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Alt 12.02.2007, 07:25   #3 (Permalink)
Leonie
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Standard AW: Sterbehilfe/Euthanasie - Dieser Beitrag ist 565 Tage alt

Hallo!

Eine Tante von mir liegt seit mehr als fünf Jahren vollpflegebedürftig im Bett. Sie kann sich nicht mehr artikulieren, reagiert nicht mehr auf die Umwelt und kann nichts mehr alleine machen. Sie wird Zuhause gepflegt und für die nahen Angehörigen ist es einfach nur schlimm keinen Kontakt mehr zu Ihrer Persönlichkeit zu bekommen. Jeder der sie kennt wünscht Ihr, dass sie sterben darf. Viele beten auch dafür.

Meine Mutter hatte zehn Jahre lang Krebs: Darm-, Leber-, Lunge- und zum Schluss Hirntumor. Der Hirntumor wuchs über fünf Monate. Im letzten Monat bekam sie Sprachausfälle, Gleichgewichtsprobleme u. ä. Wir hatten da einen wirklich guten Arzt zur Seite. Als er wusste, dass der Tod nicht mehr zu vermeiden ist, gab er uns Anweisungen, wie wir uns Verhalten sollen, wenn es z. B. zu einem Krampfanfall kommt. Wir sollten, wenn der Notarzt notwendig wird, gleich sagen dass keine lebensverlängernden Maßnahmen mehr eingeleitet werden sollen und keine Krankenhausaufnahme. Außerdem bekamen wir das Morphium selber in die Hand und er war über Weihnachten und Neujahr immer für uns erreichbar und hat sich von sich aus nach meiner Mutter umgesehen. Erst am Tag bevor meine Mutter starb sagte sie, dass sie nicht mehr mag. Bis dahin hat sie gekämpft. Ich bin wahnsinnig stolz auf meine Mutter. Wenn sie nicht einen eisernen Willen zu leben gehabt hätte, dann hätte sie die zehn Jahre nicht gehabt in denen sie noch sehr viel Schönes erleben durfte neben den OP`s, den Schmerzen und den Chemos.

Ich hab nicht wirklich einen guten Draht zu Gott - trotzdem glaube ich irgendwie, dass er weiß was er tut. Ich bin gegen aktive Sterbehilfe - verstehe aber Menschen, wenn sie´s aus Liebe tun.

Die heutigen Patientenverfügungen sind in Deuntschland viel zu schlecht geregelt. Die Politik befasst sich im Moment ja damit und ich hoffe, dass dann ein rechtssicherer Raum entsteht für Ärzte und Angehörige.

Den Suizidtourismus, der in der Schweiz betrieben wird, finde ich schrecklich. Viele Menschen sind doch erstmal schockiert und haben Angst, wenn sie die Diagnose einer unheilbaren, zum Tod führenden Krankheit erhalten. Ich hab von Fällen aus der Schweiz gehört, in denen morgens das Arztgespräch läuft und nachmittags das Rezept eingelöst wird. Natürlich erst, wenn bezahlt wurde.

Nachdenkliche Grüße von
Leonie
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