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Glaubt an nix!
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AW: Placebo-Effekt von alternativen Therapieformen? - Dieser Beitrag ist 475 Tage alt
Hallo Christiane,
die Frage nach der Heilwirkung alternativer Heilmethoden ist eigentlich kein Grund für endlose Streitereien, die ja nur deswegen endlos wären, weil möglicherweise keine Entscheidung über Für und Wider getroffen werden kann.
Dem ist aber nicht so. Wir verfügen durchaus über Methoden der Erkenntnis, mit denen wir jede Theorie überprüfen können; egal wie sie ihren Weg in die geistige Welt genommen hat, also aus individuellen Erfahrungen stammend, als Ergebnis hypothetischer Konstrukte oder als tradierter Mythos.
Unsere gesamte wissenschaftliche Entwicklung, eigentlich unsere gesamte Geistesgeschichte besteht darin, Modelle der Welt zu entwickeln, und diese dann nach Tauglichkeit bzw. Untauglichkeit zu behalten oder zu verwerfen.
Diese Urerfahrung der Menschheit - panta rhei: alles fließt, alles verändert sich - ist auch der wesentliche Grund, diesen Prozess der ständigen Neukonstruktion als immerwährenden Prozess anzusehen, und damit auch immer wieder einen Kosmos der Unerklärlichkeiten existenziell zu begründen.
Dabei vergessen wir manchmal, dass wir über einen gewaltigen Fundus an gesicherten Erkenntnissen verfügen, die wir nicht mehr ernsthaft in Frage stellen können, weil sich alle alltäglichen Erfahrungen zweifelsfrei aus diesen Erkenntnissen erklären lassen, aber alle früheren, heute verworfenen Modelle dazu eben nicht in der Lage waren.
Die Erde ist halt keine Scheibe, und sie befindet sich nicht im Zentrum des Kosmos. Die Sonne wird nicht von einem Wagen über den Himmel gezogen und versinkt nicht in am Ende des Tages der Unterwelt. Materie hat keine geistigen Eigenschaften, es gibt keinen Stein der Weisen, Blei kann nicht in Gold verwandelt werden. Unsterblichkeit lässt sich nicht mit dem Grundsatz der Entropie vereinbaren. Energie lässt sich nicht durch geistige Kraft konzentrieren, sondern wird ausschließlich von vier Kräften - große und kleine Kernkraft, Gravitation, Elektromagnetismus - beeinflusst. Am unteren Ende unserer Wirbelsäule liegt keine Kundalini-Schlange, es gibt keinen Kanal entlang der Wirbelsäule, in dem männliches Sperma in Richtung Gehirn gesaugt werden kann. Auch Maharishi-Yogis können nicht fliegen. Es gibt keine Meridiane, es gibt keine Chakras. Es gibt keine arische Herrenrasse, die vom untergegangenen Atlantis stammt, und die Menscheit kommt nicht von den Sternen. Sie ist auch nicht mit dem Rest der Biosphäre vor etwa 5000 Jahren in einer Woche erschaffen worden. Auch besteht der Mensch nicht auch aus vier Wesensgliedern. Und eine Pharyngitis ist nicht die Folge einer geistartigen Verstimmung.
Aber alle diese zum Teil sehr schrullig und absurd erscheinenden Theorien sind Bestandteile alternativer Heilsmodelle. Deshalb meine ich nach wie vor, der einzige Weg einer Gesellschaft, die den Anspruch auf Weiterentwicklung hegt, besteht darin, jede ihrer Hypothesen zum Sein der Welt immer wieder nach objektiven Kriterien zu überprüfen, und sich nicht auf den Standpunkt zurückzuziehen, bestimmte Sachverhalte sein nicht überprüfbar.
Nehmen wir als Beispiel mal die Akupunktur. Die gerac-Studie hat gezeigt, dass es bei bestimmten Krankheiten helfen kann, Nadeln in Menschen zu stechen, egal wohin. Denn die Akupunktur nach dem Theoriegebäude der Traditionellen chinesischen Medizin zeigte das gleiche Ergebnis wie die Sham-Akupunktur, bei der die Nadeln bewußt nicht dahin gesetzt wurden, wohin sie eigentlich - gemäß TCM - hätten gestochen werden müssen.
Die Erkenntnis ist: Ersten, mit Nadeln pieksen kann Schmerzen lindern. Zweitens, das Meridian-Modell der TCM spielt dabei keine Rolle. Drittens, ein Placebo-Effekt kann nicht ausgeschlossen werden.
Was wir mit der ersten Erkenntnis anfangen, steht noch zur Diskussion, die zweite Erkenntnis entspricht aber den Prognosen, die sich aus dem bekannten wissenschaftlichen Fundus ableiten lassen. Die dritte Erkenntnis ist eine begründbare Schlußfolgerung.
Das alles konnte und musste vorurteilsfrei wissenschaftlich geklärt werden. Denn der Vorteil eines wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweises ist, dass er auch dann funktioniert, wenn man die Wirkungsweise einer Behandlungsmethode noch gar nicht kennt. Es handelt sich also um eine "ideologiefreie" Methode.
Deshalb, der einzige sinnvolle Weg heißt kritische Auseinandersetzung und Forschung, die Alternative ist der Glaube an Wunder. Auf gesicherten Erkenntnissen kann man aufbauen, Wunder sind dagegen ziemlich unzuverlässig.
Pianoman
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