Passwort vergessen?

Benutzernamen vergessen?


Seite 1 von 3 123 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 25

Thema: Was Patienten schon immer wissen wollten - Fragen Sie

Hier klicken um die Schrift der Beiträge zu vergrößern Hier klicken um die Schrift der Beiträge zu verkleinern

In dieser Diskussion geht es um "Was Patienten schon immer wissen wollten - Fragen Sie" im "Schulmedizin" Forum, als Teil von Patientenfragen.net
...

  1. #1
    Arzt (Chirurgie)
    Geschlecht
    maennlich
    Mitglied seit
    27.01.2013
    Beiträge
    1.423
    Diese Person ist in einem medizinischen Beruf tätig

    Standard Was Patienten schon immer wissen wollten - Fragen Sie

    Liebe Forengemeinde,

    in den vergangenen Monaten und Jahren habe ich hier in diesem Forum immer wieder gelesen, dass Patienten mit dem Umgang in der Praxis nicht zufrieden sind. Gerne bezeichnen sich auch viele Patienten, die gesetzlich versichert sind, als Patienten 2. Klasse.

    Gerne möchte ich an dieser Stelle die Möglichkeit nutzen, Ihnen Rede und Antwort zu stehen. Für alle aufkommenden Fragen die Ihnen auf den Lippen brennen. Völlig egal, ob es sich dabei um Fragen zur Abrechnung von Patienten (GKV vs. PKV) handelt oder das Terminsystem betreffend. Sie haben mich in diesem Forum als offen kennengelernt und von dieser Offenheit sollen auch Sie profitieren. Keine Geheimnisse und kein Schutz eigener Interessen - oder der Kollegen.

    Eine einzige Bitte habe ich jedoch:

    Formulieren Sie Ihre Frage zielgerichtet und direkt. Je weniger um den heißen Brei geredet wird, desto besser. Sie wollen wissen, wo Sie dran sind, so möchte ich das auch bei Ihnen - gleiches Recht für Alle ;-)


    In der Hoffnung, Ihnen ein wenig Licht ins Dunkle bringen zu können
    verbleibe ich mit den
    Besten Grüßen

  2. #2
    Wohnt praktisch hier
    Geschlecht
    weiblich
    Mitglied seit
    24.07.2006
    Beiträge
    541

    Standard AW: Was Patienten schon immer wissen wollten - Fragen S

    hallo,

    tolle idee und gleich die erste frage.

    in 2015 wurde mir wegen stressinkontinenz ein bändchen unter den harnleiter gelegt. OP gelungen - ich bin wieder trocken

    seitdem hab ich aber vermehrt druckschmerzen in dem bereich. wendete mich daraufhin an meinen Gyn (OP wurde von da aus eingeleitet)
    ultraschall IO, urinprobe ohne befund auf bakterien/entzündungen, aber blut wurde nachgewiesen... also überweisung zum urologen.

    dort kam ich nur bis zum tresenwesen. sollte urinprobe abgeben und mich anderntags telefonisch melden.

    befund angeblich blasenentzündung (völlig symptomlos und tags vorher beim gyn war ja auch nichts)

    bekam AB von der schwester, ohne nachfrage auf unverträglichkeiten oder andere medikamente, eine audienz beim urologen wurde verwehrt. die schmerzen waren auch nach der einnahme der AB weiter vorhanden, ebenfalls findet sich immer wieder blut im urin (laut teststreifen)

    das ist mir nun schon 2 mal passiert, ich teste bei probleme zu hause selber mit teststreifen aus der apo, öfter blut aber keine anderen werte.

    ein drittes mal hatte ich am 23.12. eindeutig eine blasenentzündung (symptome und auch teststreifen, praxen schon zu also in die örtliche dialysepraxis, wo nach urinprobe ein AB gegeben wurde mit der maßgabe, nach den feiertagen einen urologen aufzusuchen. ÜW von da bekam ich mit.

    auch hier wurde mir der zugang zum urologen verwehrt, da durch das AB "ja alles in ordnung wäre und der arzt nichts feststellen könne. hier wurde die annahme der ÜW aber verweigert.

    wie sieht es hier aus, ist das alles so rechtens?

    1. das die ÜW genommen wird, der zugang zum arzt verweigert und die abrechnung mit der kasse erfolgen darf, weil der arzt ja die werte überprüft und ein medikament verordnet hat?

    2. die weigerung der annahme ÜW mit dem hinweis, die blasenentzündung wäre behandelt die AB würden alle werte bis zu 4 wochen verfälschen und der arzt könnte eh nichts feststellen... und das von der MTA am empfang?

    beschwerde sinnvoll und wenn ja, wo?

    danke und LG
    Wenn es uns schlecht geht trösten wir uns mit dem Gedanken, daß es noch schlimmer sein könnte.<br />Und wenn es ganz schlimm ist klammern wir uns an die Hoffnung, daß es nur besser werden kann.

  3. #3
    Arzt (Chirurgie)
    Geschlecht
    maennlich
    Mitglied seit
    27.01.2013
    Beiträge
    1.423
    Diese Person ist in einem medizinischen Beruf tätig

    Standard AW: Was Patienten schon immer wissen wollten - Fragen S

    Hallo @Schlumpfine,

    1. das die ÜW genommen wird, der zugang zum arzt verweigert und die abrechnung mit der kasse erfolgen darf, weil der arzt ja die werte überprüft und ein medikament verordnet hat?

    Hat die Mitarbeiterin der Arztpraxis Ihnen das Antibiotikum gegeben? Wenn ja, hat diese Rücksprache mit dem Arzt gehalten? Grundsätzlich sollte vor jeder Medikation ein persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt Zustande kommen, gerade um neben der Befundsicherung (der Arzt muss die Diagnose stellen, nicht die Helferin) auch eventuelle Fragen wie z.B. einer Unverträglichkeit gegenüber eines Präparats zu klären - natürlich auch, um den Therapieplan zu besprechen.

    Grundsätzlich kann nur das abgerechnet werden, was auch tatsächlich erfolgt ist. Wenn es keinen Arzt-Patienten-Kontakt gab, ist auch die Gebührenziffer der EBM (Einheitlicher Bewertungsmaßstab der Ärzte) nicht erfüllt. Denn diese setzt folgendes voraus:

    Beschreibung Grundpauschale

    Obligater Leistungsinhalt

    • Persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt,

    Fakultativer Leistungsinhalt

    • Weitere persönliche oder andere Arzt-Patienten-Kontakte gemäß 4.3.1 der Allgemeinen Bestimmungen,
    • Ärztlicher Bericht entsprechend der Gebührenordnungsposition,
    • Individueller Arztbrief entsprechend der Gebührenordnungsposition,
    • In Anhang 1 aufgeführte Leistungen,

    Abrechnungsbestimmung
    einmal im Behandlungsfall
    2. die weigerung der annahme ÜW mit dem hinweis, die blasenentzündung wäre behandelt die AB würden alle werte bis zu 4 wochen verfälschen und der arzt könnte eh nichts feststellen... und das von der MTA am empfang?

    Wenn Beschwerden bestehen, deshalb haben Sie sich ja vermutlich vorgestellt, muss Ihnen mit der Überweisung auch ein Arzt-Patienten-Kontakt ermöglicht werden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Empfang können zwar Patienten nach Dringlichkeit einordnen (Schmerz-/Notfallpatient, ect.), jedoch können diese nicht über die Notwendigkeit einer ärztlichen Behandlung eigenmächtig entscheiden.


    beschwerde sinnvoll und wenn ja, wo?


    Ich würde in erster Linie immer erst das Gespräch mit dem betroffenen Arzt suchen und über die Vorfälle sprechen.

    Sollte das Gespräch nicht wie gewünscht verlaufen, oder sollte man Ihnen ein solches verwehren, können Sie einen Beschwerdebrief an die zuständige Ärztekammer (Landes-/Bezirksärztekammer) übersenden. Diese werden dann eine Stellungnahme beim betroffenen Arzt einholen und auch Ihnen zusenden.

  4. #4
    Wohnt praktisch hier
    Geschlecht
    weiblich
    Mitglied seit
    24.07.2006
    Beiträge
    541

    Standard AW: Was Patienten schon immer wissen wollten - Fragen S

    hallo,

    danke für die antwort... ich werde mich demnächst um eine weitere ÜW bemühen und sollte es wieder so laufen, dann bei der KK nachfragen was abgerechnet wurde und gegebenenfalls informieren, was tatsächlich abgelaufen ist.

    ein gespräch mit dem arzt ist ja nicht möglich, da der empfang ja den kontakt verweigert...

    sicher hat im ersten fall der arzt den laborbefund gesehen und entschieden, ein AB zu verschreiben... aber wie gesagt ohne nachfrag wegen evtl. unverträglichkeiten/wechselwirkungen...

    es sind solche vorfälle wie diese, die mich am gesundheitssystem zweifeln lassen, nicht jeder hat die möglichkeiten abulant weite fahrten auf sich nehmen zu können, weil die zu wenigen ärzte hier überlastet sind.

    zumindest zweifle ich aber stark daran, das eine MTA am empfang einschätzen kann, ob ein arztkontakt nötig ist... mit wartezeiten (auch termin wochen später) könnte man sich ja noch abfinden... aber ich weiss bis heute (seit 07/2015) nicht, wo dieser schmerz herkommt und warum immer wieder blut im urin ist. ich tippe ja auf das bändchen... bin aber kein arzt und darf auch zu keinem...

  5. #5
    Arzt (Chirurgie)
    Geschlecht
    maennlich
    Mitglied seit
    27.01.2013
    Beiträge
    1.423
    Diese Person ist in einem medizinischen Beruf tätig

    Standard AW: Was Patienten schon immer wissen wollten - Fragen S

    ein gespräch mit dem arzt ist ja nicht möglich, da der empfang ja den kontakt verweigert...
    Ggf. ein Kontaktversuch per Post ( Eigenhändig! ) oder per Fax unternehmen und dort auf ein klärendes Gespräch hinweisen bzw. um ein solches bitten. Eigenhändig per Post hat den Vorteil, der Zusteller darf den Brief nur dem Arzt aushändigen.

    zumindest zweifle ich aber stark daran, das eine MTA am empfang einschätzen kann, ob ein arztkontakt nötig ist..
    Kann und darf sie nicht - auch wenn Ihnen möglicherweise der Arzt sagen wird, sie sind darauf geschult. Aber soweit kann eine Schulung nicht reichen, damit diese das beurteilen kann.


    Ansonsten ggf. an die Krankenkasse wenden.

  6. #6
    Wohnt praktisch hier
    Geschlecht
    maennlich
    Alter
    60 Jahre
    Mitglied seit
    06.07.2015
    Beiträge
    1.538

    Standard AW: Was Patienten schon immer wissen wollten - Fragen S

    Hallo Dr. Baumann,

    ich habe einmal eine etwas schwierigere Frage. Darf ein Arzt heute noch entsprechend auf den Patienten eingehen. Oder muss er / sie nicht ständig aber …daran denken für die Behandlung bekomme ich € wir haben Okt. Mein Budget für Medikamente ..?

    Zur Erklärung dazu einmal drei Beispiele die ich selbst erlebt habe!

    Also Dermatologie (Unterschenkel Grossflächige Hautveränderungen , Rötungen) man fragt nach einem Termin OK in 10 Monaten. Man kommt zu dem Termin ein Arzt und eine angehende Ärztin sind da OK da müssen sie noch einmal wiederkommen zur Biopsie das könnte eine XY sein aber da bin ich mir nicht sicher!
    Also kommt man zu dem Biopsietermin und es ist der zweite Arzt in der Praxis da. Nun zeigen sie einmal – nein das mit der Biopsie vergessen wir dies ist eine Überpigmentierung. Hier haben sie ein Privatrezept für eine Aufhellungssalbe. (1 Minute).
    Die Bitte doch einmal eine Rückfrage beim Kollegen - nein sie müssen nun gehen!
    Patient das kann nicht sein, also Uniklinik angerufen Ok in sechs Monaten.
    In der Uniklinik schaut sich die Ärzte auch eine Oberärztin die Sache an vaskulär ein Stauungsekzem. Die jg . Ärztin hat sich richtig bemüht
    Es gab zum Schluss auch einen Arztbrief (für den Hausarzt) darin stand -> chronische Ekzemreaktion. Für die Fragestellung Necrobiosis lipoidica was die Probenentnahme zu oberflächlich. Es gab wieder ein Privatrezept die Apothekerin aber diese Salbe hätte die GKV bez. .. Neuer Dermatologe (Weiterbehandlung Nr. 4) .

    Schwerer Arbeitsunfall Wirbelsäulenverletzung man wird in eine Klinik geflogen. In ein normales Bett gelegt und muss sich selbst helfen Behandlung Schmerzmittel / ca. fünf Min. Physio. Flach liegen und essen ist etwas schwierig OK es muss die Schwestern sind schon voll im Stress. Ja und es ist keine Querschnittslähmung alles gut.. Also kommt Arzt und sagt die Hinterkante ist noch etwas über 50 % da operieren wir nicht. wenige Tage später OK sie werden entlassen. Am letzten Tag noch einmal zum röntgen Ok idie Hinterkante des am schlimmsten betroffenen Wirbels ist nun ca. 30 % hier haben sie ihre Entlassungsunterlagen –Tschüss.
    Die Hoffnung hier haben sie eine Überweisung die Klinik XY ist da eine Spitzenklinik (nichts),
    Man findet durch Zufall eine Klinik da heisst es irgendwann sind sie dran (Spondylodese Entfernung des nekrot. Wirbels). Durch Zufall kommt man mit einer Oberärztin in Kontakt die sehr bald in Pension geht. Man spricht den gleichen Dialekt und oh Wunder man ist schon nach sechs Monaten dran.
    Von richtig heftigen Pfusch beim Zahnarzt wo es dann heisst Ok da müssen wir dann halt ein paar weitere gesunde Zähne abschleifen gehalten hat es bis wenige Wochen nach der Gewährleistungszeit. Man macht sich schlau und erfährt, dass man nicht allein betroffen ist…

    Die Vorstellung f r ü h e r schwerbehinderter Patient OK kein Problem sie bekommen natürlich die entsprechende Hilfe. Heute wird es eher zur Odysee. Man fragt schon selbst nach, können sie mir das Medikament verschreiben (Budget). Natürlich gibt es noch die Ärzte die sich so richtig ins Zeug legen. Man kann es dann gar nicht mehr einordnen und es wird richtig surreal wenn man ins Internet geht und Plattformen wie Ja. .. die Ärzte beurteilen.

    Keine Ahnung wie Ärzte so gewisse Entwicklungen beurteilen – ob es da überhaupt noch Spielräume gibt Oder bald Stoppuhr auf dem Schreibtisch udgl.. ?

    Gruss Stefan

    PS. Sicher sehr schwierige Materie - allerdings wenn durch Fehldiagnosen (weil man beim Kollegen nicht nachfragen möchte) und deutlichen Verzögerungen (Termine) eine Chronifizierung eintritt schon schlecht für den Patienten wenn noch dazu kommt das sich die Kosten z.T. auf Privatrezept deutlich erhöhen. Die Ärztin Uniklinik nun ja dies wird nicht mehr viel besser!

  7. #7
    Arzt (Chirurgie)
    Geschlecht
    maennlich
    Mitglied seit
    27.01.2013
    Beiträge
    1.423
    Diese Person ist in einem medizinischen Beruf tätig

    Standard AW: Was Patienten schon immer wissen wollten - Fragen S

    Hallo StefanD.,

    Grundsätzlich sollte man mal das Vergütungssystem vorweg einzeln erläutern:


    • Patienten der gesetzlichen Krankenversicherung werden gemäß EBM abgerechnet.
    • Patienten einer privaten Krankenversicherung oder Selbstzahler werden gemäß GOÄ (Gebührenordnung der Ärzte) abgerechnet.


    Heißt im Detail:

    Wenn ich einen GKV-Patienten abrechne, berechne ich beim ersten Arzt-Patienten-Kontakt eine sogenannte Grundpauschale. Die ist im gesamten Quartal (3 Monate) nur einmal berechnungsfähig. Für die Chirurgie bedeutet das folgendes:

    07210 bis zum vollendeten 5. LJ 21,27€ / 210 Punkte
    07211 Beginn des 6. bis vollendeten 59. LJ 22,39€ / 221 Punkte
    07212 ab Beginn des 60. LJ 25,83€ / 255 Punkte

    Wenn wir eine Arztpraxis nun als Unternehmen sehen, müssen wir das wirtschaftlich betrachten. Wirtschaftlich wäre der ideale Patient, der sich nur 1x pro Quartal vorstellt. Unwirtschaftlich wäre der Patient, der mehrfach in einem Quartal vorstellig wird - da die Grundpauschale nur einmal berechnet und entsprechend vergütet wird.

    In erster Linie geht es der Ärzteschaft aber nicht um Wirtschaftlichkeit, sondern um das Wohl des Patienten - auch wenn man manchmal persönlich ein anderen Eindruck bzw. ein anderes Gefühl hat.

    Wenn ich jetzt einen PKV-Patienten abrechne, tun sich hier ganz viele andere Möglichkeiten auf. Dessen Kontakt kann ich grundsätzlich bei jeder Vorstellung berechnen. Das heißt, es ist egal wie oft der Patient in der Praxis vorstellig wird. Ich mache keine Verluste, ich brauche nicht auf Budget oder ähnliches achten. Um auch das hier zu verdeutlichen, nehme ich ein einfaches Beispiel. Einen Patienten mit Bauchschmerzen - das haben wir in jeder Praxis, egal ob Allgemeinmedizin, Chirurgie, Gynäkologie.

    1 Beratung, auch mittels Fernsprecher 2,30 10,72€
    5 Symptomatische Untersuchung 2,30 10,72€
    410 Ultraschall eines Organs 3,50 40,80€
    420 x 3 Ultraschall von bis zu 3 weiteren Organen 3,50 16,32€
    78,56€

    Kommt am nächsten Tag zur Kontrolle/Besprechung

    1 Beratung, auch mittels Fernsprecher 2,30 10,72€
    5 Symptomatische Untersuchung 2,30 10,72€
    21,44€

    Macht bei zwei Vorstellungen einen Gesamtbetrag von 100,00 €.



    Was das Budget betrifft, wird es etwas komplexer.

    Niedergelassene Ärzte haben ein Medikamentenbudget.
    Das setzt sich aus der Anzahl der Rentner und Mitglieder. Diese Anzahl wird mit den jeweils dazugehörenden Summen multipliziert. Daraus ergibt sich eine Gesamtsumme die das Medikamentenbudget darstellt. Machen wir es mal ganz fiktiv mit einem Minibeispiel:

    22 Rentner x 150,00 € = 3.300 €
    44 Mitglieder x 50,00 € = 2.200 €
    ------------------------------------------
    Budget 5.500 €

    Auch hier gilt: Je gesünder dein Patientenstamm ist, desto eher kannst du mit dem Medikamentenbudget auskommen. Am Quartalsende wird es dennoch in vielen Praxen sehr eng, da naturgemäß natürlich nicht alle Patienten kerngesund sind, sondern natürlich auch einige dabei sind, die teils komplexere bis schwere Erkrankungen haben.

    Die Medikamentenpreise sind teilweise sehr hoch. Durchschnittlich jedoch bei etwa 40 €. Da aber viele Patienten wiederum mehrere benötigen (z.B. bei einem Bluthochdruck), macht sich das natürlich am Ende bemerkbar.

    Überschreitet man das Budget, beginnt es bei Beratung und Belehrung. Ist das Budget deutlich überschritten, erfolgt ein Regress - das heißt: der gesamte Betrag der über dem Budget liegt, muss vom Arzt aus der eigenen Tasche bezahlt werden. Nehmen wir das o.g. fiktive Beispiel und ich habe am Ende Ausgaben von 9.000 € stehen, muss ich 3.500 € aus eigener Tasche zahlen.


    Dann gibt es zum Schluss noch ein sogenanntes Individualbudget. Dieses Budget begrenzt die Abrechnungsfähigkeit der ärztlichen Leistungen nach oben. Denn das zur Verfügung gestellte Geld ist nicht unendlich, sodass viele Kolleginnen und Kollegen einige Wochen im Quartal unbezahlt arbeiten müssen - da Leistungen nicht mehr vergütet werden. Das wieder kann u.a. Grund dafür sein, warum bestimmte Leistungen/Untersuchungen geschoben werden - z.B. ins neue Quartal.

    Jetzt wird die Bevölkerung immer größer, die Anzahl der niedergelassenen Kollegen nimmt ab. Die Anzahl der altersbedingten Krankheiten werden immer höher. Das sind Gründe, warum auch hier die Leistungsfähigkeit der Ärzte deutlich bis massiv überschritten ist und sich dementsprechend in massiv lange Wartezeiten zeigt. Das heißt, man möchte diese Wartezeiten überhaupt nicht haben, sie lassen sich aber aufgrund so vieler Umstände überhaupt nicht mehr vermeiden.



    Ich hoffe, ich konnte Ihnen hiermit ein wenig Einblick geben.
    Sollten Sie weitere Fragen haben, stellen Sie diese gerne. Möglicherweise sind vereinzelte Fragen aufgrund des großen Themenkomplexes untergegangen.


    Beste Grüße

  8. #8
    Arzt (Chirurgie)
    Geschlecht
    maennlich
    Mitglied seit
    27.01.2013
    Beiträge
    1.423
    Diese Person ist in einem medizinischen Beruf tätig

    Standard AW: Was Patienten schon immer wissen wollten - Fragen S

    @StefanD.

    Im Prinzip sollte jeder Patient immer an das Gute im Arzt sehen. Wir sind nicht von Grund auf böse oder übergeschnappt. Wir sind auch nicht von Grund an unfreundlicher, überheblich oder arrogant. Es mag vielleicht für manche Patienten so aussehen oder klingen, aber tief drin ist auch jeder Arzt ein Mensch mit einer Gefühlswelt.

    Ärzte möchten gerne etwas bewegen, möchten auch gerne um jeden Preis helfen. Doch leider gibt es Gesetze und Regelungen, die jedem Mediziner Steine in den Weg legt - ich spreche hier in erster Linie vom SGB. Genau dieser Wisch stellt für uns, neben der Krankenkasse, das größte Hindernis dar. Wir wissen, wir können viel bewegen - wir wissen aber auch, wir dürfen es nicht. Man wird quasi an die Kette gelegt, gleichzeitig wird vom Gesetzgeber bestimmt, was zu tun ist.

    Die Definition des Leistungskatalogs der Gesetzlichen Krankenkassen lautet schließlich:

    wirtschaftlich
    ausreichend
    notwendig
    zweckmäßig




    Hier gibt es ein sehr gutes Beispiel im Internet. Ich füge es gerne einmal ein:

    Wirtschaftlich

    Glaukomvorsorge

    Der medizinische Nutzen einer solchen Untersuchung ist nicht abzustreiten, ein erhöhter Augeninnendruck ein klar erwiesener Risikofaktor für ein Glaukom. Dennoch wurde die Kostenübernahme vom G-BA abgelehnt - aus wirtschaftlichen Gründen. Aus Kassensicht ist das logisch, sagen viele Kritiker, denn:Je früher ein Glaukom erkannt wird, desto teurer ist die Behandlung. Es fallen jahrelang Kosten für die Gesichtsfeldkontrollen, die Medikamente und die Operationen an. Bleibt das Glaukom unerkannt, werden diese Kosten gespart. Erblinden die Betroffenen schließlich, wird das Blindengeld nicht von den Kassen, sondern von anderen Leistungsträgern gezahlt. Insofern ist eine Glaukomvorsorge "unwirtschaftlich" für die Kassen, obwohl sie von Vorteil für die Betroffenen wäre.

    Ausreichend

    Insulin-Analoga

    Eine antidiabetische Therapie soll den Blutzucker auf ein normales Niveau senken. Eine "intensivierte Therapie", bei der Langzeit- und Kurzzeit-Insuline kombiniert und mehrfach täglich unter Zuckerselbstkontrolle gespritzt werden, wäre "optimal". Die Kassen sind aber nur zu einer "ausreichenden" Versorgung verpflichtet. In der Schule ist "Ausreichend" die "Note 4". Aus diesem Grund werden die Kosten dieser "optimalen" Insulin-Therapie nicht mehr getragen, nicht einmal die Teststreifen für den Blutzuckerselbsttest in vollem Umfang übernommen.

    Notwendig

    PSA-Test

    Die Krebsfrüherkennung für Männer beinhaltet zwar auch eine Tastuntersuchung der Prostata. Aber die Kassen schließen bewusst die Bestimmung des PSA (prostata-spezifisches Antigen) im Blut als Teil einer allgemeinen Früherkennung aus. Sie halten eine vorsorgliche PSA-Bestimmung für "nicht notwendig". Erst, wenn eine "Not" besteht - also bei konkretem Krebsverdacht bzw. bereits bekannter Krebserkrankung ist das PSA Kassenleistung. Folglich wird ein Prostata-Karzinom oft erst (zu) spät erkannt, weil es nicht immer früh (genug) zu tasten ist.



    Geändert von Dr. Baumann (08.08.2017 um 21:37 Uhr) Grund: Quelle: ArztWiki

  9. #9
    Wohnt praktisch hier
    Geschlecht
    maennlich
    Alter
    60 Jahre
    Mitglied seit
    06.07.2015
    Beiträge
    1.538

    Standard AW: Was Patienten schon immer wissen wollten - Fragen S

    @ Dr. Baumann

    der Patient sieht den Arzt nicht per se von Grund auf böse übergeschnappt - unfreundlicher, überheblich oder arrogant.an!

    Der Patient sieht das folgendermaßen

    Also ich hatte einen sehr schweren Arbeitsunfall unverschuldet der Fremdarbeitgeber

    Patient wird in Klinik geflogen allerdings Therapie nur täglich Valoron und hin und wieder Physiotherapie für ~ 10 Minuten. Assiistenzarzt am meisten betroffener Wirbel noch über 50 % Hinterkante (erst darunter wird operiert) Röntgenbild vom dritten Tag am Entlassungstag nur noch 30 % . Hilfe danach Null.
    Hausarzt veranlasst neue Einweisung in BG -Klinik wegen neurologischen Problemen die sich dann bestätigen. Ansonsten Aussage des behandelnden Arztes nur eingebildete Schmerzen nach 12 Tg. wiederum>Entlassung.

    Durch Zufall beim Friseur erfahre ich das ganz in der Nähe Prof. Dr. Harms Also nach Karlsbad / Langensteinbach (1999) Termin bekommen allerdings Wartezeit immer ca. sechs Stunden.

    Also MRT Wirbelfrakturen - Wirbelnekrose usw. -> durch Zufall schon nach sechs Monaten Spondylodese OP.
    In der Klinik vier Gruppen Ausländer (Benelux) - Privatpatienten - Patienten Berufsgenossenschaft - und GKV z.B. AOK. In der Reihenfolge kamen sie auch dran.(jeweils 2 Bettzimmer)
    Kosten einmal allgemein 40€ Zweibettzimmer / 90€ >Einbettzimmer 15000 € minimal die Spondylodese (OP). Eien Transplantation 700000 €).
    Danach Rehaklinik inbegriffen Behandlung eines nicht ganz so kleinen Lungenödems (Lungenspitzen) als letzte Klinik .. Kosten..!

    Wie auch immer man erwartet, dass wenn man in eine Klinik geflogen wird, man nicht später mit noch mehr Problemen heraus geht. Das man nicht davon ausgeht hilf Dir selber dann hilft Dir Gott den es nicht real gibt!
    Ich hatte Angst das ich durch eine blöde Bewegung oder wenn ich etwas trage ich Querschnittsgelähmt bin.

    Nun 1999 Internet noch nicht ganz so ..

    Keine Ahnung evtl. etwas an den Haaren herbeigezogen -> Viszeralchirurgie
    Ein Patient kommt er hatte eine einfache Blinddarmentzündung - der Arzt gibt ihm fünf Schmerztabletten mit und Tschüss wir operieren erst bei Appendizitis destructiva wenn der Blinddarm mit mind. 70 % Eiter gefüllt ist.

    In dem Fall würde jeder Arzt sagen was für ein Quatsch natürlich wird da entsprechend behandelt und möglichst frühzeitig operiert um eine Sepsis odgl. zu vermeiden. In dem anderen Fall nun ja dann gibt es halt einen Rollstuhl.

    Ich erwarte halt von einem Arzt, dass er auch ein Stück für den Patienten da ist und nicht nur seine Zahlen sieht. Also unter 50 % eigentlich OP nun ja jetzt sind es 30 % Pech gehabt ich habe aber trotzdem schon einmal ihre Entlassungsunterlagen ausgefüllt. Wie sie danach zurecht kommen mir egal.
    Kein Rat also ich würde ihnen einmal raten in die Klinik XY zu gehen zu dm Arzt .. soviel Fairness verlangt man schlicht von einem Arzt.
    Wenn der Arzt nicht einmal willens ist dies zu bringen, dann bekommt er / sie eine solche Einordnung wievon Ihnen ganz oben beschrieben.
    Im letzten Jahr ein Bsp. ein Zahnarztbesuch eine sehr jg. Zahnärztin ein Problem - es kam nicht die Aussage das war ja Pfusch was ihr ehemaliger Z. da ... sondern das war Karies und das kostet dann um die 10000 € schnell röntgen -übrigens die Zeit die ich für sie bez. bekomme ist inzwischen um. Das war zuvorkommend und sehr freundlich udgl.. so stand es zumindest in der Plattform Jam...
    Ich habe dann genau einen Bewertungsbogen genau von der Praxis bekommen! Es werden allerdings nur gute Bewertungen akzeptiert.

    Also es gibt so richtig gute Ärzte die sagen können passe einmal auf wir haben die und die Situation - aber wenn Du dahin gehst da kann Dir richtig gut weitergeholfen werden.
    Es gibt allerdings auch Ärzte die sind unfreundlicher, überheblich oder arrogant was ich bei der Zahnärztin unterschreiben würde.
    Bei schweren Unfallfolgen sollte es aber nicht ganz allein die Frage sein was bekommen wir als Fallpauschale und können wir das noch unterschreiten!
    Es ist auch schwierig wenn ein Dermatologe dir eine Verlegenheitsdiagnose sagt und Dir danach noch ein Privatrezept hinhält. Nach dem Motto nun ja sie haben zwar hier a b s o l u t keine Hilfe bekommen, aber hier haben sie noch etwas damit unterstützen sie ihre Apotheke vor Ort. Sie bekommen auch etwas was ihnen gar nichts nützt evtl. eher schadet aber das ist ihr Problem.

    VG Stefan
    Geändert von StefanD. (10.08.2017 um 00:35 Uhr)

  10. #10
    Interessierter Laie Avatar von Äskulap
    Geschlecht
    maennlich
    Mitglied seit
    13.11.2013
    Beiträge
    418

    Standard AW: Was Patienten schon immer wissen wollten - Fragen S

    Wirtschaftlich

    Glaukomvorsorge

    Der medizinische Nutzen einer solchen Untersuchung ist nicht abzustreiten, ein erhöhter Augeninnendruck ein klar erwiesener Risikofaktor für ein Glaukom. Dennoch wurde die Kostenübernahme vom G-BA abgelehnt - aus wirtschaftlichen Gründen. Aus Kassensicht ist das logisch, sagen viele Kritiker, denn:Je früher ein Glaukom erkannt wird, desto teurer ist die Behandlung. Es fallen jahrelang Kosten für die Gesichtsfeldkontrollen, die Medikamente und die Operationen an. Bleibt das Glaukom unerkannt, werden diese Kosten gespart. Erblinden die Betroffenen schließlich, wird das Blindengeld nicht von den Kassen, sondern von anderen Leistungsträgern gezahlt. Insofern ist eine Glaukomvorsorge "unwirtschaftlich" für die Kassen, obwohl sie von Vorteil für die Betroffenen wäre.

    Ausreichend

    Insulin-Analoga

    Eine antidiabetische Therapie soll den Blutzucker auf ein normales Niveau senken. Eine "intensivierte Therapie", bei der Langzeit- und Kurzzeit-Insuline kombiniert und mehrfach täglich unter Zuckerselbstkontrolle gespritzt werden, wäre "optimal". Die Kassen sind aber nur zu einer "ausreichenden" Versorgung verpflichtet. In der Schule ist "Ausreichend" die "Note 4". Aus diesem Grund werden die Kosten dieser "optimalen" Insulin-Therapie nicht mehr getragen, nicht einmal die Teststreifen für den Blutzuckerselbsttest in vollem Umfang übernommen.

    Notwendig

    PSA-Test

    Die Krebsfrüherkennung für Männer beinhaltet zwar auch eine Tastuntersuchung der Prostata. Aber die Kassen schließen bewusst die Bestimmung des PSA (prostata-spezifisches Antigen) im Blut als Teil einer allgemeinen Früherkennung aus. Sie halten eine vorsorgliche PSA-Bestimmung für "nicht notwendig". Erst, wenn eine "Not" besteht - also bei konkretem Krebsverdacht bzw. bereits bekannter Krebserkrankung ist das PSA Kassenleistung. Folglich wird ein Prostata-Karzinom oft erst (zu) spät erkannt, weil es nicht immer früh (genug) zu tasten ist.
    Man möchte kotzen...

    Also, so schlimm ist es meines Wissens bei uns (in Ö) noch nicht, Gott sei Dank.

    Nicht böse sein, aber einen Menschen lieber erblinden zu lassen weil die Kosten dann woanders getragen werden....
    Die Schuld geht nicht an die Ärzte, ich bin mir sicher wenn den behandelnden Arzt das auffällt dann wird er einen Weg finden zu helfen.

    Es ist aber nichts anderes als wie mit den Diabetes Patienten und die optimale Einstellung als auch den PSA Tests...

    Mich wundert schon ein bisschen eure ruhige Art, ich meine 1€ Jobs, solche Kassenregelungen, Minimal Pensionen, da fragt man sich schon manchmal wieso man eine allgemeine Sozialversicherung hat.... Wenn das so weitergeht bricht dieses System irgendwann... aber bei uns ist es nicht anders - obwohl hier arbeitet man schon fleißig an wirtschaftlicheren Arbeiten von Ärzten und Krankenhäusern und baut an Primärversorgungszentren etc.

    Hmm vielleicht wirds doch mal Zeit nachzudenken über eine private Krankenversicherung.
    Der einzig sinnvolle Krieg den die Menschheit führen sollte ist der Krieg gegen Krankheiten

Seite 1 von 3 123 LetzteLetzte

Ähnliche Themen

  1. Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 12.02.2015, 15:51
  2. Patienten wissen wenig über den Beruf des Radiologen
    Von aerzteblatt.de im Forum Nachrichten
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 11.12.2012, 16:00
  3. Diabetes-Wissen noch immer zu gering
    Von aerzteblatt.de im Forum Nachrichten
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 03.12.2012, 17:00
  4. Ärzte sollten immer nach Masernimpfung fragen
    Von aerzteblatt.de im Forum Nachrichten
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 06.10.2011, 18:50
  5. Ausland: Achtlingsmutter wollte schon immer Großfamilie
    Von aerzteblatt.de im Forum Nachrichten
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 06.02.2009, 18:30