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Gast
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Placebo - Dieser Beitrag ist 696 Tage alt
Hallo zusamman!
In der Praxis, in der ich meine Ausbildung machte und danach noch etwas länger arbeitete, gab es 2 sogenannte "Musterschränke". In dem einen befanden sich Musterpackungen von Antibiotika, BTM und starken Schmerzmitteln, er war immer abgeschlossen und nur meine Chefin hatte einenen Schlüssel, damit niemand auch wir als Personal, nicht einfach was nehmen konnten. In diesem "Giftschrank" lagen auch Placebo-Muster von den Pharmafirmen, sollten für eine Studie sein. Da dieses Procedere aber in einer niedergelassenen Praxis eigentlich nicht durchzuführen war, lagen diese speziellen Muster, bis ich den Schrank entrümpelt und neu sortiert habe. (Diese Aufräumaktionen fanden immer im Notdienst statt, Chefin schloß Schrank auf, ich räumte und sortierte, zeigt ihr dann alles, was weg konnte und dann schloß sie ihn wieder ab!)
In dem 2. Schrank waren alle anderen Medikamentenmuster, die ich nach Rücksprache mit Chefin auch den Patienten rausgeben durfte.
Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamine und Mineralstoffe wurden immer direkt unter uns allen aufgeteilt, ebenso habe ich jahrelang meine Allergiemedikamente als Muster bekommen.
Placebos hatten wir zwar, die waren besonders gekennzeichnet, so daß Ärzte und ärztliches Personal direkt gesehen haben, aha, Placebos, für den Patienten war die Kennzeichnung als eine solche aber nicht ersichtlich! Wir haben dieses Schachteln aber nie rausgegeben und auch die Studie(n) nicht mitgemacht, weil das Risiko für einen niedergelassen Arzt einfach zu hoch ist. Auf diesem Standpunkt stand meine Chefin, denn auch wenn Patienten vielleicht nervig waren z. B. mit Hypertonie (Bluthochdruck) und jeden Tag zum Messen in die Praxis kamen, weil ihr Gerät zuhause so hohe Werte anzeigte, wollte sie die Verantwortung nicht übernehmen, indem sie Placebos als Muster mitgab, diese Pat. haben immer erstmal eine Musterpackung eines normalen Blutdrucksenkers bekommen und später diese dann als Rezept, wenn es angezeigt war. Vorher mußte Patient aber immer sein Gerät mitbringen, um sicherzugehen, daß dieses nicht defekt war oder der Pat. einfach falsch gemessen hat. Was sich dann meistens auch immer so herausstellte, falsche Messweise oder ewig nicht gewartetes Gerät!
Ärztehopping, wie Simone es wohl betreibt, finde ich auf gar keinen Fall richtig! Manchmal braucht ein Medikament auch mal ein paar Stunden, bevor es wirkt! Bestes Beispiel: Ich hatte gestern einen Mega-Migräneanfall und nehme ein triptanhaltiges Medikament dagegen, die Wirkung setzt bei mir frühestens nach 2 bis 3 Stunden ein. Gestern mußte ich noch eine 2. Tablette nehmen, wieder erst nach 2 bis 3 Stunden eine wirkliche Besserung. Selbst als ich die Tabletten das erste Mal eingenommen habe, bin ich nicht eine Stunde später wieder beim Arzt gewesen, sondern habe erstmal abgewartet. Ich finde diese Arztwechselei unverantwortlich, von den Kosten mal ganz abgesehen, einen Notarzt bzw. Notdienst anzurufen oder aufzusuchen, wenn man tagsüber schon Medikamente von seinem Arzt bekommen hat, finde ich ganz persönlich als Unverschämtheit. Große Ausnahme: Herzbeschwerden oder ähnlich akutes und lebensbedrohliches! Aber, um es mal etwas deutlicher auszudrücken, auch wenn es sehr unangenehm und mit Schmerzen verbunden ist, weder ein Migräneanfall noch ein HWS-Syndrom noch eine banale Erkältung sind Fälle für den Notarzt! (Hatten wir regelmäßig in der Praxis, und wir haben uns immer gut aufgeregt darüber, daß Patienten auch noch sagten:"Ist ja so praktisch, daß Sie heute Notdienst haben, gestern war ich shoppen in Köln, da hatte ich keine Zeit, um in die Sprechstunde zu kommen. Ich brauche nun aber eine AU-Bescheinigung, denn so kann ich Montag nicht zur Arbeit!" Diese spezielle Art von Patienten war besonders beliebt, denen hätten wir so manches Mal gerne Placebos gegeben! Haben wir natürlich nicht, aber die AU-Bescheinigung gab es auch erst Montagmorgen in der Sprechstunde!
Fazit der ganzen Schreiberei: Placebos werden in den Praxen wohl eher nicht gegeben, kann da aber nur für Praxen sprechen, in denen ich gearbeitet habe! In Krankenhäusern mag es durchaus so sein, daß z.B. anstelle einer Schlaftablette ein Placebo verabreicht wird. Sollte sich keine Wirkung zeigen, so wird man den Patienten auch "richtige" Medikamente verabreichen!
Das Aufsuchen des Notdienstes bzw. des Notarztes in einer Krankenhausambulanz sollte man nicht als "Hobby" (überspitzt gesagt) betreiben. Diese Dienste bzw. Ärzte sind für NOTFÄLLE da und nicht für irgendwelche banalen Sachen (Beispiele siehe oben)! Damit kann man morgens in die normale Sprechstunde zum Hausarzt gehen!
Viele Grüße, Andrea
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