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Alt 14.08.2006, 20:05   #23 (Permalink)
Monsti
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Standard Organ- und Symptomsprache - die Sprache der Seele - Dieser Beitrag ist 747 Tage alt

Hallo Lilly,

bei Morbus Hirschsprung fehlen dem Dickdarm angeborenerweise Ganglienzellen, das weißt Du ja. Die lassen sich bekanntlich nicht von irgendwo herzaubern. Mir ist es ehrlich gesagt ziemlich wurscht, was in meinen vorherigen bzw. im Leben meiner Eltern war. Ich habe (öhm, hatte) das Problem, und ich lebe heute. Ich empfinde es ganz und gar nicht als meine Aufgabe, die Defizite meiner Vorfahren aufzuarbeiten. Würde ich das tun, bekäme ich ganz bestimmt psychosomatische Beschwerden, zumal meine Familie samt ihrer Vorfahren sehr zahlreich ist. Mir genügt mein eigenes Leben und dessen optimale Bewältigung vollkommen. Ich bin froh darüber, dass mir das anscheinend sehr gut gelingt - trotz bleibender Ileostomie, trotz täglich schmerzhaftem Verwachsungsbauch, der nur noch im lebensbedrohlichen Notfall operiert wird, trotz immer wiederkehrerender Passagestörungen inkl. Koterbrechen, trotz der Notwendigkeit täglicher Infusionen.

Selfheals Ansätze kann ich natürlich gut nachvollziehen, weil sie auf sehr viele Fälle ja auch zutreffen, aber ich kann jedwede Ausschließlichkeit nicht ausstehen. Ebenso mag ich es nicht, wenn jemand - ohne jemanden auch nur ansatzweise zu kennen - so einen (sorry) bornierten Satz loslässt wie: "Dass es auch psychische Gründe geben könnte, verdrängst du."

Dass sich unsere Existenz mit allen damit verbundenen Phänomenen auf verschiedenen, und damit natürlich auch auf psychischen Ebenen abspielt, hatte ich ja nie bestritten. Aber bei jedem kranken Menschen festzustellen, dass er mögliche psychische Gründe verdrängt, halte ich doch für arg vermessen bis unverschämt.

Eine ganzheitliche Medizin sollte hilfreich sein und nicht aburteilen. Verstehst Du, was ich meine? Wir haben nebenan ein 3-jähriges Kind mit Diabetes Typ I seit ihrem 14. Lebensmonat. Kürzlich fragte mich die Kleine, warum ausgerechnet sie das hat. Meinst Du im Ernst, ich würde ihr helfen, wenn ich auf irgendwelche seelischen Komponenten zu sprechen käme (wobei mir solche gar nicht einfallen würden, zumal es sich um ein ausgesprochen fröhliches und ausgeglichenes Kind handelt, das in einer wunderbaren Familie aufwächst)? Das Hauptsächliche, was dem kleinen Mädchen hilft, ist eine ordentliche Insulin-Einstellung und das dazugehörige Bewegungs- und Ernährungsprogramm.

Einer meiner Neffen kam mit Wolfsrachen und Hasenscharte zur Welt. Mit ca. 1,5 Jahren wurde sein Gaumen operativ geschlossen, aber er hat bis heute einen deutlichen Sprachfehler und sichtbare Narben im Gesicht. Hilft diesem Burschen (heute 14 Jahre alt) eine Abhandlung über irgendwelche psychischen Zusammenhänge?

Ein anderer Neffe von mir (sorry, ich habe 14 Nichten und Neffen) erblindet seit ca. 3 Jahren. Er ist 21 und leidet an vererbter Makuladegeneration. Er ist ein fröhlicher Hans-Dampf in allen Gassen, hat schon lange eine richtig nette Freundin, studiert und macht sich über sein Leben keine besonderen Sorgen. Nichtsdestotrotz gilt er mit 5% Sehvermögen als blind. Wo soll denn da bitte die psychische Komponente sein, mittels derer er seine Situation verbessern könnte? Ich sehe nur, dass er das ganz grandios selbst schafft.

Tut mir leid, ist ein Roman geworden. Das Thema beschäftigt mich aber, zumal ich schon unendlich viel grenzenlos dummes Geschwätz von ganzheitlich orientierten Ärzten gehört habe.

Liebe Grüße von
Angie
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