| Glaubt an nix!
| AW: Organ- und Symptomsprache - die Sprache der Seele - Dieser Beitrag ist 452 Tage alt Hallo smurf, vielleicht ein paar erklärende Worte zu dieser rational kaum nachzuvollziehenden Denkweise, Kausalitäten an allen möglichen, meist unerwarteten Stellen zu sehen. Verantwortlich dafür ist - wie in der Esoterik üblich - ein ganz Alter und dessen Erkenntnisse, die sich in allen alternativen/komplementären/esoterischen Denkmodellen wiederfinden lassen. Kaum eine (systematisierte) esoterische Lehre kommt ohne den Bezug auf Hermes Trismegistos und die hermetische Tradition aus.Er ist quasi der Säulenheilige des Wassermann-Zeitalters. Und seine Spuren sind auch hier in vielen Beiträgen zu finden. Die Figur des Hermes Trismegistos wird als Verschmelzung zweier Gottesbilder einführt, des ägyptischen Gottes Thot und des griechischen Gottes Hermes. Hermes, der dreimal größte, wie sein Name übersetzt heißt, hat in den antiken Quellen viele Identitäten: Einmal ist er ein Weiser, der das Urwissen in steinerne Stelen meißelte, um es vor der Sintflut zu retten, gleichermaßen ist er ein König und Gesetzgeber, dann aber auch eine Art Religionsstifter, der Kulte einrichtete. Schließlich gilt er ebenso als Astrologe und Magier. Gemeinsam ist all diesen Figuren nur die ägyptische Herkunft und das Wirken in grauer Vorzeit. Wie unter Heroen der Urzeit üblich, schillert die Hermesfigur stets zwischen Gott und Mensch. Hermes Trismegistos wird als Verfasser einer unglaublichen Zahl von Schriften angesehen, deren Größe aber ständig variiert. Den Kanon der Schriften bezeichnet man "Corpus Hermeticum". Wann die Schriften geschrieben und veröffentlicht wurden, ist weitgehend ungeklärt, genau so, von wem sie wirklich verfasst wurden. Viele der zumeist in Dialogform abgefaßten und überwiegend griechisch- und koptischsprachigen Texte stammen jedoch aus dem zweiten bis dritten Jahrhundert n. Chr. Sie enthalten ‚mystische’ Lehren über Gott, die Entstehung der Welt und die Gestalt des Kosmos, die Weisheit des Menschen u.ä., und sie zeigen Parallelen zum Platonismus und zur Gnosis. Die früheste und bedeutendste dieser Schriften ist der Dialog "Poimandres", die relativ bekannteste und wohl auch einflußreichste war die "Tabula Smaragdina", die als Darstellung des alchemistischen Prozesses gelesen werden kann und gelesen wurde. Seit der Übersetzung des "Corpus Hermeticum" ins Lateinische durch Marsilio Ficino (1491) wurden die hermetischen Schriften im Abendland bekannter und verstärkten ihren Einfluß auf die Alchemie. Die erste deutschsprachige Übersetzung erschien im Jahre 1781 unter dem Titel "Hermes Trismegistos. Poemander oder Von der göttlichen Macht und Weisheit". Das Wort "Hermetik" bezeichnet also zum einen die Schriften des "Corpus Hermeticum", zum anderen speziell deren Gedankengut, insbesondere deren alchemistische Aspekte, und schließlich die Alchemie selbst. Der wohl wesentlichste Text steht auf der "Tabula Smaragdina". Hier findet sich angeblich die Quintessenz aller Weisheit in fünfzehn Thesen auf einer Tafel aus grünem orientalischem Korund. In diesen fünfzehn Thesen ist alles Wissen zusammengefasst, das dem Menschen jemals zugänglich ist. Der Text beschreibt die Schöpfung dieses Universums und gleichzeitig die Herstellung des alchemistischen Steins der Weisen. Für den, der diesen Text ganz versteht, werden alle Bibliotheken überflüssig, denn er besitzt die ganze Weisheit, "daran fehlet nichts, es ist ganz vollkommen". Die wichtigsten Aussagen sind: Dasjenige, welches Unten ist, ist gleich demjenigen, welches Oben ist; Und dasjenige, welches Oben ist, ist gleich demjenigen, welches Unten ist, um zu vollbringen die Wunderwerke eines einzigen Dinges. Und gleich wie von dem einigen GOTT erschaffen sind alle Dinge, in der Ausdenkung eines einzigen Dinges. Also sind von diesem einigen Dinge geboren alle Dinge, in der Nachahmung. Aus diesen Kernaussagen leiten sich für die Esoteriker nicht nur eine Vielzahl von Erkenntnissen ab, sie rechtfertigen auch im umfänglichen Maße das esoterik-typische Analogie-Denken. Mit nur wenigen Worten läßt sich hier alles zusammenfassen, was die esoterische Denkweise ausmacht: - Alles ist mit Allem verbunden - Was im Mikrokosmos geschieht, geschieht genau so auch im Makrokosmos. - Alles stammt aus einem Prinzip, unterliegt also auch einer universellen Gesetzmäßigkeit Die klassischen Vokabeln der New Age-Bewegung: Ganzheitliches oder universelles Denken, kosmologischer Bezug und kosmische Verbundenheit, basieren auf diesen Glaubenssätzen. Mit Hilfe dieser Thesen werden beispielsweise die angeblichen Kausalitäten zwischen seelischem Zustand und erkrankten Organen begründet. Genau so benötigen die Funktionen bzw. Störungen des Meridiansystem und der Chakren dieses Axiome, wie eigentlich auch alle anderen Systeme des geistigen Heilens. Die Vorstellungen der Bioenergetik, Energieströme leiten zu können, findet hier ebenfalls ihre Begründung. Und nicht zuletzt der Karma-Begriff findet hier seine gedankliche Grundlage. Außerdem sind diese Glaubenssätze die Rechtfertigung für alle Arten von Hellsehen, Kartenlegen, Pendeln, und andere Formen der Schicksals- und Zukunftsdeutung. Wichtig sind die Annahmen auch für die Existenz der morphogenetischen (wissenden) Felder, die sich beispielsweise als zentrales Element im Familienstellen nach Bert Hellinger wiederfinden. Es dürfte ziemlich eindeutig sein, dass dann, wenn man diese Thesen als wahr ansieht, sich mit Hilfe dieser Annahmen alle möglichen Sachverhalte nach Wunsch kausal verbinden und begründen lassen. Pianoman |