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Alt 25.07.2006, 05:46   #1 (Permalink)
Rosarot
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Standard Doc nimmt einen nicht ernst ... ist uninteressiert usw. - wieso eigentlich?! - Dieser Beitrag ist 777 Tage alt

Guten Mooorgen ins Ründchen ...

Ich bin ja noch nicht so lange im "Patientengeschäft" - war ich doch über 40 Jahre lang ziemlich kerngesund und musste sehr selten zum Doc, hab mich demnach nicht mit der Thematik beschäftigt. Das hat sich ja leider geändert, doppelter Bandscheibenvorfall im Genick und cP = chronische Polyathritis und ich bin voll ins "Krankengeschäft" eingestiegen.

Im Grunde sind meine Erfahrungen mit Docs recht positiv, was u.U. damit zusammenhängen könnte, dass ich ein sehr selbstbewusster Mensch bin, der offen und gerade heraus ist, sich akribisch informiert usw. - was mir bisher keine Nachteile brachte. Doch es gibt auch das Menschenmodell ängstlich, zurückhaltend, wenig motiviert, sich selbst aktiv am eigenen Krankheitsaufklärungsgeschehen zu beteiligen, was sicher für einen Arzt nicht so ganz einfach ist ...

Nun stolpere ich in Foren immer wieder über Merkwürdigkeiten, was das Arzt-Patienten-Verhältnis betrifft. Muss ja schon was dran sein und es ist mir eigentlich nicht richtig klar, wie es dazu kommen kann, dass ein Arzt einen Patienten "abbügelt" bzw. Beschwerden nicht ernst nimmt.

Da ich erst ein halbes Jahr in regelmäßiger ärztlicher Behandlung bin/war (Orthopäde, Radiologe, Rheumadoc, Hausarzt) ist mir bisher zumindest das merkwürdige Verhalten rund um die Ausstellung von Rezepten und die Ausführung von Bluttests aufgefallen:
Beim Hausarzt: Neeiiiiiin, KG (Krankengymnastik), ist in diesem Quartal nicht mehr drin - vielleicht nächstes?
Beim Rheumadoc: Neeiiiiiin, KG (Krankengymnastik), ist in diesem Quartal nicht mehr drin - vielleicht nächstes?
Beim Hausarzt: Bluttest? Der Orthopäde will die Rheumawerte? Nun, dann soll er doch den Test machen - wir können das dieses Quartal nicht mehr ...
Beim Hausarzt: Wöchentliche Bluttests aufgrund der MTX-Einnahme (Basis-Rheumamedikament)? Machen wir höchstens einmal im Monat!

usw.

Das ist auch nicht wirklich, dass auf was ich hinaus will - es ist nur ein Teilchen des Puzzles, dass natürlich auch nicht wirklich "gut kommt", wenn man krank ist und entsprechende Ängste hat. Es geht um solche Sachen, dass man drei Stunden im Wartezimmer verbringt, um dann nach 5,5 Minuten beim Doc wieder vor der Tür zu stehen ... oder man hat Schmerzen/Beschwerden und diese wird weder wahr noch ernst genommen. Ich lese vielfach von Patienten, die beim Hausdoc nicht vernünftig behandelt werden (weil der eben keine Ahnung von z.B. rheumatischen Erkrankungen hat) - sie aber auch nicht zum Rheumadoc überweist ... In meinem Umfeld bekam ich eine Sache mit, bei der ein Orthopäde über drei Jahre lang (!!!) mit Salben und Bestrahlungen und irgendeinem Firlefanz ein malades Knie erfolglos behandelt hat und ein anderer mit nur einer einzigen Spritze sofortige Linderung erreichte ... Krebspatienten werden "fallen" gelassen, wenn klar ist, dass die Chemo nicht angeschlagen hat ... MS-Kranke im Endstadion werden zwischen Pflegeheim und Krankenhaus hin und her geschoben - am besten auf die Straße mit ihnen. Und vieles mehr könnte man berichten.

Inzwischen herrscht eine Mischung aus Inkompetenz, Interesselosigkeit, Egoismus, Geldverbrennung und Sparwahn.

Ich habe Angst chronisch krank zu sein!

Liegt es nicht glasklar auf der Hand, dass dieses komische Gesundheitsreform-Krankenkassen-Ulla-hat-keine-Ahnung-Chaos so langsam das Ziel = "kranken Menschen helfen und heilen" vollkommen verfehlt?

Die Würde des Menschen ist unantastbar - heißt es. Aber, was ist die tagtägliche Realität?

Wie kann es sein, dass Ärzte (bei denen ich eine gewisse Intelligenz einfach mal voraussetze) diesen ganzen Zirkus mitmachen und sich tatsächlich vorschreiben lassen, dass nötige Behandlungen und Medikationen einfach "nicht mehr drin" sind. Sich vorschreiben lassen, dass mehr als ein paar Minuten Zeit für den einzelnen nicht mehr tragbar bzw. lohnend sind?

Dies muss doch für die Arbeit eines Menschen - in dem Fall für die Docs - unglaublich frustierend sein. Wie soll ich vernünftig meine Arbeit schaffen (= Patient helfen und heilen) wenn ich an allen Ecken und Kanten reglementiert werde? Wenn mir die Lust vergeht, mich weiterzubilden bzw. mich wirklich zu engagieren?

Ich kapiere das nicht ... wirklich. Wie konnte es dazu kommen? Und was kann man tun, dass dieser ganze Apparat nochmal vernünftig funktioniert?!

Ihr Docs - wollt ihr nicht wirklich mal was tun? Wollt ihr euer Leben lang von Kollegen wissen, die das System ausbeuten und die dicken Autos und Villen im sonnigen Süden besitzen, während ihr mit euren mickrigen Praxen vor euch hin "wurschteld" oder in Krankenhäusern schlecht entlohnte 12-und-mehr-Stunden-Schichten schiebt?

Habt ihr euren Job gewählt, um zu helfen, um zu heilen?
Wenn ja, dann tut was!
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