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Wahn oder Sinn? Was Patienten bei "alternativen" Therapien so alles glauben müssen...In dieser Diskussion geht es um "Wahn oder Sinn? Was Patienten bei "alternativen" Therapien so alles glauben müssen..." im "kritisch betrachtet" Forum, als Teil von Patientenfragen.net |
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#13 |
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Glaubt an nix!
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Knoten im Curry-Netz
Wer sich heute fragt, ob 50 Jahre Krebsforschung an medizinischen Hochschulen eine sinnvolle Investition waren, muss sich eines besseren belehren lassen. Wer für juveniles Bettnässen bisher psychische oder auch hormonelle Probleme angenommen hat, ebenfalls. Auch Schlafstörungen, dauerhafte Müdigkeit trotz zeitlich ausreichender Schlafphase, Muskelverspannungen im Bereich der Wirbelsäule sowie Gelenk- und Kopfschmerzen, Atemnot, schwere Beine, Krampfadern, Kreislaufprobleme, erhöhter Blutdruck, Gicht oder Rheuma haben ganz andere Ursachen als bisher angenommen. Es liegt alles an Mutter Erde. Oder, genauer formuliert, an ihren Macken. Und das sind vor allem Wasseradern, und Gesteinsbrüche, Hohlräume oder andere geologische Verwerfungen. Die strahlen nämlich, was das Zeug hält; sagte jedenfalls im Jahr 1929 der Rutengänger Gustav Freiherr von Pohl, nach einer Untersuchungen von sogenannten Krebshäusern im Ort Vilsbiburg in Niederbayern, in denen, der Begriff lässt es vermuten, sehr viele Todesfälle auf onkologische Erkrankungen zurückzuführen waren. Und damit Pohl nicht so alleine mit seiner Meinung bleibt, haben vor ihm, damit die historische Konsistenz gewährleistet ist, natürlich auch die alten Ägypter schon von den Erdstrahlen gewusst, und, wer auch sonst, der große deutsche Geologe und Physiker Johann Wolfgang von Goethe. Solche und andere erstaunliche Weisheiten erfährt man, wenn man sich beispielsweise auf der Internet-Seite der Firma „athome“ einlinkt. Dieses Unternehmen ist eines von vielen, die sich angeblich mit Baubiologie beschäftigen, eigentlich aber pseudowissenschaftliches Wünschelrutengehen veranstalteten. Hartnäckig hält sich seit etwa 150 Jahren der Aberglaube, nicht nur Geophysiker wären in der Lage, sich evident mit der Erforschung des Untergrundes zu beschäftigen, sondern auch ein Trüppchen von sensitiven Zeitgenossen, die mit Hilfe von gabelähnlichen Baumteilen oder anderen obskuren Gerätschaften Phänomene aufspüren, die sich selbst den sensibelsten Messgeräten der Geophysik bisher verborgen blieben. Und diese Phänomene haben es in sich: Es sind in der Sprache der Radiästheten oder Geomanten (Anmerkung: Trotz des geringeren sprachlichen Reizes: es sind und bleiben Wünschelrutengänger) so genannte Reizzonen, d.h. Stellen, auf die Rutengänger beim Überschreiten mit einem Rutenausschlag reagieren. Das wiederum liegt an den Strahlen und Schwingungen die aus der Erde gen Wünschelrute drängen. Ungebremst - trotz kilometerdicken Erdschichten - und ohne dass Strahlungsquellen (zerfallende radioaktive Atome) oder Schwingungserreger anwesend und nachweisbar sind; aber auf jeden Fall ist die Sache saugefährlich. So saugefährlich, dass man nicht nur Betten umstellen oder Häuser neu konstruieren muss, sondern auch Abschirmgeräte braucht, die - welch ein Zufall - gerade bei dem jeweiligen Radiästheten günstig zu erwerben sind. Für junge Mütter bieten sich auch "erdstrahlenabschirmenden Still-Kissen mit Dinkelfüllung" an. Wie diese Strahlen entstehen, und warum sie auf dem Weg durch den Erdmantel nicht absorbiert werden wird offen gelassen - ganz zu schweigen davon, warum sie von obskuren Geräten und Abschirmungen aufgehalten werden sollen, wenn kilometerdicke Gesteinsschichten das nicht können. Um die Arbeit der Radiästheten ein wenig zu erleichtern, haben sich die Strahlen netterweise organisiert und im Erdinneren so angeordnet, das sie jeweils an den Kreuzpunkten eines oder mehrerer fiktiver Koordinatensysteme, die unseren Globus überziehen, eine besonderes intensive Wirkung zeigen. So intensiv, dass sich sogar ein eigener Berufsstand – nämlich die Geopathologen - mit diesen Wirkungen beschäftigen. Beschrieben werden in der einschlägigen Literatur mehrere dieser Koordinatensysteme: So z.B. das "Globalgitternetzwerk" nach Dr. Hartmann (Maschenweite 2,8 auf 3,2 Meter), das von Nord nach Süd und quer dazu verlaufen soll, sowie das "Curry-Gitternetzwerk". Letzteres soll Nordost-Südwest (und ebenfalls quer dazu) mit einer Maschenweite von 2,4 - 2,6 Meter verlaufen. Dreidimensional ist dann das "Benker-Kuben-System". Dieses soll von Nord nach Süd verlaufend (und quer dazu) ausgebildet sein. In diesem System werden "positive" und "negative" Kuben definiert. Darüber hinaus gibt es die "Ley-Lines" ("Geomantische Zonen"), ein drittes Gitter, ein "Polares Feld", zwei "Vital-Energie"-Felder und noch einige andere wunderliche Erscheinungen mehr. Die Betrachtung dieser behaupteten Gitter und Liniensysteme, wird besonders interessant, wenn man sie mit den Aussagen zur biologischen Wirkung abgleicht. So soll es, neben der humanpathogenen Wirkung, auch Einflüsse auf Tiere und Pflanzen geben, die sich an den diversen Kreuzungspunkten eine Gitters oder verschiedener Gitter untereinander als "Strahlenflüchter" oder "Strahlensucher" verhalten. Zahlreiche Autoren nennen hierbei Getreidepflanzen. Diese sollen auf angeblichen Reizstreifen verkümmern, obwohl, trotz ungezählter Luftbildaufnahmen, noch nie aufgefallen ist, dass sich auf Getreidefeldern irgendwelche geometrischen Muster abzeichnen, die nicht auf die Art der Aussaat zurückzuführen wäre. Keine dieser Erklärungen ist also physikalisch, geologisch oder auch biologisch plausibel und nachvollziehbar. So kann es prinzipiell kein dauerhaftes Linien- bzw. Gittersystem auf der Erde geben, das Strukturen in der Erde reflektiert. Diese geodätischen Netze würden durch die Dynamik der Kontinente immer wieder im Erdmantel eingeschmolzen und es ist nicht vorstellbar, wie sie aus dem heißen Magma - des mittelatlantischen Rückens zum Beispiel - wiedererschaffen werden sollten. Die Idee eines statischen Netzes, dessen Voraussetzung eine statische Erdoberfläche ist, macht deutlich, wie antiquiert die Vorstellungen der Radiästheten wirklich sind. Spätestens seit Alfred Wegener die Kontinentaldrift entdeckte, wissen wir nämlich, dass die Erdoberfläche einem ständigen Veränderungsprozess unterworfen ist. Ein bisschen von dieser Erkenntnis scheint allerdings auch bei den Radiästheten angekommen zu sein; vielleicht nicht so ganz viel, vielleicht auch nicht so ganz richtig, aber immerhin ! So kann man bei Georg Otto (1986) in einem Machwerk über Erdstrahlen lesen: "Wir wissen, dass sich unsere riesigen Kontinente Amerika, Afrika, Asien in einem gewaltigen Trift ständig von West nach Ost verschieben. Das hängt mit der Umdrehung der Erde zusammen." ![]() Auch die häufig als Strahlenquelle genannten, extrem schwach wechselwirkenden Neutrinos, deren Reaktionen außerordentlich gut von den Teilchenphysikern verstanden werden, sind kaum geeignet, seltsame Erdstrahlen hervorzurufen. Überhaupt findet man zu diesem Thema grausam viel pseudowissenschaftliches Geschwafel von Turbulenzen und stehenden Wellen im Magnetfeld der Erde. Damit wird zwar nichts erklärt, aber der Eindruck einer Wissenschaftlichkeit erweckt, die objektiv nicht gegeben ist. Auch die häufig als Störquelle genannten Wasseradern haben so ihre Eigenheiten. Zum einen ist die Vorstellung, Wasser würde unterirdisch in festen Bahnen ähnlich Flüssen oder Bächen fließen, zumindest im grundwasserreichen Deutschland, nicht haltbar. Ganz im Gegenteil, Wasser strömt großflächig in wasserführenden Schichten Seen, Flüssen oder Quellgebieten zu. So wundert es auch nicht, dass man bei Brunnenbohrungen in Deutschland zu über 90 % auf Wasser stößt; auch ohne den Einsatz von Wünschelrutengängern. Dieser Sachverhalt erklärt aber auch die individuellen „Erfolgsquoten“ von Radiästheten, deren Fähigkeiten allerdings immer dann versagen, wenn unter Laborbedingungen begrenzte, künstliche Wasseradern gefunden werden müssen. Eine große Zahl von Experimenten, meist durchgeführt an Universitäten (z.B. ETH Zürich, Universität München), bei denen die Probanden Wasseradern aufspüren sollten, deren geologischer Verlauf genau bekannt war, verliefen aber allesamt negativ. Und alle ähnlichen Versuche mit Trefferquoten oberhalb des Zufalls, wurden bisher nicht nach den strengen Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens durchgeführt. Woher kommt aber nun der ungebrochene Glaube an die besonderen Fähigkeiten der Rutengänger, der in ganz ähnlicher Form auch beim Pendeln oder beim Gläserrücken in esoterischen Sitzungen zu finden ist ? Betrachtet man die unterschiedlichen Formen von Ruten, so wird schnell deutlich, dass das Gerät keinen Einfluss auf das Geschehen ausübt. Nach umfangreichen Untersuchungen ist heute gesichert Erkenntnisstand, dass auf affektiven Positionen beruhende kaum merkliche Muskelaktivitäten – als Carpenter-Effekt oder Ideomotor-Prinzip beschrieben - Wünschelruten zum Ausschlag bringen oder die Drehrichtungen von Pendeln ändern. Der Ausschlag der Geräte wird allein und ausschließlich durch die Muskulatur des Anwenders ausgelöst. Ob das willkürlich oder unbewusst geschieht, sei zunächst einmal dahingestellt. Im Grunde heißt das aber auch, dass eine Wünschelrute nicht unbedingt erforderlich ist, sondern vielleicht nur als Vermittler zum Unbewussten benutzt wird, und dabei vom Unterbewusstsein gesteuerte Prozesse in eine entsprechende Kausalität mit Ursachenumkehr überführt werden. Die Rute bewegt sich also nicht, weil es eine exogene Ursache gibt, sondern weil der Rutengänger davon überzeugt ist, dass es die exogene Ursache gibt, und sich die Rute deshalb irgendwann bewegen muss. Da die Feinkontrolle unserer Muskulatur bewusst nur schwer zu erreichen ist, kann das Denken an und die Erwartung eines erwünschten Ergebnisses über den Ideomotor-Effekt die unbewusste muskuläre Aktivität auslösen. Es ist also nichts mit den außergewöhnlichen Fähigkeiten der Radiästheten, denn alle sich in der Darbietung dieser besonderen Fähigkeiten abspielenden Mechanismen sind bestens bekannt. Allerdings scheint diese Wissen doch nicht allzu verbreitet zu sein, glaubt man der Emnid-Umfrage aus 2001: Danach sind 68 Prozent der befragten Westdeutschen und 54 Prozent der Ostdeutschen immer noch von den Fähigkeiten der Wünschelrutengänger überzeugt. So ist dann auch anzunehmen, dass die Gilde der Radiästheten im wachsenden Marktsegment „Umweltangst“ weiterhin gute Geschäfte mit dem menschlichen Bedürfnis nach einer privaten und unwiderlegbaren Leidensursache machen werden. Mutter Erde sei Dank. Pianoman |
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Geändert von Pianoman (12.06.2007 um 00:13 Uhr). |
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#14 |
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Glaubt an nix!
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Nur mal so am Rande bemerkt…
Von der Verdummung der Gesellschaft bis zur Psychose des Klienten. Warum Esoterik nicht nur verblödet, sondern auch krank macht.... Esoterik gibt es in vielen verschiedenen Formen und Farben. Sie gilt als alternativ und zieht viele Menschen an, die den Lebensbedingungen unserer Gesellschaft - z. Tl. berechtigterweise - kritisch gegenüber stehen. Dass Esoterik und die dahinter stehenden Welterklärungsmodelle allerdings kaum das Potential zu positiven Veränderungen haben, sondern vielmehr - vor allem durch ihre Schicksalsgläubigkeit - bestehende ökonomische und gesellschaftliche (Macht)verhältnisse rechtfertigen, soll hier genau so gezeigt werden, wie die Gefahren, die sich für diejenigen Menschen ergeben können, die ihr Denken auf die irrealen Ideenwelten der Esoterik beschränken. Esoterik ist heute Teil bundesdeutscher Realität. Astrologie und Gläserrücken, Wundersteine und Karma, Aura, Chakren oder Meridiane sind den meisten Menschen geläufige Begriffe. Astrologie ist die populärste und bekannteste Form der Esoterik: Mehr als 2/3 aller Deutschen lesen regelmäßig ihre Horoskope, die in fast jeder Tages- und Wochenzeitung zu finden sind, die Hälfte glaubt an die Fähigkeiten von Astrologen. Ebenfalls 2/3 glauben an Wunderheiler, die durch Handauflegen die moderne Medizin überflüssig machen. Und noch 17% glauben an die Reinkarnation und halten es für sicher, wiedergeboren zu sein. Studien haben gezeigt, dass der Glaube an irrationale Weltmodelle besonders in den Zeiten gesellschaftlicher und ökonomischer Unsicherheiten steigt. Esoterik hilft Menschen, sich in einer Umwelt, die ihnen zu komplex erscheint, wieder zurechtzufinden. Sie beantwortet Sinnkrisen, indem sie jedem und jeder einen festen Platz zuweist. So übernimmt die Esoterik heute sinnstiftende Funktionen, die von früher von den Kirchen belegt oder in einem gesamtgesellschaftlichen Konsens verankert waren. Aber sie ist nicht nur im Bereich persönlicher Sinnfindung sondern auch aus ökonomischer Sicht von erheblicher Bedeutung: Mit esoterischen Dienstleistungen, Seminaren, Büchern, Zeitschriften, und Gimmicks wie Tarotkarten oder Nahrungszusätzen lässt sich ganz gut Geld verdienen. Die "Welt am Sonntag" berichtete im Jahr 2004 von einem Umsatz der Esoterik-Branche in der Größenordnung ca. 10 Milliarden Euro. Allerdings gehen Kenner wie Colin Goldner vom „Forum kritische Psychologie“ in München von deutlich höheren Dunkelziffern aus, weil beispielsweise die etwa 10 000 haupt- und nebenberuflichen Wahrsager und Handaufleger oft gegen nur gegen Bares und ohne Rechnung arbeiten… Es stellt sich also die Frage, was esoterische Verfahren im Hinblick auf metaphysische Bedürfnisse und auch schlichte weltliche Probleme – beispielsweise Erkrankungen - tatsächlich für ihre Nutzer leisten können. Diese neuen spirituellen Bewegungen und die Flucht in esoterische Praktiken sind ein Symptom der Probleme unserer westlichen Gesellschaft. Insofern ist die Auseinandersetzung mit dem, was hier erhofft und versprochen wird, geradezu eine Notwendigkeit. Das Heilsangebot dieser neuen Religiosität ist nach seinen Inhalten zu befragen: Welches Menschenbild und welche metaphysischen Vorstellungen werden hier vermittelt, welche Erfahrungen werden zugesagt ? Welche Probleme treten bei der Nutzung auf, welche Gefahren können entstehen ? Die „moderne“ Esoterik, die nur wenig mit dem nur für Eingeweihte zugänglichen (esoterischen / okkulten) Wissen der Philosophieschulen des antiken Griechenlands zu tun hat, entwickelte sich in Europa etwa zwischen dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts und dem zweiten Weltkrieg. Zu Anfang dieser Zeit bereiste die Begründerin der modernen Esoterik und Gründerin „Theosophischen Gesellschaft“, H.P. Blavatsky, den asiatischen Subkontinent und erfuhr von Karma und Wiedergeburt, von Gurus und Schamanen. Diese Erfahrungen publizierte sie in Europa und den USA und mit der „Theosophischen Gesellschaft“ schuf sie eine Organisation und Anlaufstelle für die spirituell Suchenden des Fin de Siècle, darunter nicht wenige Intellektuelle wie z.B. Thomas Mann oder Gustav Meyrink. Die Zeit zwischen Jahrhundertwende und Zweitem Weltkrieg war durch eine regelrechte Renaissance der Geheimbünde und okkultistischen Gemeinschaften gekennzeichnet, deren soziale Reichweite und kulturelle Wirksamkeit auch die in dieser Beziehung herausragenden Gruppierungen des letzten Drittels des 18. Jahrhunderts bei weitem übertrafen. Neben die Theosophie und Anthroposophie traten nur durch Initiation zugängliche Bünde wie der Orden der Goldenen Dämmerung (Order of the Golden Dawn) und der Ordo Templi Orientis (O.T.O.), in denen Aleister Crowley eine bedeutsame Rolle spielte. In Deutschland formierten sich unter anderem der Orden des Neuen Tempels des Jörg Lanz von Liebenfels oder die von Crowley unabhängige, aber auf seinen Lehren und magischen Ritualen aufbauende Fraternitas Saturni, die Eugen Grosche 1928 gründete. Viele heutige Esoteriker beziehen sich aber - direkt oder indirekt - immer noch auf Blavatsky. Einer ihrer Schüler, Rudolf Steiner, war in Deutschland sogar so erfolgreich, dass Schulen nach seinen Lehren gegründet wurden: die Waldorfschulen. Alle diese Begründer der modernen Esoterik knüpfen an "altes Wissen" und an die "alten Weisheiten" meist vergangener Kulturen an. Manchmal, wie in theosophischen und anthroposophischen Weltmodellen, werden die Kulturen, auf die man sich beruft, wie z.B. die Atlanter, einfach erfunden. Rudolf Steiner war es auch, der glaubte, übersinnliche Einsichten mit gleicher Dignität formulieren zu können »wie die auf das Sinnliche gestützte, mit Mikroskop und Teleskop ausgerüsteten Wissenschaften. Vor allem indische Religionen wurden konstitutiv für das esoterische Selbstverständnis. Aber auch die antiken und überhaupt die »geheimen« Religionen zählten zum alternativen Kosmos der Esoteriker, so dass der Anspruch einer synkretistischen Universalreligion entstand, die alle Weltanschauungen, auch das Christentum, in einer höheren Wissenschaft oder Weltanschauung »aufheben« wollte. Im Unterschied zu den Geheimbunden der Antike und den Logen des 19. Jahrhunderts sind heutige Esoterik-Kreise durchwegs jedem Interessierten offen, und esoterische Ideen und Praktiken werden wie Marktware angeboten. Das Angebot für den Weg der Selbsterkenntnis ist groß. Schlagworte wie "neue Ganzheitlichkeit", "kosmisches Bewußtsein", "Wissen um die Zusammenhänge in der Welt" sollen dem Menschen kosmische Perspektiven eröffnen. Astralwandern, Reinkarnation, "Erfolg durch den Einsatz übersinnlicher Fähigkeiten" verweisen auf die spiritistische Komponente der Esoterik-Bewegung. Mehr in Richtung "Ich bin, was ich denke" gehen positives Denken, "Selbsterkenntnis als Heilsweg", "Gesundheit und Glück durch völlige Beherrschung von Körper und Seele". Statt Wahrheit: Beliebigkeit Es gibt kaum einen Anspruch, der in der Esoterik-Szene von größerer Bedeutung ist, wie die "undogmatische Toleranz". Ihren Ursprung hat diese Forderung wohl im Synkretismus der Theosophie, die den Anspruch hegte, alle Religionen und Philosophien zu einer übergeordneten Universalreligion zusammen zu führen. Doch der Synkretismus muss scheitern, wenn die Wahrheitsansprüche verschiedener Weltbilder aufeinander prallen. Der Ausweg aus dem Dilemma der inneren Spannung der Wahrheiten ist das Für-wahr-halten sämtlicher Theorien. Jedoch führt eine Anerkennung aller und verschiedenster Wahrheiten letztlich aber zur eigenen Standpunktlosigkeit. Entgegen jeder angestrebten Ganzheitlichkeit ist der Mensch, der diesen Kompromiss wählt, gezwungen, sich auf bloße Erlebnisse oder Erfahrungen, d.h. Gefühle, Eindrücke zurückzuziehen. Damit ist der Mensch als Summe seiner geistigen Positionen nicht mehr hinterfragbar und kann auch nicht mehr mit anderen kommunizieren, sondern nur noch monologisieren; denn: "für dich ist es so, für mich ist es anders." Wahrheit ist dann nichts Überpersönliches mehr, sondern nur noch eine individuelle Meinung; eine Wahrheit für mich, eine andere Wahrheit für jeden anderen. Damit geht die Scheintoleranz einher, dass jede und jeder seine eigene Wahrheit hätte, alle Widersprüche scheinen im Harmoniewölkchen aufgelöst. Dies hebt aber die fruchtbare Lebens-Spannung auf. Eine absolute Wahrheit findet sich nicht auf der Erde, aber die relativen Wahrheiten müssen sich aneinander bewähren, doch die Auseinandersetzung darüber wird in der Eso-Szene verweigert. Aber auch die Vermeidung einer tiefer gehenden Diskussion über Werte, über ethische Grundsätze, über innere Schlüssigkeiten, löst nicht das Problem der Widersprüchlichkeit der Weltmodelle. Deshalb: wer wirklich nach einer tiefen Erfahrung sucht, wird aber wohl kaum auf dem Markt der Offenbarungen fündig. Wer sich auf die Synkretismen des Marktes einläßt, findet sich in Widersprüche verwickelt. Besonders für ernsthaft Suchende ergeben sich aus verschiedenen Systemen und Methoden auch ernsthafte Widersprüche. Verschiedene Wahrheiten und Wahrheitsansprüche geraten in eine unauflösbare Spannung. Die Ergebnisse sind bekannt: Es erfolgt eine Banalisierung der weltlichen und religiösen Bestandteile in Form einer Metaphysik, die über oberflächliche Worthülsen nicht hinausgeht, und die die Austauschbarkeit und den Wechsel der Weltanschauungen wie die berühmte Unterwäsche schon fast zum Programm werden lässt. Sich wohl fühlen und entspannen beim Hören einer CD mit spirituellen Gesängen oder Musik, einen guten Gedanken bei der Lektüre eines esoterischen Buches zu finden oder bei einem Wochenendworkshop stimmige Erfahrungen zu machen, ist etwas anderes, als die Suche nach der tiefsten Wahrheit oder einem höheren Bewusstsein. Eine solche Suche erfordert eine dauerhafte Bindung. In der heutigen Esoterikszene wird dagegen eine Offenheit für alle möglichen Erfahrungen verlangt. In einem solchen Umfeld besteht die immer Gefahr sich selbst im Nebel von Beliebigkeit und Gleichgültigkeit zu verlieren. Ein Ausweg ist die Rückkehr in einen naiven Fundamentalismus. Es ist immer wieder zu beobachten, dass Menschen, die eine gewisse Zeit in esoterischen Gruppen beheimatet schienen, ihre "esoterischen" Bücher wegwerfen und sich z.B. einer pfingstlerischen Freikirche, einem charismatischen Gebetskreis oder ähnlichem anschließen. Sie befürchten, dass sie mit all der bislang praktizierten Esoterik falsch liegen. In diesen neuen spirituellen Gruppen finden sie dagegen eine feste Wahrheit (z.B. in der scheinbar klaren und eindeutigen Exegese der Hl. Schrift). Solche "Bekehrungen" erscheinen eher aus Angst zu geschehen statt aus tiefer Glaubenserfahrung und befreiender Frohbotschaft. Es ist zu bezweifeln, dass dies im Sinne einer religiös-spirituellen Befreiung ein richtiger Schritt ist. Selbst schuld! Reinkarnationsglaube als Sterbehelfer gesellschaftlicher Zusammenhänge und sozialer Solidarität Die Reinkarnation (Wiedergeburt) ist ein zentrales Thema der Esoterik. Sie findet sich in einer Vielzahl von Heilverfahren wieder und dient dort u. a. zur Begründung von Krankheit oder anderen negativen Lebensentwicklungen. Stellt man die Hypothese der Wiedergeburt in Frage, bricht z.B. für Anthroposophie oder auch die Theomedizin das gesamte Theoriegebäude zusammen. Dabei wird das ursprüngliche hinduistisch-buddhistische Verständnis, das in jeder neuen Wiederverkörperung eine Folge von Strafe und Leid sieht, völlig umgedeutet und optimistisch als Aufwärtsentwicklung angesehen, als wiederholte Chance, um die Fehler aus früheren Leben in Ordnung zu bringen. Die Reinkarnation wurde im Westen zum Ideal — während sie im Osten weiterhin als Fluch gilt. Mit dem Begriff "Karma" werden Schicksal, Leid und Ungerechtigkeit in dieser Welt erklärt: Aus dem Keim der Handlungen erwachsen die Früchte, die das nächste Leben, seinen Rang, seine Lasten, sein Glück bestimmen. Alles, was einem Menschen widerfährt, hat er somit sich selbst zu verdanken und sich selbst zuzuschreiben. Nach der Ansicht der Esoterik wäre es völlig falsch, andere für eigenes Unglück und Leid verantwortlich zu machen. Die „moderne“ Auslegung von "Karma und Reinkarnation" sucht wie schon oben erwähnt, auch die Ursachen von Krankheiten in den früheren Leben der Betroffenen. Hier setzen auch die fragwürdigen Heilungsmethoden an, die in Kursen zur "Bewußtmachung früherer Existenzen" und zur Aufdeckung der Krankheitsursachen angeboten werden. Beispielsweise die Methode des „Holotropen Atmens / Rebirthing“ nach Stanislav Grof. Der Glaube an das Karma wird von einigen Gruppen der Esoterik-Bewegung konsequent weitergeführt und dient dann auch der Rechtfertigung von Ungerechtigkeit und Leid in dieser Welt. Nicht ökonomische oder politische Ursachen, nicht ungerechte Eigentumsverhältnisse oder starre Hierarchien sind die Ursachen für das Elend des Einzelnen, sondern ausschließlich karmische Verfehlungen. Eine solche Denkweise führt zur "Entsolidarisierung" im sozialen Miteinander und erzeugt eine Gesellschaft, in der soziales und politisches Engagement nicht mehr wünschenswert, vor allem aber sinnlos ist. . Da der Einzelne und genau so ganze Völker an ihrem Leid und den erfahrenen Ungerechtigkeiten selbst schuld seien und diese gerade eine Möglichkeit der Schuldabtragung für einen besseren Start im kommenden Leben seien, dürfe in deren Karma nicht eingegriffen werden. (Und was heute für verfolge Minderheiten und hungernde Völker auf der ganzen Welt gilt, das hatte vor 50 Jahren nicht minder für die von ihrem Karma belasteten Juden Gültigkeit). Der durch die westliche Esoterik neu interpretierte Gedanke der Reinkarnation und des Karmas ist in letzter Konsequenz die inhumane Rechtfertigung sämtlicher sozialer Verwerfungen und jeder gesellschaftlichen Ungerechtigkeit; und damit nicht zuletzt eine Abwertung der menschlichen Existenz. Krankheit ist eine Bewusstseinsstörung: Denk dich gesund! New Age als Aufbruchsbewegung zur neuen Weltreligion hat zwar an Bedeutung verloren, doch die Ideen und Praktiken, die im alternativen Angebot stehen, haben das Interesse an Esoterik weitgehend ausgelöst. Das anbrechende harmonische und friedliche "Wassermannzeitalter" soll die vergangenen 2000 Jahre im Tierkreiszeichen des Fisches ablösen. Die New-Age-Jünger berufen sich im „holistischen Denken“ auf das verborgene Urwissen der Menschheit und verbinden fernöstliches Gedankengut mit esoterischen und okkulten Praktiken, die ebenso wie die Parapsychologie als Wege zu einem höheren Bewußtsein propagiert werden. Fehlentscheidungen, für die nicht zuletzt das Christentum verantwortlich gemacht wird, wie patriarchalische Gesellschaftsstrukturen, die Ausbeutung der Erde und der Glaube an die unbegrenzten Möglichkeiten der Wissenschaft könnten durch eine "Änderung der Wahrnehmung" überwunden werden, so lautet der schlichte Lösungsvorschlag von Fritjow Capra, der als schriftstellender Physiker mit „Wendezeit“ die Bibel des New Age verfasst hat. „Holistisches Denken“ als Weltbild steht auch hinter zahlreichen Formen außerwissenschaftlicher Heilmethoden: Der Mensch ist ein "ewiger Funke" im allumfassenden Kosmos. Aus der "ganzheitlichen" Sicht des Menschen ergibt sich jene Auffassung, dass die eigentliche Ursache der Krankheiten im Bewusstsein des Einzelnen oder im Geiste liegt. Dieses Weltbild reflektiert sich z.B. in der Homöopathie, der Anthroposophie oder der Theomedizin (und führt letztlich dazu, dass diese so genannten Heilverfahren zu einer sinnvollen Weiterentwicklung der Humanpathologie nichts beitragen können.) Die Grundtherapie ist deshalb, vor allem "gesund" oder "richtig denken" zu lernen. Auch dem Yoga - das im Westen weitgehend von seinen metaphysischen Aspekten befreit auftritt - liegt das "holistische" Konzept zugrunde. Durch bestimmte "Energie-Zentren" (Chakren) soll der Mensch die "Lebenskraft" aufnehmen und steuern, die den ganzen Kosmos durchflutet und auch ihn heilen können. Nur aus dieser Ansicht - keineswegs aus physiologischen Überlegungen heraus - resultieren die jeweiligen Übungen des Yoga. Auffallend ist das Interesse moderner Esoteriker an dem sog. "Urkulturen", in denen Menschen angeblich noch in Harmonie mit der Natur und der kosmischen Lebenskraft leben, und damit vor Krankheiten gefeit sind. Deswegen werden Heilspraktiken alter Stammeskulturen, von Indianern, Schamanen oder Magiern übernommen. Der Traum von der "absoluten Gesundheit" erfährt gerade in der Esoterik eine merkwürdige Wiedergeburt. Zu den großen Gefahren gehört, dass völlig unrealistische Heilungserwartungen geweckt werden. Zitat aus der Theomedizin von Victor Philippi: „Es gibt keine unheilbaren Krankheiten – es gibt nur unheilbare Menschen.“ Damit wird verdeutlicht: Die Krankheit ist nicht das Problem, sondern nur der Mensch und sein Bewusstsein. Esoterische Heiler berufen sich auf das "Urwissen zur Vollkommenheit des Menschen" und erheben damit den Anspruch "Erlösung" praktizieren zu können. Durch diesen überhöhten Anspruch wird ausschließlich dem Klienten die „Schuld“ gegeben, wenn die versprochene Heilswirkung nicht eintritt. Dass esoterische Heiler sich damit jeder persönlichen Verantwortung für die Tauglichkeit ihrer Verfahren entziehen, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Die Gefahr der einfachen Antwort: Der Weg in Scheinwelten Woher bezieht die Esoterik ihr „Wissen“ ? Die primitivste Antwort - allerdings auch die, die besonders von esoterischen Trittbrettfahrern oder Neueinsteigern am häufigsten genannt wird - ist eigentlich keine Antwort auf die Fragen, sondern nur eine Feststellung: „Es ist das uralte Wissen der Inder, Kelten, Chinesen, Ägyptern… (oder wer sonst noch mit dem Attribut umfassender Weisheit ausgerüstet ist.) Die Anthroposophen haben es in der Akasha-Chronik gelesen. Einfache Sinnsuchende greifen vielleicht auf die Worte ihres Gurus zurück. Manchmal hat auch der Schutzgeist, ein Ufo-Kommandant von einem anderen Stern oder ein Lehr-Engel die jeweils absolute Wahrheit vermittelt. Und wenn es besonders kompetenter Hilfe bedarf, hat gar Gott selbst - wie bei Gabrielle Witteks "Universellem Leben" oder Victor Philippis „Theomedizin“ - Botschaft und Wissen übermittelt. Zwei Eigenschaften sind allen diesen Erkenntnis-Quellen gemeinsam: 1. Die Botschaften sind eindeutig und zweifelsfrei. 2. Sie entziehen sich jeder Form der Überprüfung. Die Eindeutigkeit ist die Attraktivität der Botschaft, der Mangel an Überprüfbarkeit die zweifelhafte Begründung für die absolute Wahrheit der Botschaft. Anderen Menschen ist dann diese Wahrheit, die eigentlich nur eine persönliche Überzeugung, bestenfalls eine Art Glaube ist, nur übermittelbar, wenn sich der Fragende auf die jeweilige Erkenntnismethode einlässt, d.h. bereit ist, ist Voraussetzungen der Botschaft zu akzeptieren. Beispielsweise lassen sich Victor Philippis Aussagen zur Theomedizin nur akzeptieren, wenn man bereit ist, folgende Sachverhalte als gegeben anzunehmen: - Ausgewählte Menschen sind mit einem besonderen (göttlichen) Heilsauftrag versehen; - Gott existiert in einem materiellen Sinn, der sich in Form verfügbarer Energien äußert; - Menschen sind in der Lage, diese Energien zu beeinflussen; - Krankheiten sind Störungen des göttlichen Energiestroms; - Bestimmte Menschen sind in der Lage, diese Störungen zu beseitigen; - Diese Fähigkeiten können durch initiierte Menschen an andere weitergeben werden; Alle diese Aussagen sind genau so eindeutig, wie nicht überprüfbar. Eine auch nur annähernde wissenschaftliche Objektivierung ist nicht mehr gegeben. Damit ist - ob gewollt oder ungewollt - eine geradezu dogmatische Überhöhung der jeweiligen Erkenntnisquelle erreicht. Denn es gibt hier den einen Wissenden, der sich auf seine Wissensquelle berufen kann, und alle anderen, die diese Quelle nicht kennen, erscheinen entweder total im Materialismus verhaftet, "noch nicht so weit" oder als ganz und gar Verlorene. („Es gibt keine unheilbaren Krankheiten – es gibt nur unheilbare Menschen.“) Die „undogmatische Toleranz“ entpuppt sich hier als notwendige Voraussetzung für Ideologie. Die Überheblichkeit, sich für eine Inkarnation von Jesus, Buddha oder für ein "einziges Sprachrohr" zu halten, findet sich zunehmend bei "Klein-Gurus" aus der esoterischen Szene und schon lange nicht mehr nur bei den Vaterfiguren der großen Sekten, die nur die Spitze des pseudo-esoterischen Eisbergs darstellen. Für den suchenden und fragenden Menschen entsteht hier eine Situation, dass die Akzeptanz dieser Denkweisen in eine Realität führt, die nur noch aus Vermutungen, Vorstellungen und Fremdaussagen besteht. Hier werden Scheinwirklichkeiten aufgebaut. Da Unmöglichkeiten von Aussagen kaum bewiesen werden können, könnte jedes behauptete Faktum möglich sein. Was als möglich erkannt wurde ist, muss folglich auch über einen Wahrheitsgehalt verfügen. Damit wird menschliche Phantasie und Imaginationsfähigkeit nicht mehr als Hilfe zur Weltbewältigung verwendet, sondern als unwiderlegbare Welterklärungen missbraucht. Aus einer solchen in sich selbst verkrümmten Kunstwelt gibt es kaum einen Ausweg mehr. Die Verdummung des Klienten findet ihren Höhepunkt, wenn Esoterikern in ihren Lehren offensichtliche Fehler oder Lügen nachgewiesen werden. Die dafür verwendete Technik besteht darin, sich auf keinen Fall mit Argumenten auseinander zu setzen, sondern die Kompetenz der Kritiker und deren Methodik anzuzweifeln oder ihnen die Unfähig zum Verständnis der Lehre zu unterstellen. Damit wird ausgenutzt, dass Menschen offensichtlich entgegen aufklärerischer wissenschaftlicher Erkenntnis und nüchterner Fakten einfach "glauben wollen "; die Wahrheit ist wohl zu simpel — und zu langweilig. Fallstricke der Esoterik… Natürlich sind Yoga-Übungen gegen Rückenschmerzen oder ein Wohnungseinrichtung nach den Prinzipien des Feng Shui nicht unbedingt eine Gefahr für die seelische Gesundheit, und Sorgenpüppchen unterm Bett sind auch nicht menschenfeindlich. Aber alle Esoterik verklärt Menschen und menschliche Zusammenhänge zu Opfern von Mächten oder Einflüssen, die rational nicht begreif- und veränderbar sind. Wer seine Eheprobleme einem Fernheiler anvertraut oder versucht, die langjährige Arbeitslosigkeit oder die erworbene Asbestose mit Heilsteinen wegzuzaubern, verkennt die wahren Ursachen und Triebkräfte in der Gesellschaft. Darin liegt eben die Gefahr jeglicher Esoterik. Sie verhindert Erkenntnisgewinn, individuelle wie gesellschaftliche Emanzipation, und rechtfertigt krasse Ungerechtigkeiten. Es sind somit drei Punkte, in denen sich die Gefahren der Esoterik darstellen: 1. Die logische Konsequenz des esoterischen Weltbildes sind "letztbegründende", d.h. unangreifbare Irrationalismen, die zu einer gesellschaftlichen Rückentwicklung hin zum Aberglauben, religiösem Fundamentalismus und mystischer Weltsicht führen können 2. Aus dem esoterischen Weltbild entspringt allzu leicht eine spirituell begründete Vermeidung von politischer und sozialer Weltgestaltung. 3. Die durch Ausfall des Vernunftgebrauchs entstandene Lücke im kritischen Potential des individuellen Bewusstseins, ermöglicht eine stillschweigende Unterstützung von Ideologien und Ideologen. Was diese Denk- und Verhaltensweisen für die politische Zukunft eines Staates, für Demokratie und Menschenrechte, sowie für eine humanistische Kultur bedeuten kann, kann hier leider nicht vertieft werden. Allerdings - und dieses Verhalten findet sich auch in Beiträgen dieses Forums - wird heute schon berechtigte Kritik an totalitären, esoterischen Einstellungen als „ideologisch vorbelastet“ abgelehnt und die Kritik als Angriff auf die grundgesetzlich verankerte Meinungsfreiheit angesehen. Gerne zu Beantwortung von Fragen bereit, Pianoman |
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Geändert von Pianoman (10.07.2007 um 16:53 Uhr). |
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#15 |
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Schaut öfter mal rein
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aha, war viel zu lesen
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#16 |
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Glaubt an nix!
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Hallo ama,
entweder war Ihr Kommentar ein Ausbruch von Ironie oder aber die rheinische Variante des totalen Verisses, also: "Wat ene Driss !" Aber wie auch immer: Da Sie sich als sehr religiöser Mensch beschrieben haben, und, wie ich annehme, in der Tradition des Christentums Ihre Wurzeln haben, nur eine Frage an Sie: "Wie vereinbaren Sie die Gnadenbotschaft Gottes, das universelle Erlösungsversprechen des Christentums, dass im Grunde - außer Ihrem Glauben - keine Bedingungen stellt, mit den Ansprüchen esoterischer Heilsvermittler, die "Erlösung" an finanzielle Zuwendungen koppelt und die Vermittlung von Transzendenz und Glaubensbotschaft per Wochenendkurs verkauft ? Wäre es Ihnen recht, wenn in Zukunft die Gewähr göttlicher Gnade abhängig vom Geldbeutel ist ? Darum geht´s. Unter anderem. Pianoman |
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Geändert von Pianoman (09.07.2007 um 16:01 Uhr). |
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#17 |
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Schaut ab und zu mal rein
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Hallo pianoman
Ich bin zwar nicht ama, möchte aber dennoch zurückfragen: Muss man denn das vereinbaren können? Glaube und Religiosität ist so unterschiedlich und individuell wie der Mensch selber. Kannst ja noch weitermachen, hab dir noch einige Ideen;Zeugen Jehovas,Scintology ama hat recht, ist viel zu lesen. Ich finds aber interessant! |
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#18 |
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Glaubt an nix!
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Längerer Kommentar später, ein Hefeteig wartet auf mich.
Nur ein Gedanke: Erlösung im christlich-humanistischen Selbstverständnis ist eine Gnade, die nur von Gott gewährt wird und deshalb auch nicht an Bedingungen gekoppelt werden kann, die Erdenmenschen aus kommerzielen Interessen formulieren. Der letzte große Versuch - im übrigen von der katholischen Kirche in einem Anfall von Irrsinn und Gier mit dem Ablasshandel selbst initiiert - hat ja nun die bekannten Folgen: Die Spaltung der Kirche und fast auch deren Untergang. Göttliche Gnade ist nicht käuflich. Auch nicht bei der Behandlung von Krankheiten. Pianoman |
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