Re: Magersucht und Bulemie - Dieser Beitrag ist 850 Tage alt
Hallo Suzanne!
Ein charakteristischer Unterschied zwischen Bullemie und Magersucht ist auch,dass sich bei Magersüchtigen der körper irgendwann an das wenige Essen gewöhnt und der typische Mungeruch wegen fehlender Nahrung nachlässt, bei Bullemikern ist oft starker Mundergeruch vorhanden, wegen den regelmäßigen Brechattacken.
Ich hatte zwischen meinem 13. und 15. Lebensjahr auch Magersucht (Anorexia nervosa), habe es wohl gerade noch, bevor meine Eltern mich endgültig in eine Klinik stecken wollten geschafft, von der ganzen Sache abzuspringen. Aber auch nach dem "Absprung" hat es sehr lange gedauert, bis ich wiederein akzeptables Verhalten zu meinem Körper und der Nahrungsaufnahme in selbigen hatte. 100%ig kann man so etwas nie überwinden, davon bin ich fest überzeugt!
Wenn man Magersucht hat, versucht man sich auch sehr von der Außenwelt abzuschotten! Jede potenzielle Essenseinladung könnte wieder ein tausendstel Gramm mehr auf der Wage anzeigen, jede Urlaubeinladung kann dazu führen, dass man sich im Bikini zeigen muss, nicht 5 mal am Tag auf die Waage stehen kann und nicht 3 mal täglich Waden-, Bauch-, Brust- und Hüftumfang mit dem Maßband auf Erfolge oder Niederlagen zu kontrollieren.
Darum kommen selbst sehr gute Freunde meist verdammt schwer an Magersüchtige ran, sie bieten die potenzielle Gefahr, einen zum Essen o.ä. zu animieren. Außerdem mag glaubt man denen sowieso nicht, wenn die sagen, man hat ein Problem. Auch wenn die Freundin Hosengröße 40 hat und man selbst 32, man denkt trotzdem: ach, hätte ich doch auch so schlanke Beine wie sie, die komplette Wahrnehmung ist getrübt.
Wenn du also an eine Magersüchtige herankommen willst (bzw. dein Schulfreund), um mit ihr zu reden, gibt es darum zwei Varianten,. die ich sagen kann, mit denen man damals an mich rankam, bzw. mit denen ich es auch später bei anderen Magersüchtigen eschafft habe, an sie heranzukommen, auch wenn ich sie nur flüchtig kannte:
1.) Sie in ein Gespräch über EIGENE Gewichtsprobleme verwickeln, ihr vorheulen, man würde sich viel zu dick fühlen... damit kannst du guten Erfolg haben, dass sie irgendwann sagt: Ich habe das gleiche Problem. Und dann bist du an ihr dran.
2.) Sie an ihrem wunden Punkt treffen, also an der Gefühlswelt. Warum nimmt sie ständig ab und hungert? Weil sie sich zu dick fühlt! Also ihr immer wieder fast boshaft mitteilen, wie hässlich sie aussieht als Gerippe, bis ihr selbstbewusssein mit der neuen Figur so im Boden ist, dass sie sich nurnoch wünscht, zuzunehmen (so hat es damals eine gute Freundin mit mir lange gemacht, was letztendlcih die Wende brachte)
Ich hoffe, ich konnte damit etwas helfen, die Welt der Magersüchtigen zu versehen und den Eingang in diese...
Liebe Grüße Julia
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