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Alt 10.05.2006, 16:12   #5 (Permalink)
StarBuG
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Diese Person ist in einem medizinischen Beruf tätig

Standard Re: Magersucht und Bulemie - Dieser Beitrag ist 850 Tage alt

Ich selber habe eine Komilitonin in meinem Semester, die auch schwerst Magersüchtig ist (und die Freundin meines Bruders).

Das ganze Problem liegt, wie schon oben mehrfach gesagt, in der Psyche und der falschen Selbstwahrnehmung.
In meinem Psychosomatik Kurs hat uns der Psychologe gesagt, dass man nur sehr schwer bis gar nicht an diese Menschen ran kommt. Erst wenn die Selbsteinsicht kommt, das mit einem was nicht stimmt, kann die Person einer Therapie zugeführt werden.
Das "von aussen einreden" ist meist sogar kontraproduktiv.
Personen mit Magersucht, die keinerlei Krankheitseinsicht haben, müssen meist erst völlig zusammenbrechen (was oft auch zum Tode führt!), bevor ihnen wirklich geholfen werden kann. Kurzfristige Therapien helfen da garnichts. Eine lange Psychologische Betreuung, meist über mehrere Jahre, mehrwöchige Kuraufenthalte, um einen normalen Umgang mit dem Essen wieder zu erlernen sind wichtig.
Die meisten (ich bin kein Psychologe und nicht 100%ig sicher, ob ich mich noch richtig erinnere) leiden unter Minderwertigkeitsgefühlen, fehlendem Selbstbewußtsein, und für sie ist der eigene Körper das einzige, was sie noch wirklich vollständig kontrollieren können.
Wie schon Leonessa sagt, führt das Abnehmen zu einem Erfolgsgefühl und ein Gefühl von "Kontrolle". Das zunehmen wird als Niederlage empfunden und als Kontrollverlust.
Die Selbstwarnehmung ist dabei empfindlich gestört.
Dies zeigt sich in Therapiesitzungen, wo Magersüchtige ihren Körperumriss an die Wand malen sollen. Stellen diese sich dann in diesen von ihnen gezeichneten umriss, differiert der meist um mehr als 10cm pro Seite!

Um dir jetzt konkret einen Ansatzpunkt zu geben...
Je nachdem wie wichtig dir diese Person ist, und wie sehr du dich in diese (anstrengende) "Beziehung" einbringen willst, würde ich vorschlagen, dass du einfach als Gesprächspartner bereit stehst. Rede mit ihr über alltägliche Probleme ohne direkt auf ihre Magersucht einzugehen. Versuche in Gesprächen heraus zu bekommen, ob eine gewisse Krankheitseinsicht vorhanden ist. Erst wenn diese vorhanden ist, ist eine Therapie erfolgsversprechend. Das wichtigste aber ist bei jeglicher Therapie, den zentralen Fokus dieser Person wegzulenken vom "Essen" (anders als man es eigentlich vermutet).
Bei Personen mit Magersucht, auch wenn diese nichts essen, dreht sich alles nur um das eine, nämlich um das Essen und wie sie es vermeiden können.
Wichtig für dich persönlich aber ist auch, dass so eine "Beziehung" zu einer solchen Person (oder auch mit anderen psychischen Störungen) sehr Kräftezehrend sein kann.
Ich spreche da aus eigener Erfahrung. Wenn es zu dem Punkt kommt, wo du einfach nicht mehr damit umgehen kannst, lass dich nicht von Schuldgefühlen plagen, sondern zieh einen Schlussstrich. Das ist GANZ WICHTIG für dich und dein Wohlbefinden!

Da du selber mal betroffen warst Julia, was denkst du über meine Ausführungen?
Ich selber bin da leider kein Fachmann und hoffe ich hab jetzt nix falsches geschrieben

Gruß

Michael
Michael
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