen, wo sich passende Reaktionspartner befinden, die sogenannten Rezeptoren (das sind entsprechende Strukturen mit wieder ganz bestimmten passenden chemisch-physikalischen Eigenschaften ) kommt es - und nur dann - zur Reaktion zwischen dem Reaktionsparter - dem Atom oder der Verbindung - mit den zur Wechselwirkung befähigten andern Reaktionspartner, dem so genannten Rezeptor. Die dann eintretende Wirkung ist das Resultat einer chemisch physikalischen Reaktion dieser beiden Reaktionspartner und keinesfalls eine Folge irgendwelcher gespeicherten und ausgesendeten (Bio)Information, Schwingungen und ähnlicher nichtmaterieller Kräfte. Fehlt einer dieser Reaktionspartner, gibt es keine Wirkung. (4) Dieser rituelle Vorgang ist das sogenannte Potenzieren homöopathischer Arzneien. Jeweils abwechselnd wird eine Ursubstanz verdünnt (1:10 bei D-Potenzen, 1:100 bei C-Potenzen, u. noch höher), dann wird das Gefäss jeweils 10x auf ein Lederkissen gestoßen, dann wieder verdünnt usw.. Jeder Verdünnungsschritt stellt jeweils eine "Potenz" dar. http://de.wikipedia.org/wiki/Potenzieren_(Hom%C3%B6opathie) (5) Lambeck M., Irrt die Physik? Über alternative Medizin und Esoterik. München: Beck; 2003. (6) Davenas, E., Beauvais, F., Amara, J., Oberbaum, M., Robinzon, B., Miadonna, A., Tedeschi, A,; Pomeranz, B., Fortner, P., Belon, P., Sainte-Laudy, J., Poitevin, B., Benveniste, J.: Human basophil degranulation triggered by very dilute antiserum against IgE. Nature 333 (1988) 816-818. (7) Randi hat seit einigen Jahren einen Preis in Höhe von einer Million Dollar für den Nachweis »paranormaler, übernatürlicher oder okkulter Kräfte« ausgelobt. Bis zum heutigen Datum ist er immer noch im Besitz seines Geldes. (8)Maddox, J., Rand, J., Stewart, W. W. : High-dilution experiments a delusion. Nature 334 (1988) 287-290. (9) Maddox, J., Rand, J., Stewart, W. W. : High-dilution experiments a delusion. Nature 334 (1988) 287-290, Nature 334 (1988) 285-286, Jacques Benveniste replies. Nature 334 (1988) 291 (10) http://www.fv-berlin.de/pm_archiv/2005/53-urania.html (11) http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=319 (12) http://www.zeit.de/2003/49/N-Wasser_Ged_8achtnis?page=all (13) Falsifizierbarkeit bedeutet, dass eine wissenschaftlich ernstzunehmende Theorie zwingend die Möglichkeit der Widerlegung haben muss. http://de.wikipedia.org/wiki/Falsifikation http://de.wikipedia.org/wiki/Falsifizierbarkeit (14) Obwohl bezüglich der Berechnung mittlerweile erhebliche Zweifel über die angegebenen Daten existieren, hat die Wassermannzeit, glaubt man Arnold Graf Keyserling, am 5. Februar 1962 begonnen und wird bis zum Jahre 4120 dauern. (Bezüglich des genauen Endes wollte sich Keyserling meines Wissens nicht so präzise festlegen.) 1968 wurde am Broadway der Musical Hair aufgeführt. Es besang den Weg in ein neues Zeitalter, ins "Age of Aquarius", das die Nachfolge des dunklen Zeitalters der Fische antrat, um eine etwa 2000 Jahre dauernde Menschheitsphase, die von Machtkämpfen, Kriegen, Hunger und Elend gekennzeichnet war, unter Führung einer spirituellen Avangarde in eine paradiesische Welt des Licht und der Liebe zu verwandeln: New Age. Die gesellschaftlichen Umwälzungen in der Zeit des Wassermanns, werden laut Keyserling gewaltiger sein, als alle Revolutionen der Menschheitsgeschichte. Gleicher Art ist auch die Auffassung von Fritjof Capra, dessen Buch "Wendezeit", wie schon weiter oben angesprochen, vornehmlich in esoterisch interessierten Kreisen zum Bestseller wurde. Ein weiterer Experte für Zeitalterkunde, Kenn Wilber, sieht die Menschheit sogar an der Schwelle einer Weisheitskultur, die das Ich in überpersönliche Bereiche katapultiert; was immer das auch heißen mag. Aber kein Zweifel, es geht ums Ich; und damit um Entwicklung, Krisenbewältigung, Welterklärung und Erleuchtung. Vor allem aber geht es darum, wie das große Ziel des höheren Bewusstseins zu erreichen ist; auf das nicht nur Materie durch pures Gedankenkraft zu beeinflussen ist, sondern sich sämtliche Zumutungen des täglichen Lebens in kosmischem Wohlgefühl auflösen mögen... (15) "Soziale Validität" bedeutet in diesem Fall, dass nicht wissenschaftlich gestützte Wirksamkeitsnachweise die Grundlage der Nutzung darstellen, sondern eben eine Art sozialer Übereinkunft, die nur auf einer von vielen geteilten Meinung beruht, die Methode würde funktionieren. (16) Die Veronika & Carl Carsten-Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, alternativheilerische Konzepte, besonders dabei die Homöopathie zu erforschen. In diesem Zusammenhang finanziert die Stiftung u.a. auch die erste "alternativmedizinische" Professur am Sozialmedizinischen Institut der Charite in Berlin. http://www.carstens-stiftung.de/ (17) http://de.wikipedia.org/wiki/Humoralpathologie |
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Geändert von Pianoman (16.01.2009 um 09:11 Uhr). Grund: Textliche Überarbeitung, Anpassung an die HoNcode-Prinzipien |
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Rettungsassistent
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hups ich hoffe meine rau haut mich nie auf ein Lederkissen...
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