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Nur Placebo-Effekt bei alternativen Therapien? Warum denn nicht?

In dieser Diskussion geht es um "Nur Placebo-Effekt bei alternativen Therapien? Warum denn nicht?" im "kritisch betrachtet" Forum, als Teil von Patientenfragen.net
Hä? Der Ansatzpunkt ist imho ein anderer: Placebo-Effekt - klar, nutzen wir ihn! Alternativmethoden - geht es nicht auch billiger oder besser: additiv? Ist nicht ...



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Alt 20.08.2007, 18:59   #19
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Standard AW: Nur Placebo-Effekt bei alternativen Therapien? Warum denn nicht? - Dieser Beitrag ist 941 Tage alt

Hä? Der Ansatzpunkt ist imho ein anderer: Placebo-Effekt - klar, nutzen wir ihn! Alternativmethoden - geht es nicht auch billiger oder besser: additiv?

Ist nicht der beste Weg ein medizinisches Aufklärungsgespräch (das immer auch die soft skills des Arztes fordert) DARÜBER, dass es diverse Methoden/Meds gibt, die schulmedizinischen jedoch klar zu empfehlen sind, eben weil sie ZUSÄTZLICH auch noch einen Verum-Effekt haben!

Und wenn ein Patient zu einem Alternativheiler geht: was nicht wirkt wird auch nicht schaden, also ist es lediglich ein finanzielles Debakel, sonst nichts.

Man wird nicht alle Patienten auf Schulmedizin einschwören können, aber für diese sollte der Arzt mit allem ärtzlichen Können und Wissen einstehen. Das ist sein Part - und den gilt es gut zu machen.
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Alt 20.08.2007, 19:17   #20
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Standard AW: Nur Placebo-Effekt bei alternativen Therapien? Warum denn nicht? - Dieser Beitrag ist 941 Tage alt

Hi Fröscherl,

da könnt ich Dir wohl etwas von meiner Schlafkrankheit abgeben *gg*
Schlafe schon ein, wenn ich mal 5 Minuten vor der Glotze liege.

Und was nen Heilpraktiker betrifft, dafür gebe ich mein Geld auch nicht mehr aus.
Habe schon Heilpraktikererfahrung und geholfen hat es mir auch nicht.

Jedoch muss ich betonen, dass es unter manchen Ärzten auch komische Kautze gibt, die nur auf die Kohle scharf sind.
Dazu muss man sich nur manche dubiose Igel-Leistung anschauen.
nur mal so als Beispiel: Sauerstofftherapie bei nem Unfallarzt.

Oder noch besser, ich kam mal zu nem Facharzt, der wollte von mir ne Unterschrift, dass ich die von ihm verordneten Medikamente 2 Jahre lang einnehme.
Später stellte sich heraus, dass ich mit ner Unterschirft an ner Studie teilgenommen hätte, die mir der Herr Doktor verschwiegen hatte.
Habe alle Unterlagen meinem Hausarzt gezeigt und der hat mich glücklicherweise aufgeklärt. Obwohl unterschrieben hätte ich eh nicht, da mir der Facharzt sehr unsymphatisch war und mir das Ganze eh spanisch vorgekommen ist.

Ja und dazu fällt mir jetzt wieder der Stern Artikel ein, den ich erst letzte Woche beim Friseur gelesen habe. Ein Artikel, wie gut doch so mancher Arzt mit der Pharmaindustrie zusammenarbeitet, fand ich ganz toll.

Lieber Gruß Maggie
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Alt 20.08.2007, 19:35   #21
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Standard AW: Nur Placebo-Effekt bei alternativen Therapien? Warum denn nicht? - Dieser Beitrag ist 941 Tage alt

Du redest glaub ich total an mir vorbei Uro

Lieferst du denn additiv, also neben deiner regulären ärztlichen Tätigkeit, Hilfen, die den Patienten eine bessere Lebensqualität geben?
Ich mein, es gibt hunderttausende, die behaupten felsenfest, ihnen habe Homöopathie geholfen. FAKT, da kannst du auch nicht an deren Überzeugung rütteln (siehe alte Diskussionen hier im Forum).
Das dies jetzt nicht durch die geklopfte Energie der nicht vorhandenen Wirkstoffmoleküle im Wasser hervorgerufen wurde, sondern durch Placebo, ist doch am Ende egal, oder?
Ich mein, diese Menschen sind bereit, dafür Geld auszugeben, dann lass sie doch.

Wichtig für mich ist, hier allerdings eine klare Trennlinie zu ziehen.
Ernsthafte Erkrankungen gehören in die Hände von Ärzten. FAKT.
Kein wenn und aber.

Ein chronisch Kranker aber, der normal seine Medikamente nimmt, und durch Globuli z.B. weniger Schlafprobleme hat, oder weniger Schmerzmittel braucht, weil er daran glaubt und dadurch der Placebo-Effekt wirkt, wieso willst du dem das wegnehmen, "nur" weil es wissenschaftlich nachgewiesen ist, das eben nur der Placebo-Effekt wirkt?
Ist doch gut, dass der Placebo-Effekt wirkt, und ich betone WIRKT, denn er wirkt ja messbar. Der Patient braucht weniger Schmerzmittel und kann besser schlafen.
Das kostet ihn halt dann 30€, oder was weiß ich, aber für ihn verbessert es die Lebensqualität.

Ich als angehender Arzt sehe da kein Problem mit meinem Gewissen.

Kinder glauben auch bis zu einem gewissen Alter an den Weihnachtsmann.
Auch wenn jeder Erwachsene weiß, das es ihn nicht gibt, erzählen wir das unseren Kindern nicht, um an Weihnachten strahlende Gesichter und pure Freude zu sehen.
Wenn nun in einem gewissen Alter das Kind erfährt, das es den Weihnachtsmann nicht gibt, wird kein Weihnachten danach mehr so sein, wie früher.
Ist das Kind jetzt besser dran, weil es weiß, es gibt den Weihnachtsmann nicht, oder war es vielleicht besser, als das Kind noch an den Weihnachtsmann geglaubt hat und die tiefe echte Freude und die Glückseligkeit noch in den Augen strahlte?

Ich will damit aber nicht sagen, das Aufklärung, wie sie Pianomann z.B. betreibt, nicht wichtig ist.
Ich sage nur, wenn Leute daran glauben wollen, trotz Aufklärung, dann finde ich das auch nicht tragisch.

Gruß

Michael
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Alt 21.08.2007, 12:52   #22
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Standard AW: Nur Placebo-Effekt bei alternativen Therapien? Warum denn nicht? - Dieser Beitrag ist 941 Tage alt

Lieber Michael,

in einem gewissen Rahmen kann ich zwar akzeptieren, wenn Du Menschen ihre Illusionen über die "Fähigkeiten" der Alternativmedizin lassen willst; aber es sind eben nur Illusionen.

Und diese Illusionen beschränken sich nicht leider nicht nur auf so "harmlose" Befindlichkeitsstörungen wie ein gestörtes Schlafverhalten (hinter dem sich allerdings auch gravierende Probleme verbergen können).

Die Aufgabe eines Arztes ist es unter anderem, Menschen vor Schaden zu bewahren.

Dass Hunderttausende sich der Alternativmedizin zuwenden, ist eine schlichte Katastrophe und letztendlich ein Indiz für Fehlentwicklungen in der Wissenschaftsmedizin, die dringend korrigiert werden müssen. Aber auch eine noch so große Anzahl von Nutzern macht die Verfahren der Alternativmedizin nicht evident.

Homöopathie und Anthroposophie sind Irrlehren. Ihre theoretischen Vorraussetzungen sind falsch.
Ihre Ansichten sind meist antiquiert oder - nicht selten - reine Phantasiekonstrukte.
Sie sind keine medizinischen Verfahren, sondern Rituale des Aberglaubens. Ihre Vertreter betrügen sich selbst und ihre Patienten ganz bewußt, oder haben so wenig Ahnung von Medizin, dass sie nicht in der Lage sind, die Unwirksamkeit ihrer Methoden zu erkennen.

Dass diese Verfahren sich in diesem Maße und mit gesetzgeberischer Billigung in der medizinischen Versorgung etabliert haben, hat die Tür geöffnet für eine Vielzahl von Verfahren, die man schlichtweg als "mörderisch" bezeichnen muss. Ich erinnere in diesem Zusammenhang beispielsweise an die skandalösen Vorgänge um den neugermanischen Krebsarzt Ryke Geerd Hamer oder um den selbsternannten AIDS -Heiler und Vitamin-Guru Dr. Matthias Rath.

Wo und mit welcher Argumentation willst Du eine Grenzlinie ziehen ? Wo genau ist die Grenze zwischen noch akzeptablem oder nicht mehr vertretbarem Schwachsinn ?

Wie willst Du einem Menschen erklären, dass die Ansichten der Homöopathie zu Infektionen lebensgefährlich sind, aber die gleichen Ansichten durchaus den Einsatz von Globuli zur Behandlung von Schlafstörungen rechtfertigen ?
Wie soll einem Patienten klar gemacht werden, dass der Heilprakiker, der nach unhaltbaren Vorstellungen zur Pathologie ein unwirksames Medikament verordnet, im einen Fall ein Heiler in einem anderen Fall aber Quacksalber ist ?

Für den wenig informierten Patienten besteht doch im Regelfall dann, wenn die "eine" Maßnahme der Alternativmedizin toleriert wird, die Erkenntnis, dass auch die andereren Therapiemaßnahmen funktionieren können. Warum sollte - im Zusammenhang mit der Homöopathie - die geistartige Verstimmung der Lebenskraft, die die universelle und einzige Krankheitsursache im homöopathischen Denken darstellt, in bestimmten Fällen richtig sein (sonst würde ja kein Medikament verordnet), in andern Fällen jedoch nicht ?

Die Komplementärmedizin hat nur und ausschließlich den Placebo-Effekt.

Die Wissenschaftsmedizin dagegen verfügt über erfolgreiche und verifizierbare Verfahren. Aber sie benötigt auch den Placebo-Effekt, der sich aus dem Vertrauen in ihre Verfahren und in die Kompetenz ihrer Mediziner ergibt.
Um diese Vertrauen muss sie - als wehrhafte Medizin - kämpfen. Der in ihren Verfahren unwirksamen Komplementärmedizin und ihren Pseudo-Heilern den Placebo-Effekt zu überlassen, ist nicht mehr und nicht weniger als ein durch nichts zu rechtfertigender Rückzug.


Pianoman
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Alt 21.08.2007, 14:23   #23
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Ganz recht. Wenngleich mir durchaus verständlich ist, weshalb die Alternativmedizin (wohl der mit am meisten fehlerhaften Implikationen behaftete synonyme Ausdruck für die genannten nicht schulmedizinischen "Axiome") aus der von dir @micha präsentierten Perspektive, die durchaus eine ärztliche Dimension hat, ihre Daseinsberechtigung behält, ist sie dennoch ein blosses Gedankenkonstrukt, eine insgesamt unzulässige Perspektive.

Was ich damit meine?
Die von dir präsentierte Sichtweise ist retrospektiv, d.h. sie beurteilt eine Therapie NACH ihrem Effekt.
Eine stattgehabte Intervention (z.B. das Einwerfen von Globuli) wird mit einer postiven Veränderung assoziiert, da dies die einzig dem Patienten erinnerliche Intervention darstellt.
Diese Form der Attribuierung ist gerade bei Medikamenten ohne eigentlichen Wirkstoff erleichtert, da ein Nicht-Wirkstoff auch kaum Nebenwirkungen entfaltet, ganz im Gegensatz zur Schulmedizin.

Ein bekanntes Extrembeispiel ist die Blutdrucktherapie. Sehr häufig kommt es durch die wirksame Schulmedizin subjektiv zu keiner Besserung der quality of life und das Medikament wird abgesetzt. Wird hingegen eine eine wirkstofffreie Substanz eingenommen und der Blutdruck ist -zufällig- in einer Messung erniedrigt, so wird das Medikament -es hat ja auch keine Nebenwirkungen- als dem Verum-Medikament überlegen betrachtet. Ein gefährlicher Trugschluß, über den der Patient aufzuklären ist!

Kurzum, die Rolle des Arztes besteht in einem placebofreien Verständnis der medizinischen Wirksamkeit einer Substanz bzw. Prozedur. In dieser Sicht muss also eine Intervention a priori einen erwartbaren, kalkulierbaren Effekt haben, der sich nicht auf subjektivistische a-posteriori-Erfahrungen stützen darf.

Der erwartbare Effekt einer ärztlich gesetzten Intervention muß sich also auf nachvollziehbare, objektivierbare Ergebnisse stützen. Ein Placebo-Effekt muss ein fakultatives Zubrot der ärztlichen Verantwortung bleiben, das sich aus dem vertrauensvollen Arzt-Patienten-Verhältnis entwickelt und dem Patienten den Grundsatz erläutert, dass Nebenwirkungen oft ein Anhalt für den Effekt einer Therapie und nicht für deren Versagen sein können.

my 2 cents, logiker
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Alt 21.08.2007, 15:12   #24
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Verbieten kann man die Alternativmedizin ja nicht. Also muss man mit Ihr leben lernen.
Wo die Grenze ziehen?
Vielleicht Alternativmedizin als additiv zur Schulmedizin und nur von ausgebildeten Ärzten durchzuführen?

Jetzt kommt dein Einwand, welcher Arzt glaubt denn so einen Schwachsinn
Es gibt aber einige (Ursache: Geld?), aber ganz egal ob der Arzt nun daran glaubt oder es als Placebo sieht, der Patient zumindest wäre in den richtigen Händen.

Gruß

Micha
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