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Doc nimmt einen nicht ernst ... ist uninteressiert usw. - wieso eigentlich?!

In dieser Diskussion geht es um "Doc nimmt einen nicht ernst ... ist uninteressiert usw. - wieso eigentlich?!" im "Schulmedizin" Forum, als Teil von Patientenfragen.net
Guten Mooorgen ins Ründchen ... Ich bin ja noch nicht so lange im "Patientengeschäft" - war ich doch über 40 Jahre lang ziemlich kerngesund und ...


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Alt 25.07.2006, 06:46   #1
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Standard Doc nimmt einen nicht ernst ... ist uninteressiert usw. - wieso eigentlich?! - Dieser Beitrag ist 853 Tage alt

Guten Mooorgen ins Ründchen ...

Ich bin ja noch nicht so lange im "Patientengeschäft" - war ich doch über 40 Jahre lang ziemlich kerngesund und musste sehr selten zum Doc, hab mich demnach nicht mit der Thematik beschäftigt. Das hat sich ja leider geändert, doppelter Bandscheibenvorfall im Genick und cP = chronische Polyathritis und ich bin voll ins "Krankengeschäft" eingestiegen.

Im Grunde sind meine Erfahrungen mit Docs recht positiv, was u.U. damit zusammenhängen könnte, dass ich ein sehr selbstbewusster Mensch bin, der offen und gerade heraus ist, sich akribisch informiert usw. - was mir bisher keine Nachteile brachte. Doch es gibt auch das Menschenmodell ängstlich, zurückhaltend, wenig motiviert, sich selbst aktiv am eigenen Krankheitsaufklärungsgeschehen zu beteiligen, was sicher für einen Arzt nicht so ganz einfach ist ...

Nun stolpere ich in Foren immer wieder über Merkwürdigkeiten, was das Arzt-Patienten-Verhältnis betrifft. Muss ja schon was dran sein und es ist mir eigentlich nicht richtig klar, wie es dazu kommen kann, dass ein Arzt einen Patienten "abbügelt" bzw. Beschwerden nicht ernst nimmt.

Da ich erst ein halbes Jahr in regelmäßiger ärztlicher Behandlung bin/war (Orthopäde, Radiologe, Rheumadoc, Hausarzt) ist mir bisher zumindest das merkwürdige Verhalten rund um die Ausstellung von Rezepten und die Ausführung von Bluttests aufgefallen:
Beim Hausarzt: Neeiiiiiin, KG (Krankengymnastik), ist in diesem Quartal nicht mehr drin - vielleicht nächstes?
Beim Rheumadoc: Neeiiiiiin, KG (Krankengymnastik), ist in diesem Quartal nicht mehr drin - vielleicht nächstes?
Beim Hausarzt: Bluttest? Der Orthopäde will die Rheumawerte? Nun, dann soll er doch den Test machen - wir können das dieses Quartal nicht mehr ...
Beim Hausarzt: Wöchentliche Bluttests aufgrund der MTX-Einnahme (Basis-Rheumamedikament)? Machen wir höchstens einmal im Monat!

usw.

Das ist auch nicht wirklich, dass auf was ich hinaus will - es ist nur ein Teilchen des Puzzles, dass natürlich auch nicht wirklich "gut kommt", wenn man krank ist und entsprechende Ängste hat. Es geht um solche Sachen, dass man drei Stunden im Wartezimmer verbringt, um dann nach 5,5 Minuten beim Doc wieder vor der Tür zu stehen ... oder man hat Schmerzen/Beschwerden und diese wird weder wahr noch ernst genommen. Ich lese vielfach von Patienten, die beim Hausdoc nicht vernünftig behandelt werden (weil der eben keine Ahnung von z.B. rheumatischen Erkrankungen hat) - sie aber auch nicht zum Rheumadoc überweist ... In meinem Umfeld bekam ich eine Sache mit, bei der ein Orthopäde über drei Jahre lang (!!!) mit Salben und Bestrahlungen und irgendeinem Firlefanz ein malades Knie erfolglos behandelt hat und ein anderer mit nur einer einzigen Spritze sofortige Linderung erreichte ... Krebspatienten werden "fallen" gelassen, wenn klar ist, dass die Chemo nicht angeschlagen hat ... MS-Kranke im Endstadion werden zwischen Pflegeheim und Krankenhaus hin und her geschoben - am besten auf die Straße mit ihnen. Und vieles mehr könnte man berichten.

Inzwischen herrscht eine Mischung aus Inkompetenz, Interesselosigkeit, Egoismus, Geldverbrennung und Sparwahn.

Ich habe Angst chronisch krank zu sein!

Liegt es nicht glasklar auf der Hand, dass dieses komische Gesundheitsreform-Krankenkassen-Ulla-hat-keine-Ahnung-Chaos so langsam das Ziel = "kranken Menschen helfen und heilen" vollkommen verfehlt?

Die Würde des Menschen ist unantastbar - heißt es. Aber, was ist die tagtägliche Realität?

Wie kann es sein, dass Ärzte (bei denen ich eine gewisse Intelligenz einfach mal voraussetze) diesen ganzen Zirkus mitmachen und sich tatsächlich vorschreiben lassen, dass nötige Behandlungen und Medikationen einfach "nicht mehr drin" sind. Sich vorschreiben lassen, dass mehr als ein paar Minuten Zeit für den einzelnen nicht mehr tragbar bzw. lohnend sind?

Dies muss doch für die Arbeit eines Menschen - in dem Fall für die Docs - unglaublich frustierend sein. Wie soll ich vernünftig meine Arbeit schaffen (= Patient helfen und heilen) wenn ich an allen Ecken und Kanten reglementiert werde? Wenn mir die Lust vergeht, mich weiterzubilden bzw. mich wirklich zu engagieren?

Ich kapiere das nicht ... wirklich. Wie konnte es dazu kommen? Und was kann man tun, dass dieser ganze Apparat nochmal vernünftig funktioniert?!

Ihr Docs - wollt ihr nicht wirklich mal was tun? Wollt ihr euer Leben lang von Kollegen wissen, die das System ausbeuten und die dicken Autos und Villen im sonnigen Süden besitzen, während ihr mit euren mickrigen Praxen vor euch hin "wurschteld" oder in Krankenhäusern schlecht entlohnte 12-und-mehr-Stunden-Schichten schiebt?

Habt ihr euren Job gewählt, um zu helfen, um zu heilen?
Wenn ja, dann tut was!
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Alt 25.07.2006, 07:01   #2
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Hallo Rosarot.

Was stellst du dir denn vor, was Ärzte tun könnten?
Auch wenn es laut Gesetz nicht sein darf, so ist eine Ärztliche Praxis doch ein Wirtschaftsbetrieb.

Was du schreibst ist schon sehr krass, aber wenn das Budget zu ende ist, hat der Arzt die Möglichkeit zu sagen "nächsten Monat" oder er zahlt das Medikament aus eigener Tasche.

Ich denke viele/deutsche Ärzte sind da auch etwas hilflos.
Die würden gerne anders, aber finanziell ist das mit dem jetzigen System nicht zu machen.
Hatte das schon in einem anderen Beitrag geposted, aber hier noch mal weil es so gut passt:

Ich habe selber nicht so den Einblick, was das finanzielle eines niedergelassenen Arztes angeht, aber grob gesagt bekommt ein Niedergelassener:

pro Patient der ihn Besucht, pro Quartal ca 25€
Dabei ist es völlig egal, ob der Patient 1x oder 100x kommt, egal ob er 5Min mit ihm redet oder 1Std.
Dann bekommt der Arzt für spezielle Untersuchungen (Labor, EKG, Ultraschall, etc) eine bestimmte Anzahl an Punkten. Also z.B. 1x Ultraschall = 5Pkt.(FIKTIV!!!)
Je nach größe seiner Patientenkartei und seines Wohnortes, darf er bestimmte Untersuchungen soundso oft machen (z.B. bei 5000 Patienten in der Kartei 250 Ultraschall Untersuchungen im Quartal [FIKTIVE Zahlen!! Nur als Beispiel!! Hab null Ahnung wieviele!]).
Wenn er die "aufgebraucht" hat, ist jeder weitere Ultraschall umsonst bzw. er bezahlt den aus seiner eigenen Tasche.
Deswegen gehen auch so viele Ärzte am Ende des Quartals immer in Urlaub, da sie kein Geld mehr bekommen, egal ob sie die Praxis auf machen oder zu lassen. Problem/Zwiespalt dabei ist, dass ein Arzt der oft nicht da ist, Patienten verliert.
Am Ende des Monats hat der Arzt dann also eine gewisse Punktzahl angesammelt/erarbeitet.
Nach 3 Monaten erfährt der Arzt dann, wieviel Geld ein Punkt wert ist und damit, wieviel er für seine Arbeit von vor 3 Monaten bekommt, und er bekommt das Geld überwiesen.

Also verdient ein Arzt mehr, der 5Min./Patient braucht als ein Arzt, der sich für die Patienten eine halbe Stunde zeit nimmt.
Patienten, die einmal pro Quartal kommen, sind für einen niedergelassenen Arzt "rentabler", als Patienten die 3-10mal Pro Quartal kommen.

Niedergelassene Ärzte werden in den nächsten 10 Jahren so gut wie aussterben. Es wird immer mehr Ärztehäuser geben, wo mehrere Fachärzte sich zusammen tuen, oder Ärzte direkt an das Krankenhaus mit Belegbetten angebunden sind.

Die Hausarztpraxis wie sie heute noch existiert, ist finanziell beim jetzigen Gesundheitssystem anscheinend nicht mehr tragbar (reihenweise Ärzte schließen aus finanziellen Gründen ihre Praxen)

Traurig, aber so funktioniert unser Gesundheitssystem.

Ich habe nicht wirklich einen tiefen Einblick in das System, und die Angaben sind ohne Gewähr.
Aber so in etwa läuft es ab.
Falls diesen Beitrag ein niedergelassener Arzt lesen sollte, würde ich mich freuen, wenn er dies ein bischen genauer erklären könnte

Gruß

Michael
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Alt 25.07.2006, 07:11   #3
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> Was stellst du dir denn vor, was Ärzte tun könnten?
Woher soll ich das wissen? Ich blicke nicht ins System hinein ...

> Auch wenn es laut Gesetz nicht sein darf, so ist eine Ärztliche Praxis doch ein Wirtschaftsbetrieb.
Gut, wenn man es so betrachtet, dann möchte ich als Patient behandelt werden wie ein Kunde. Und so kommen sich die meisten leider nicht (mehr) vor ... eher wie Bittsteller ...

Ich denke, den Beruf Arzt zu wählen, muss eine Berufung sein ... Es liegt doch ein Zauber und eine tiefe Befriedigung darin, Menschen zu helfen und zu heilen. Ihr Docs lässt euren Job zu einem unmenschlichen Geschäftsverhältnis verrotten ...

Das ist nicht gut - für alle Beteiligten.
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Alt 25.07.2006, 07:16   #4
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Naja aber nur von Befriedigung kann auch ein Arzt nicht leben

Aber du hast schon Recht, das Gesundheitssystem, so wie es jetzt ist, ist nicht gut.
Weder für Ärzte noch für Patienten.

Die Ärzte stehen nicht umsonst auf der Strasse und Streiken, mit einer Akzeptanz in der Ärztegemeinschaft von 98%
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Alt 25.07.2006, 07:46   #5
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ich hatte bisher immer das glück auf ärzte zu stoßen, die sich zeit nahmen egal welcher das war oder ist. (hausarzt, zahnarzt, neurologe, ohrenarzt usw) dementsprechend sind die wartezeiten zwar nervig, aber daran sieht man einfach ob sich der arzt zeit nimmt, oder nict.

ich bin ein chronisch kranker und bin echt froh nur einmal im quartal "mich blicken lassen zu müssen".

und ich muß sagen, ich bin mir nie wie ein "5 min - patient" vorgekommen, meine anliegen (nach stichpunktliste) sind immer komplett erledigt worden; egal wie lange es gedauert hat
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Alt 25.07.2006, 07:52   #6
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Ich denke auch, das sich das gut die Waage hällt.

Wie in vielen Dingen gibt es gute und schlechte Ärzte.
Ich hab bis jetzt auch nur gute Erfahrungen gemacht.

Mein Hausarzt ist auch jemand, der sich viel Zeit nimmt, allerdings hat er seine Praxis jetzt aufgegeben, da es sich finanziell nicht mehr lohnt.

Muss mich also auf die Suche nach einem neuen guten Hausarzt machen.

Leider
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Alt 25.07.2006, 09:25   #7
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Guten Morgen!

..ich schon wieder....muss mich mal zu Wort melden. Also da ich ja von "Beruf" leider mich schon fast als Dipl. Patient bezeichnen kann, habe ich in all den Jahren meiner verschiedensten Erkrankungen eines gelernt:

1. Man darf sich nicht nur auf den Arzt verlassen, sondern sollte mit ihm zusammenarbeiten!

Ein Beispiel aus meinem Leben:
Mein damaliger Hausarzt vertröstete mich auch immer und sein Standardsatz war "Das kriegen wir schon wieder hin"! Aber wir bekamen es nicht hin. Erst als ich mich selbst um Informationen kümmerte und sie meinem HA mitteilte, war er ganz offen für meine Belange und Vorschläge bzw. Wünsche. Es waren Sachen, die in seiner Praxis als Allgemeinmediziner nicht täglich vorkommen.

2. Sich selbst um Informationen von verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten kümmern und mit dem HA absprechen.

3. Wenn kein Erfolg dann sich nach einem anderen HA bzw. geeigneten Facharzt umschauen.

Es kann manchmal sehr lange dauern, bis man den Arzt für sich gefunden hat, der mit einem durch Dick und Dünn geht und nicht nur stur gerade aus schaut. Mein HA weiß ganz genau wo seine Grenzen liegen und alles wo es ihm zu gefährlich wird, oder es seine Kompetenzen überschreitet, wird zum Spezialisten (Facharzt) überwiesen.

Ich hoffe, ich bin jetzt damit niemanden auf den Fuß getreten! Aber ohne Mitarbeit des Patienten kann ein Arzt nicht erfolgreich tätig werden.

LG Dia

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Alt 25.07.2006, 09:29   #8
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Standard Doc nimmt einen nicht ernst ... ist uninteressiert usw. - wieso eigentlich?! - Dieser Beitrag ist 853 Tage alt

Guten morgen allerseits!
Ich möchte zu diesem Thema mal ein paar Gedanken loswerden:

>Es geht um solche Sachen, dass man drei Stunden im Wartezimmer verbringt, um dann nach 5,5 Minuten beim Doc wieder vor der Tür zu stehen ... <

Stellt euch doch mal vor, wie es "auf der anderen Seite" aussieht:
Der Tag ist gut geplant, alle 15 Minuten ist ein Patient bestellt, alles läuft prima. Dann, sagen wir um zehn, kommt plötzlich ein Notfall in die Hausarztpraxis: sagen wir mal, eine Mutter bringt Ihr Kind, das seit 30 Minuten starkes Nasenbluten hat. Weg schicken und Termin geben? Wohl kaum...
Also muss der Rest sich eben gedulden. Man kann sich vorstellen, dass sowas nicht selten ist aber auch nicht einplanbar ist. So kommt eines zum anderen und weil heute eben ein verrückter Tag ist, ist der Arzt irgendwann drei Stunden in Verzug. Shit happens.
Was soll er tun?
a) Oh man, die warten jetzt schon so lange, da muss ich mir jetzt aber mindestens eine Stunde für jeden Zeit nehmen.
Resultat: die nächsten Patienten warten noch länger, er wird an diesem (und den meisten anderen Tagen) nie nach Hause kommen.
b) Ah, gut, ich kenne die Patientin, ich höre mir kurz an, warum sie hier ist und versuche Zeit aufzuholen.

>Es liegt doch ein Zauber und eine tiefe Befriedigung darin, Menschen zu helfen und zu heilen.<

Naja, idealerweise schon. Aber wenn ich nach 18 Stunden Dienst mitten in der Nacht von einer Alkoholleiche angekotzt werde, dann liegt darin kein Zauber.


Ich habe mich trotz allem für diesen Beruf entschieden. Wie jeder andere hat er gutes und schlechtes. Ich werde mir nicht immer die Zeit nehmen können, die ich für einen Patienten gerne hätte. Ich werde beschissene Arbeitszeiten haben. Ich werde mich mit Menschen rumärgern, die nicht bereit sind, für ihre Gesundheit etwas zu tun, aber von mir Wunder verlangen. Die mich verklagen wollen.
Aber ich hoffe, dass der Zauber ab und zu hervortritt und mich dann für so einiges entschädigt.

Und ich appelliere an euch, eines nicht zu vergessen: Ärzte sind auch nur Menschen.
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Alt 25.07.2006, 09:43   #9
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Darum möchte ich mit Kindern arbeiten!

Mit Kindern erlebt man diesen Zauber eigentlich so gut wie täglich.
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Alt 25.07.2006, 09:50   #10
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Zitat: von stewie
Aber wenn ich nach 18 Stunden Dienst mitten in der Nacht von einer Alkoholleiche angekotzt werde, dann liegt darin kein Zauber.
Ich habe mich trotz allem für diesen Beruf entschieden. Wie jeder andere hat er gutes und schlechtes. Ich werde mir nicht immer die Zeit nehmen können, die ich für einen Patienten gerne hätte. Ich werde beschissene Arbeitszeiten haben. Ich werde mich mit Menschen rumärgern, die nicht bereit sind, für ihre Gesundheit etwas zu tun, aber von mir Wunder verlangen. Die mich verklagen wollen.
Aber ich hoffe, dass der Zauber ab und zu hervortritt und mich dann für so einiges entschädigt. Und ich appelliere an euch, eines nicht zu vergessen: Ärzte sind auch nur Menschen.
Hallo Stewie,

ich wollte die Ärzte doch nicht angreifen - sondern das "System"!

Und - auch wenn es zwei Seiten gibt: Wir Patienten haben doch nur das eine Leben ... Und wenn zum Beispiel der eine Doc (Facharzt Rheumatologie) mir sagt "die ersten 3 Monate wöchentlich ein Bluttest, wenn Sie dieses Medikament nehmen!" (und schreibt genau dies auch seinem Kollegen = mein Hausdoc) und mein Hausdoc sagt: "Blödsinn - viel zu teuer: einmal im Monat genügt und so toll wie Ihre Werte sind, genügt sogar alle drei Monate ..."

Sorry - ist es seine Leber oder meine? Was würde er wohl tun, wenn es um ihn ginge? Liest er keinen Beipack? Ist es ihm egal? Warum klärt er mich nicht so auf, dass ich ihm glaube?

Und: Warum muss JETZT an mir gespart werden, die ich als Selbstständige freiwillig in einer gesetzlichen Krankenkasse seit knapp 15 Jahren stets die Höchstbeiträge löhne? Und seit ich 15 bin arbeite und einzahle und vielleicht 10 Tage in meinem Leben Krankenschein hatte?

Es ist nicht richtig was da passiert. Ich komme ja noch gut klar - aber, was ist mit denen die schlimm krank sind. Mit ihrer Psyche. Mit ihrer Angst?

Ihr Ärzte habt Verantwortung - nicht "nur" einen Job! Ihr müsst kämpfen, dass Ihr eure Arbeit richtig machen könnt - zum Wohle von Patienten! Nicht zum Wohle von irgendwelchen Firmen oder Vorstandsetagen oder Verwaltungsapparaten ...

*schwitz"

Nix für ungut!
Rosarot
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Alt 25.07.2006, 09:58   #11
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Tun wir ja.

Überall sind die Ärzte auf der Strasse!

UNTERSTÜTZUNG!
Wenn alle Patienten sich mit auf die Strasse stellen und mit demonstrieren würden, oh was glaubt ihr was da ein Ruck durch die BRD gehen würde.

Aber von den Medien wird der Steik teilweise nur auf den finanziellen Aspekt der Forderungen reduziert, was eigentlich schade ist.

Das erzeugt ein falsches Bild in der Bevölkerung.

Viele Denken, brauchen die Ärzte wirklich mehr Geld? Reicht ihnen ein Porsche nicht?
Wie es wirklich aussieht, wissen die wenigsten.
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Alt 25.07.2006, 10:17   #12
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...das ist ja leider das Schlimme an der ganzen Sache! Die meißten sehen nur das Geld!!! Das die Ärzte aber tagelang Dienst schieben und das sie für 3 arbeiten und dass viele Kliniken fusionieren und ihr Personal abbauen, das sehen nur die Wenigsten!

Wenn ich sehe, dass auf einer internistischen Station für fast 60 Patienten 2 Schwestern genügen müssen, da sträuben sich mir die Haare zu Berge!! Und dann haben sie es noch mit Patienten zu tun, die alle paar Minuten klingeln wegen jedem Sch***!

Anstatt Einzustellen, wird das Personal immer mehr reduziert!!! Wie soll denn dann bitte schön noch die medizinische Versorgung aufrecht erhalten werden!!!! DAdurch kommt der Arzt in Zeitdruck und hat eben keine Zeit mehr zur Verfügung, sich intensiv um seine Patienten zu kümmern!

Ich kann die Ärzte total verstehen!! Und wie StarBuG schon sagte, müssten wir, als Patienten die Ärzte unterstützen und mit ihnen auf die Straße gehen, dann würde es einschlagen wie eine Bombe!!!


LG Dia
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Alt 25.07.2006, 10:25   #13
Rettungsa., Physio, ST
 
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Ja 2 Schwestern für 60 Patienten...

Eine große Klinik AG deren Name ich nicht nennen möchte hat mal schnell 40 Pflegekräfte entlassen...
In einem 450Betten Haus, das sowieso schon völlig unterbesetzt ist. Oder sind 3 Pflegekräft in der Frühschicht auf einer internistischen Station auf der 75% pflegefälle liegen in Ordnung....

Das gesundheitssystem kann nur besser werden...


Lg Küken
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Alt 25.07.2006, 11:00   #14
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naja ich bin ja kein Doc.... ich arbeite nur im RD (Rettungsdienst als Rettungsassistent).... was ich da aber mitbekomme reicht alle mal um die Ärzte (zum sehr großen Teil) in Schutz zunehmen.
Was für ein Zauber es doch ist morgens um 5 Uhr vom RD geweckt zuwerden da schon wieder eine Alkoholleiche gebracht wird die erstmal dem Doc vor die Füße äh.... würgt.
Oder was für ein Zauber morgens gegen 3 Uhr aufzustehen, nach wie immer ein paar Minuten "Schlaf", um einen schmerzhaften eingewachsenen Zehennagel zu begutachten- dieser ist sicherlich sehr plötzlich aufgetreten, ohne Vorwarnung....
Ist bei uns im RD auch nicht anders, ganz ehrlich, welch ein Zauber immer in der Luft liegt wenn wir wegen Betrunkenen oder Zugedröhnten Nachts raus dürfen. Oder wegen einem Hustenanfall, oder weil (wirklich geschehen) eine ältere Frau ihren Mann nicht wecken wollte, zum Blutzucker messen (!!!!!). Es gibt Beispiele genug die einem so gut wie keiner glaubt, ausser er/sie kommt selber aus der Sparte.
Keine Frage ich liebe meinen Beruf und die Ärzte mit denen ich zu tun habe zumindestens zu 90%. Aber die Zauberblase platzt einfach irgendwann. Manchmal habe ich den Eindruck das der eine oder andere Patient einfach bis abends/nachts wartet und dann den RD ruft oder ins Krankenhaus geht weil er dann keinen Tag frei nehmen muss - kann auch sein ich täusche mich-
Ein Beispiel ich war etliche Jahre Rettungs- und Feuerwehrleitstellendisponent. Wir haben bei uns im Landkreis einen ärztlichen Notdienst am Wochenende - hier Zahnarzt - da unser Landkreis nur "wenige" Zahnärzte hat, machen die reihum Notdienst mal hier mal da. Dann rufen Leute an und fragen: Wer hat zahnärztlichen Notdienst in A, meine Antwort tut mir Leid wir haben nur einen in F (40 km entfernt). Antwort: Ja das kann doch garnicht sein, gibt es keinen hier im Ort?.... Nein, soll ich Ihnen die Telefonnummer geben.... Nein, dann geh ich halt nächstes Wochenende!!!... Hä?!?!

Das unsere Ärzte in ihrem Handeln (finanziell) beschränkt wurden, finde ich persönlich auch nicht akzepabel, ist aber im Moment so und wir müssen damit leben. Dies trifft sicherlich besonders chronisch Kranke.
Wenn nun aber Ärzte auf die Staße gehen um mehr Geld zubekommen oder einfach auch mal ein paar Stunden weniger arbeiten zumüssen, für einen Beruf bei dem VERANTWORTUNG für den Patienten das A und O ist, werden diese auch noch von allen Seiten angegriffen und für Geld gierige Säcke hingestellt - mir unverständlich.
Jeder Handwerker macht seine Preise mehr oder weniger selber, immer an den jeweiligen Markt gebunden versteht sich.

Ich meine unser Gesundheitssystem muß Grundlegend geändert werden, es darf nicht immer nur Flickschusterei betrieben werden. Wie das geschehen soll?? Ich habe keine Ahnung, ich bin aber überzeugt, lange geht das nicht mehr gut.

grüßle Patientenschubser



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Alt 25.07.2006, 11:06   #15
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Es gibt ein Schild, dass ich auf Ärztedemos immer wieder sehe (eigentlich 2), die ich unheimlich gut und treffend finde:

"Schlüsselnotdienst: 120€/Std. - Ärztlicher Notdienst: 5,20€/Std."

und

"Mein Papa wohnt im Krankenhaus, wo wohnt deiner?"
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