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Alt 21.08.2007, 13:23   #23 (Permalink)
urologiker
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Standard AW: Nur Placebo-Effekt bei alternativen Therapien? Warum denn nicht? - Dieser Beitrag ist 338 Tage alt

Ganz recht. Wenngleich mir durchaus verständlich ist, weshalb die Alternativmedizin (wohl der mit am meisten fehlerhaften Implikationen behaftete synonyme Ausdruck für die genannten nicht schulmedizinischen "Axiome") aus der von dir @micha präsentierten Perspektive, die durchaus eine ärztliche Dimension hat, ihre Daseinsberechtigung behält, ist sie dennoch ein blosses Gedankenkonstrukt, eine insgesamt unzulässige Perspektive.

Was ich damit meine?
Die von dir präsentierte Sichtweise ist retrospektiv, d.h. sie beurteilt eine Therapie NACH ihrem Effekt.
Eine stattgehabte Intervention (z.B. das Einwerfen von Globuli) wird mit einer postiven Veränderung assoziiert, da dies die einzig dem Patienten erinnerliche Intervention darstellt.
Diese Form der Attribuierung ist gerade bei Medikamenten ohne eigentlichen Wirkstoff erleichtert, da ein Nicht-Wirkstoff auch kaum Nebenwirkungen entfaltet, ganz im Gegensatz zur Schulmedizin.

Ein bekanntes Extrembeispiel ist die Blutdrucktherapie. Sehr häufig kommt es durch die wirksame Schulmedizin subjektiv zu keiner Besserung der quality of life und das Medikament wird abgesetzt. Wird hingegen eine eine wirkstofffreie Substanz eingenommen und der Blutdruck ist -zufällig- in einer Messung erniedrigt, so wird das Medikament -es hat ja auch keine Nebenwirkungen- als dem Verum-Medikament überlegen betrachtet. Ein gefährlicher Trugschluß, über den der Patient aufzuklären ist!

Kurzum, die Rolle des Arztes besteht in einem placebofreien Verständnis der medizinischen Wirksamkeit einer Substanz bzw. Prozedur. In dieser Sicht muss also eine Intervention a priori einen erwartbaren, kalkulierbaren Effekt haben, der sich nicht auf subjektivistische a-posteriori-Erfahrungen stützen darf.

Der erwartbare Effekt einer ärztlich gesetzten Intervention muß sich also auf nachvollziehbare, objektivierbare Ergebnisse stützen. Ein Placebo-Effekt muss ein fakultatives Zubrot der ärztlichen Verantwortung bleiben, das sich aus dem vertrauensvollen Arzt-Patienten-Verhältnis entwickelt und dem Patienten den Grundsatz erläutert, dass Nebenwirkungen oft ein Anhalt für den Effekt einer Therapie und nicht für deren Versagen sein können.

my 2 cents, logiker
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