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Alt 21.08.2007, 11:52   #22 (Permalink)
Pianoman
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Standard AW: Nur Placebo-Effekt bei alternativen Therapien? Warum denn nicht? - Dieser Beitrag ist 321 Tage alt

Lieber Michael,

in einem gewissen Rahmen kann ich zwar akzeptieren, wenn Du Menschen ihre Illusionen über die "Fähigkeiten" der Alternativmedizin lassen willst; aber es sind eben nur Illusionen.

Und diese Illusionen beschränken sich nicht leider nicht nur auf so "harmlose" Befindlichkeitsstörungen wie ein gestörtes Schlafverhalten (hinter dem sich allerdings auch gravierende Probleme verbergen können).

Die Aufgabe eines Arztes ist es unter anderem, Menschen vor Schaden zu bewahren.

Dass Hunderttausende sich der Alternativmedizin zuwenden, ist eine schlichte Katastrophe und letztendlich ein Indiz für Fehlentwicklungen in der Wissenschaftsmedizin, die dringend korrigiert werden müssen. Aber auch eine noch so große Anzahl von Nutzern macht die Verfahren der Alternativmedizin nicht evident.

Homöopathie und Anthroposophie sind Irrlehren. Ihre theoretischen Vorraussetzungen sind falsch.
Ihre Ansichten sind meist antiquiert oder - nicht selten - reine Phantasiekonstrukte.
Sie sind keine medizinischen Verfahren, sondern Rituale des Aberglaubens. Ihre Vertreter betrügen sich selbst und ihre Patienten ganz bewußt, oder haben so wenig Ahnung von Medizin, dass sie nicht in der Lage sind, die Unwirksamkeit ihrer Methoden zu erkennen.

Dass diese Verfahren sich in diesem Maße und mit gesetzgeberischer Billigung in der medizinischen Versorgung etabliert haben, hat die Tür geöffnet für eine Vielzahl von Verfahren, die man schlichtweg als "mörderisch" bezeichnen muss. Ich erinnere in diesem Zusammenhang beispielsweise an die skandalösen Vorgänge um den neugermanischen Krebsarzt Ryke Geerd Hamer oder um den selbsternannten AIDS-Heiler und Vitamin-Guru Dr. Matthias Rath.

Wo und mit welcher Argumentation willst Du eine Grenzlinie ziehen ? Wo genau ist die Grenze zwischen noch akzeptablem oder nicht mehr vertretbarem Schwachsinn ?

Wie willst Du einem Menschen erklären, dass die Ansichten der Homöopathie zu Infektionen lebensgefährlich sind, aber die gleichen Ansichten durchaus den Einsatz von Globuli zur Behandlung von Schlafstörungen rechtfertigen ?
Wie soll einem Patienten klar gemacht werden, dass der Heilprakiker, der nach unhaltbaren Vorstellungen zur Pathologie ein unwirksames Medikament verordnet, im einen Fall ein Heiler in einem anderen Fall aber Quacksalber ist ?

Für den wenig informierten Patienten besteht doch im Regelfall dann, wenn die "eine" Maßnahme der Alternativmedizin toleriert wird, die Erkenntnis, dass auch die andereren Therapiemaßnahmen funktionieren können. Warum sollte - im Zusammenhang mit der Homöopathie - die geistartige Verstimmung der Lebenskraft, die die universelle und einzige Krankheitsursache im homöopathischen Denken darstellt, in bestimmten Fällen richtig sein (sonst würde ja kein Medikament verordnet), in andern Fällen jedoch nicht ?

Die Komplementärmedizin hat nur und ausschließlich den Placebo-Effekt.

Die Wissenschaftsmedizin dagegen verfügt über erfolgreiche und verifizierbare Verfahren. Aber sie benötigt auch den Placebo-Effekt, der sich aus dem Vertrauen in ihre Verfahren und in die Kompetenz ihrer Mediziner ergibt.
Um diese Vertrauen muss sie - als wehrhafte Medizin - kämpfen. Der in ihren Verfahren unwirksamen Komplementärmedizin und ihren Pseudo-Heilern den Placebo-Effekt zu überlassen, ist nicht mehr und nicht weniger als ein durch nichts zu rechtfertigender Rückzug.


Pianoman
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