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Alt 05.11.2007, 22:49   #7 (Permalink)
Pianoman
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Standard AW: Familienaufstellung? - Dieser Beitrag ist 242 Tage alt

Hallo Lucy,

Sie gehen wegen Ihrer Mutter zum HP, naja.

Sie gehen wegen Ihrer Mutter aber hoffentlich nicht zum Familienaufstellen; vor allem dann nicht, wenn sich der Therapeut auf Bert Hellinger beruft.

Familienaufstellen ist eine Therapie- oder besser Diagnoseform, die von Virginia Satir entwickelt wurde, um vor allem dort Ausdrucksmöglichkeiten zu sozialen Situationen zu schaffen, wo verbale Grenzen von Klienten erreicht werden.

Vor einigen Jahren hat sich durch den selbsternannten Psychotherapeuten und Ex-Missioner Bert Hellinger eine völlig pervertiertes Verfahren entwickelt, was sich vor allem durch die sträfliche Vereinfachung komplexer psychosozialer Prozesse auszeichnet.

Muster: Zwanzigminütige Demütigung in einer "psychotherapeutischen" Massenveranstaltungen namens "Familienaufstellen nach Hellinger", initiiert durch einen erzreaktionären, ehemaligen Missionar mit faschistoidem, frauenfeindlichem Weltbild, und eine anschließende Verbeugung und Entschuldigung vor einem wildfremden Menschen, dem ein "wissendes Feld" sämtliche Informationen über die familiären Verstrickungen liefert; und schon ist alles wieder in Ordnung.

Es muss hier in aller Deutlichkeit gesagt werden: Es handelt sich nicht um dass durch Virginia Satir (et al.) entwickelte "systemische Familienstellen", das als analytischer Bestandteil in einem therapeutischen Gesamtkonzept steht, sondern um die zynischen Veranstaltungen eines Psycho-Gurus und derjenigen Heiler, die sich in ihrer regelmässig unqualifizierten therapeutischen Praxis (meist psychotherapeutische HP) auf ihn berufen.

Abgesehen von der Tatsache, dass Hellinger sein Begriffe von Schuld und Sühne aus einer alttestamentarisch-mosaischen Werteordnung, in denen patriarchale Sippen- und Familienhierarchien noch ungehindert Geltung hatten, bezieht, und mit diesen Wertbegriffen hemmungslos soziale Beziehungen der Gegenwart bewertet, ist vor allem der esoterische Hintergrund ein Problem. Bei Hellinger gibt es Kontaktaufnahmen mit verstorbenen Ahnen oder "wissender Felder", die ihre geistige Verwandtschaft mit dem "morphogenetischen Feld" eines Rupert Sheldrake nicht verleugnen können.
Zudem bedienen die emphatisch vorgetragenen "entgültigen Wahrheiten" das Bedürfnis des Menschen nach einfachen Orientierungsmöglichkeiten und simplen Problemlösungen in einer komplexen Welt.


Vor Familienaufstellungen kann ich nur in aller Deutlichkeit warnen, wenn diese nicht als Diagnosemöglichkeit im Rahmen eines langfristigen therapeutischen Konzepts, sondern als Therapie bzw. zum kurzfristigen Erkenntnisgewinn angeboten werden.


Zudem gibt es keinen Nachweis eines Zusammenhangs zwischen rheumatischen Erkrankungen und möglicherweise gestörter Familienbeziehungen. Das ist völliger Blödsinn.

Tun Sie sich und Ihrer Mutter den Gefallen und verweigern Sie die Teilnahme, Sie können beide nur verlieren. Außerdem ist es nicht Ihre Aufgabe, ein möglicherweise vorhandenes schlechtes Gewissen Ihrer Mutter durch halbseidene Pseudotherapien zu beruhigen.


Pianoman
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