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Ab wann wird es dem Arzt zuviel?In dieser Diskussion geht es um "Ab wann wird es dem Arzt zuviel?" im "Psychische Erkrankungen" Forum, als Teil von Patientenfragen.net |
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#1 |
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Schaut öfter mal rein
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Aufgrund meiner langjährigen Erfahrung mit Psychiatern und Psychiatrien stelle ich mir die Frage: Ab wann wird es dem Arzt zuviel?
Essstörung mit Gewichtsschwankungen von bis zu 30 Kilo´s in 12 Wochen; SVV mit täglich Nähen lassen; schwere depressive Phasen mit SV`s - zugegeben, dass sind jetzt die wirklich heftigen Exzesse, die ich in meiner Krankheitsgeschichte so gelebt habe. Ich hab einen heiden Respekt vor all den Ärzten und Therapeuten, die mir in diesen scheinbar ausweglosen Situationen geholfen haben. Und ich hab ein schlechtes Gewissen, wenn´s mal wieder heftig wird. Klar die "Weißen" werden dafür bezahlt - ist ihr Job - hätten sich ja auch einen anderen suchen können - so kann ich als Psycho das aber net sehen. Ich seh die Menschen die Zeit, Kraft und auch Liebe in mich investiert haben und die ich immer wieder "enttäusche". Sobald es mir einigermaßen geht, versuche ich geheilt zu sein. Das hält aber meistens net lange an. Kann man sich als Arzt wirklich emotional von chronisch Kranken trennen oder verfolgt einem der eine oder andere Patient auch schon mal in die Nacht. Kann ich meinen Arzt vor mir schützen ohne dass ich gleich aus den Kontakt gehen muss? Ich hab da natürlich so meine Strategien entwickelt. Es kommt ganz auf mein Gegenüber an und wie ich dessen Belastbarkeit einschätze. Sprich bin ich bei einem Diensthabenden in der Notaufnahme, so stelle ich die Selbstverletzung als etwas alltägliches dar. Bin ich bei meinem Nervenarzt oder bei meinem Therapeuten ist es ein Drahtseilakt zwischen zeigen, was los ist und ich will nicht zur Last fallen. Bin ich als "chronisch Kranke" (GdB 70%) nicht ein bischen dafür verantwortlich, dass meine Behandler von Zeit zu Zeit ein Erfolgserlebnis haben, damit sie mich nicht aufgeben? Schwierige Fragestellung - ich weiß - trotzdem würde ich mich feuen Eure Meinung zu hören. Leonie |
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#2 |
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Arzt (Kinderheilkunde)
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Hallo Leonie
Psychiater, Psychotherapeuten und Ärzte im allgemeinen sind zwar auch nur Menschen, aber ich denke das eine professionelle Distanz zum Patienten existiert. Ärzte kennen die Krankheitsbilder und was alles damit einher geht. Gedanken wie "Ich erzähl lieber nicht alles, sonst geh ich ihm auf die Nerven" verwirf bitte ganz schnell wieder. Je genauer der Arzt weiß wie es dir geht, desto besser kann er dir helfen. Klar gibt es auch den einen oder anderen Patienten, über den man auch nach dem Feierabend noch nachdenkt, dafür sind wir alle Menschen und keine Maschinen. Aber als Psychiater hat man schon so viele Magersüchtige und Borderliner gesehen, dass man bestimmt über aufgeschnittene Arme oder einen BMI von 12 keinen Schlaf verliert ![]() Diese Menschen sind dazu da euch zu helfen und das werden sie auch, wenn ihr sie denn lasst Liebe Grüße und herzlich Willkommen hier im Forum ![]() Michael |
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#3 |
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Schaut öfter mal rein
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@ Michael
Danke für Deine Antwort . Tja - was mach ich denn dann mit Aussagen wie: "Ich hatte den ganzen Samstag Kopfschmerzen wegen Ihnen." oder "Ich weiß nicht, wie ich Ihnen noch helfen sollte." oder "Ich hab zwar keine Tochter, wenn ich aber eine hätte sollte sie so sein wie sie." oder "Empfinden sie soetwas wie einen Orgasmus bei einem Selbstmordversuch?" oder "Wenn nichts mehr hilft, dann fangen sie an zu beten." Das sind nur einige der krassen O-Ton-aussagen von Behandlern. Also ehrlich gesagt macht man sich da schon so seine Gedanken . Wo ist da bitteschön die Distanz? Die Arbeit mit psychisch Kranken hat denke ich schon so seine ganz besonderen Herausforderungen. Viele haben Kindheitstraumas wie Missbrauch, Gewalt, Verlassen werden .... und sind auf der Suche nach Ersatzvätern und -müttern. Da sind Übertragungen an der Tagesordnung. Ich hatte auch mal mehrere Jahre einen Analytiker, der mit mir Fälle anderer Patienten (ohne Namen) diskutiert hat und meine Meinung wissen wollte .... Auch hab ich die Erfahrung gemacht, dass man als vermeintlich hilfloses Harscherl starke Beschützerinstinkte weckt wodurch dann eher kontraproduktive Behandlungen mit Medikamenten oder sogar Psychiatrieaufenthalten als Konsequenz folgten. Ehrlichkeit in der Beziehung zu Behandlern ist sicherlich das A und O, aber ein gebranntes Kind scheut das Feuer. Irgendwie schaffe ich es immer wieder Situationen zu produzieren in denen mein Gegenüber nix richtig machen kann. Grübel, grübel ...Leonie |
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#4 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Gast
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Ich würde es ganz einfach als Provokation sehen, der Behandler will Deine Reaktion sehen, wenn er bestimmte Aussagen trifft, z.B. die oben genannten.
Wir haben im Freundeskreis eine Psychoanalytikerin, klar erzählt die, wenn wir uns abends mit anderen Freunden treffen auch mal von "Fällen", natürlich ohne Namen etc., aber das ist dann auch was ganz anderes. Wir sind befreundet und somit entsteht keine große Diskussionsbasis und unsere Meinung zu solchen Sachen sagen wir zwar, aber sie ist die Analytikerin, sie hört sicherlich nicht auf das, was wir sagen und das soll sie auch nicht.
Wobei sicherlich nicht nur die Hilflosigkeit zu einem stationären Aufenthalt in der Psychiatrie verhilft, Einweisungen in die Kliniken müssen stark auf das Für und Wider beurteilt werden, so einfach kommt man nicht an eine Psychiatrieeinweisung, außer man will nun jetzt aus dem Fenster springen, dann ist es wohl einfacher.
Viele Grüße, Andrea |
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#5 |
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Schaut öfter mal rein
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Hallo Teetante!
Hab mich gefreut über Deine Antwort! - Provokation - ja - teilweise sind´s wirklich rein provokative Aussagen. Es haben sich aber über die Jahre auch immer wieder Beziehungen zu Behandlern ergeben, die über das Arzt-Patientenverhältnis hinausgingen. Z. B. private Einladungen, E-Mail-Kontakte und Diskussionen darüber, wer sich nun in wen verliebt hat. Bei letzterem gab der Therapeut letztendlich zu, dass das Gefühl von ihm ausging. Schwarze Schafe? - Kann ich so net ganz bejahen. Hat mir ja net immer geschadet was sich da so ergeben hat. Von meinem Analytiker hab ich mich dann aber doch getrennt (nach knapp drei Jahren - ich bin eine treue Seele), als er wollte, dass mein Vater sein Haus günstig renoviert. ![]() Sicherlich ist man selbst dafür verantwortlich, wie man sich darstellt. Nur, wie stellt man sich dar, wenn man mit 17 zehn Monate in der geschlossenen Psychiatrie verbringt nach vorangegangengenen 9,5 Monaten Kinder- und Jugendpsychiatrie - es nicht mehr aushält eingesperrt zu sein, als Versuchskaninchen für neuartige Medikamente herhält und jeden Tag eine neue Diagnose an den Kopf geworfen bekommt? (Borderline war vor 15 Jahren noch kein solches Schlagwort wie heute - Es gab auch Aussagen von Ärzten, dass es meine Erkrankung gar nicht gäbe ...) Es begann ein Spiel: Geht´s mir offiziell gut, dann hab ich Ausgang - darf raus - Geht´s mir aber schlecht, so bin ich nur noch eingesperrt. Also wieviel zeige ich? Das ist lange her und trotzdem sitzt dieses Verhaltensmuster so dermaßen tief in mir drin - achja. Der Sinn und Unsinn einer Therapie ist nochmal ein anderes Thema. Natürlich versuche ich weitestgehend ehrlich zu sein. Manchmal weiß ich jedoch selbst nicht mehr was gerade ehrlich wäre. Liebe Grüße Leonie |
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#6 |
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Gast
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Hi Leonie!
Eine Beziehung mit einer Patientin anzufangen, ist dermaßen unprofessionell, daß sich mir die Nackenhaare aufstellen! Wenn man sich darauf dann auch noch einläßt als Patientin (oder auch als Patient), kann man doch die Therapie in den Wind schießen und das Geld auch direkt ins Klo spülen. Verstehe nicht, warum manche Therapeuten so unprofessionell handeln... Liebe Grüße, Andrea |
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