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Arbeitsfähigkeit selbst entscheiden?

In dieser Diskussion geht es um "Arbeitsfähigkeit selbst entscheiden?" im "Psychische Erkrankungen" Forum, als Teil von Patientenfragen.net
Hallo, ich bin einigermaßen verwirrt heute bei meinem Nervenarzt raus. Zur Zeit hab ich ja noch fast ein Jahr meine EU-Rente. Trotzdem beschäftigt mich die ...


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Alt 20.05.2008, 20:13   #1
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Online Status: Leonie ist offline




Standard Arbeitsfähigkeit selbst entscheiden? - Dieser Beitrag ist 196 Tage alt

Hallo,

ich bin einigermaßen verwirrt heute bei meinem Nervenarzt raus. Zur Zeit hab ich ja noch fast ein Jahr meine EU-Rente.
Trotzdem beschäftigt mich die Frage, ob ich wieder arbeiten gehen kann. Ich hab die Option auf eine Wiedereinstellung, wenn die EU-Rente ausläuft.

Eigentlich möchte ich wieder arbeiten gehen, wenn da nicht die Angst wäre im Geschäft zu versagen. Mittelfristig wird bei uns im Betrieb umstrukturiert und es herrscht Ellbogenmentalität um die neuen Jobs. Wenn ich etwas überhaupt nicht aushalten kann, dann ist das Neid und Zwietracht. Mit meinem GdB von 70% hab ich aber kaum Chancen am offenen Arbeitsmarkt, auch wenn meine Zeugnisse noch so gut sind. Ich bin hin- und hergerissen.

Heute fragte ich meinen Nervenarzt, wie er mich einschätzt - sprich ob er glaubt, dass ich es schaffe bis Mai 09 stabil genug zu sein um zu arbeiten. An ambulanter Therapie mach ich ja sehr viel. Ich bekam die Antwort, dass er sich da vollkommen auf meine eigene Einschätzung verlassen wird. Er wird mich - egal, wie meine Entscheidung ausfällt - unterstützen. Ich bin jetzt schon seit 6 Jahren bei ihm in Behandlung. Soll diese Aussage jetzt heißen, dass ich schon das Richtige machen werde? Hört sich vielleicht verrückt an, aber allein diese Aussage verursacht immens Druck in mir.

Wenn ich mich jetzt für weiter Rente beantragen entscheide bin ich faul und ein Sozialschmarotzer vor meinem inneren Auge. Wenn ich mich für´s Arbeiten entscheide und meine Chef´s - die immer zu mir gehalten haben - enttäusche fall ich - so wie ich mich kenne - in die nächste Depression. Warum lässt mich mein Arzt da so vollkommen hängen? Ist es nicht eigentlich seine Aufgabe zu entscheiden, ob man/frau arbeitsfähig ist oder nicht?

Liebe Grüße
Leonie
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Alt 20.05.2008, 22:31   #2
Physiotherapeutin
 
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Standard AW: Arbeitsfähigkeit selbst entscheiden? - Dieser Beitrag ist 196 Tage alt

Hallo Leonie!

Wenn du gern arbeiten möchtest: tu es.

Ich lese aus deinem Beitrag heraus, daß dein Chef und der Arzt ihre Unterstützung zugesagt haben. Sie haben also Verständnis für deine Situation. Da sich auch bald bei euch die Arbeitsverhältnisse ändern werden, bist du von Anfang an dabei und kannst dich besser einarbeiten. Du kannst deinen Chef auch fragen, ob du innerhalb der Firma eine andere Aufgabe übernehmen kannst.

Es wird wohl über eine Wiedereingliederung laufen: du beginnst stundenweise zu arbeiten, die Stundenzahl wird nach und nach aufgestockt. So wird eine Überforderung am Arbeitsplatz vermieden, du hast Zeit dich wieder einzugewöhnen.

Wenn es gar nicht klappt, kannst du irgendwann über eine berufliche Neuorientierung nachdenken. Dein Arzt kennt sicher Ansprechpartner.

Gruß Christiane
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Alt 21.05.2008, 08:56   #3
Teetante
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Standard AW: Arbeitsfähigkeit selbst entscheiden? - Dieser Beitrag ist 195 Tage alt

Hi Leonie,

ich sehe es ähnlich wie Christiane.

Aber bis Mai 09 ist nun auch noch etwas Zeit, um diese Entscheidung zu fällen. Wenn Du Dir so unsicher bist, dann rede doch nochmal außer mit Deinem Neurologen mit Deinem Hausarzt, sofern Du einen hast.

Ich würde nichts überstürzen, es aber auch nicht ewig in die Länge ziehen mit Zweifeln. Wenn es gar nicht geht mit dem Arbeiten, kannst Du immer noch aufhören. Aber probieren würde ich es auf jeden Fall.

Liebe Grüße, Andrea
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Alt 21.05.2008, 14:37   #4
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Standard AW: Arbeitsfähigkeit selbst entscheiden? - Dieser Beitrag ist 195 Tage alt

@Christiane und Andrea,

ja - ich hab noch Zeit, aber es beschäftigt mich täglich. Mein Thrapeut und mein Hausarzt gehen konform mit meinem Neurologen. Sie unterstützen mich - egal für was ich mich entscheide. Ich weiß nicht, ob sie einfach nur Mitleid mit mir aufgrund meiner Lebensgeschichte haben. Vielleicht versuchen sie ja auch mich in die Eigenverantwortung zu schieben.

Es ist ja auch nicht so, dass ich im Moment nichts mache. Meinen Nebenjob als Bedienung übe ich im Rahmen der Hinzuverdienstgrenze aus, wenn es mir gut geht.

Genau da liegt aber auch der Hund begraben. Ich bin alle paar Wochen stationär in der Psychiatrie mit Fixierung und Zwangsmedikation und dem vollen Programm der Geschlossenen. Wie würdet ihr Euch als Kollegen fühlen, wenn da eine aufgrund Ihres GdB´s wieder eingestellt wird und genau abzusehen ist, dass sie immer wieder ausfallen wird? Kann ich mich da wirklich zumuten? Man sieht mir nunmal meine Krankheit - bis auf die Narben und die starken Gewichtsschwankungen - nicht an.

Mein bisheriger Chef hatte letzte Woche seinen Abschied in der Geschäftsstelle und diese wird nächstes Jahr nicht mehr existieren. Somit auch nicht das Team, mit dem ich 15 Jahre lang gearbeitet habe und die mich eben auch in guten Zeiten gekannt haben.

Ich weiß, dass es im Leben keine Garantie gibt - trotzdem hätte ich gerne eine: Nie wieder Psychiatrie!

Nachdenkliche Grüße
Leonie
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Alt 21.05.2008, 18:21   #5
Physiotherapeutin
 
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Diese Person ist in einem medizinischen Beruf tätig

Standard AW: Arbeitsfähigkeit selbst entscheiden? - Dieser Beitrag ist 195 Tage alt

Liebe Leonie!

Ganz ohne Psychiatrie wirst du wohl nie auskommen, so traurig das auch ist.

Daß du hin-und hergerissen bist und nicht weißt, wie du dich verhalten sollst, kann ich sehr gut nachempfinden.
Suche doch einmal das Gespräch mit deinen Kollegen, am besten in einer lockeren, zwanglosen Athmosphäre. Meinetwegen lade sie zum Essen ein oder so. Wenn sich keine Lösung finden läßt, ist es am besten, über eine andere Arbeitsstelle/einen anderen Beruf nachzudenken. Die BfA und das Arbeitsamt werden dich in Absprache mit deinen Ärzten beraten, was für dich infrage kommt.

Gruß Christiane
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Alt 23.05.2008, 12:20   #6
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Standard AW: Arbeitsfähigkeit selbst entscheiden? - Dieser Beitrag ist 193 Tage alt

Liebe Christiane!

Über die Möglichkeiten BfA und Arbeitsamt hab ich mich schon erkundigt bzw. weiß ich von meinem Beruf her ja bescheid. Ich arbeitete 15 Jahre in der Krankenkasse. Mein Hauptaufgabenbereich war u. a. Leuten zu helfen wieder arbeitsfähig zu werden. Daher weiß ich vom bürokratischen Teil her und von den Behandlungsmöglichkeiten sehr viel.

Meine Kollegen laden mich ja regelmäßig ein z. B. zu Betriebsausflügen, Abschieden und Hochzeiten. Da ich mich aber schäme ohne Ende schaffe ich es schon seit über einem Jahr nicht mehr hinzugehen. Eine ehemalige Kollegin ist eine meiner besten Freundinnen und hält mich auf dem laufenden, was auf der Arbeit so läuft.

Das Alles hilft mir aber nicht wirklich weiter. Ich kann mich einfach selber kaum einschätzen. Die Stimmungsschwankungen haben sich seitdem ich keine Medikamente mehr nehme in ein Dauertief gewandelt. Meine Ärzte sehen es als Chance die verdrängten Gefühle und Erinnerungen endlich aufzuarbeiten. Mir macht es Angst. Klar - wenn ich meine guten Momente hab, dann könnte ich Bäume ausreißen vor Tatendrang. Nur sind diese guten Momente zur Zeit mehr als selten.

Ich wünschte mir von meinen Behandlern mehr Zuspruch in Richtung "es wird besser werden". Stattdessen bekam ich neulich gesagt, dass mein Neurologe schon längst aufgegeben hat zu glauben, dass er jeden heilen könnte und sich eben mehr als Begleiter bei mir sieht. Wie soll ich an mich selbst glauben, wenn es sonst keiner tut?

Gruß Leonie
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