Passwort vergessen?

Benutzernamen vergessen?


Ergebnis 1 bis 3 von 3

Thema: Depression in Remission?

Hier klicken um die Schrift der Beiträge zu vergrößern Hier klicken um die Schrift der Beiträge zu verkleinern

In dieser Diskussion geht es um "Depression in Remission?" im "Psychische Erkrankungen" Forum, als Teil von Patientenfragen.net
...

  1. #1
    Ganz neu hier
    Geschlecht
    weiblich
    Alter
    28 Jahre
    Mitglied seit
    06.12.2010
    Beiträge
    4

    Standard Depression in Remission?

    Hallo Community,

    Ich brauche Rat bei der Frage, ob ich einen Psychologen aufsuchen soll oder nicht. Im Alter von 13-16 litt ich offensichtlich unter Depressionen, doch momentan geht es mir ganz gut.

    Meine Geschichte:

    Kindheit: Meine Kindheit verlief sehr gut. In vier Jahren Grundschulzeit war ich durchgehend Jahrgangsbeste, ich konnte viel früher lesen als andere Kinder, ich war interessiert an allem, war so wissensdurstig wie man es nur sein kann, und meine Eltern mussten mich nie zum Lernen zwingen. Es war von überdurchschnittlicher Intelligenz die Rede, ich hätte eine oder zwei Klassen problemlos überspringen können, allerdings wollten meine Eltern mich nicht aus dem mir vertrauten Klassenverband reißen, also habe ich nicht übersprungen (die Option war mir zudem damals noch gar nicht bekannt). Abgesehen von den überragenden schulischen Leistungen war ich auch sonst ein sehr glückliches Kind. Die ländliche Gegend hat viel Platz zum Spielen geboten, und es gab auch sehr viele Kinder, mit denen man spielen konnte.
    Das einzige Problem, das ich jetzt im Nachhinein sehe, ist, dass ich ziemlich verhätschelt wurde; wir waren nicht reich, aber gutes Mittelmaß, ich habe alles bekommen was ich wollte und musste beispielsweise nie im Haushalt oder in sonstigen Bereichen helfen.

    Jugend: Mit 13 Jahren kam dann der plötzliche Bruch. Soweit ich mich erinnern kann, wollten sich meine Eltern scheiden lassen, als ich 12 war. Das könnte der Auslöser gewesen sein, da meine Kindheit in meinem Augen perfekt war, und das Bild einer perfekten Familie plötzlich zerstört wurde. Meine Schulnoten wurden kontinuierlich schlechter, mir fehlte die Motivation, ich sah keinen Sinn im Lernen, und auch keinen Sinn mehr im Leben. Von meiner Familie habe ich mich abgekapselt; natürlich wohnte ich noch mit ihr in einem Haus, aber ich habe keine richtig tiefe emotionale Verbindung mehr gespürt, ich reagierte nur gereizt auf meine Familienmitglieder, ganz egal, was war. Bereits mit 13 habe ich Abschiedsbriefe an einzelne Personen verfasst, da ich mir das Leben nehmen wollte - versucht habe ich es jedoch nie. Ich weiß nicht warum; entweder hatte ich tief in mir doch noch einen verborgenen Funken Hoffnung, oder ich war einfach zu feige, weil ich Angst vor Schmerzen und langem Leiden hatte.
    Aufgrund von mehreren problematischen Beziehungen zu Männern, die fast einen eigenen Beitrag füllen könnten, festigte sich bei mir ein Gefühl der eigenen Wertlosigkeit; der Mann ist Mittelpunkt der Beziehung, ihm hat es gut zu gehen, ich war bloß froh wenn mich überhaupt einer genommen hat. Dieses Gefühl der Minderwertigkeit baute sich (oder baute ich?) immer weiter aus; später war ich in meinen Augen nicht nur als Partnerin, sondern generell als Mensch wertlos. "Nie kann ich was richtig machen". Die schlechten Schulnoten haben das alles ja noch unterstützt.
    Im Nachhinein kann ich klar sagen, dass mein Problem nicht nur in einer schlechten Familiensituation lag, sondern auch (vereinfacht gesagt) durch falsche Selbst- und Fremdbilder. Ich war immer dann für kurze Zeit glücklich, wenn ich überhaupt in einer Beziehung war (mit wem auch immer), bis ich dann merkte, dass mich nur das "Nicht-Allein-Sein" und die Wertschätzung durch einen Mann (er will mich ja haben) glücklich gemacht haben, der Mann selber aber umgangssprachlich für die Tonne war. Vor 2 Jahren lernte ich dann zum ersten Mal einen Mann kennen, dem ich wirklich etwas wert war, und der mir auch als Person etwas bedeutete. Er war nicht "der Richtige", weshalb die Beziehung dann auch beendet wurde, aber er war gut zu mir und er hat mir gezeigt, dass auch ich etwas wert bin. Auch momentan habe ich einen Freund und bin glücklich mit ihm. Ich muss betonen, dass es für mich wirklich neu ist, einen Mann aufgrund seiner Person zu mögen und nicht bloß dankbar dafür zu sein, dass ich überhaupt mit einem zusammen sein darf.

    Mein Glück hängt also sehr stark von den Beziehungen zu Männern ab. Auch, wenn sich mein Selbstbild und mein Bild von einer guten Beziehung so langsam verändern, habe ich all meine Erfahrungen und deren Folgen noch nicht gänzlich überwunden. Ich habe einfach so vieles aus meiner Jugend verdrängt, dass es mir fast so vorkommt, als wäre das alles gar nicht mir selbst passiert, sondern als wäre es eine Geschichte, die auf seltsame Weise mit mir zusammenhängt.

    Trotz der Verdrängung könnte ich meine Erlebnisse noch weiter ausführen, gerade um das Ausmaß der von mir verspürten inneren Leere und der Hoffnungslosigkeit zu verdeutlichen, aber vielleicht kann man sich auch jetzt schon ein ungefähres Bild von dem Zustand meiner Psyche machen.

    Meine eigentliche Frage ist nun also: Sollte ich einen Psychologen aufsuchen oder nicht? Mir geht es zur Zeit ja gut, aber die Erinnerung lastet immer noch auf mir. Abgesehen davon bin ich ja nicht automatisch von all meinem psychischen Leiden befreit, nur weil es mir momentan gut geht. Soll ich abwarten, ob erneut eine depressive Phase eintritt? Können Depressionen auch ohne therapeutische Hilfe vollständig überwunden werden, oder befinden sie sich einfach nur in Remission?
    Geändert von catan (06.12.2010 um 22:11 Uhr)

  2. #2
    Nachtigall
    Gast

    Standard AW: Depression in Remission?

    Hallo catan,
    zuerst zu deiner Frage: Wenn du mit psychischen Problemen nicht klar kommst, ist es immer gut, diese mit einem Psychologen aufzuarbeiten.
    So wie du die Sache geschildert hast, war diese Art von Depression eine Form, Trauer, Ängste und Minderwertigkeitskomplexe auszudrücken. Tiefe Depressionen, die von einem Psychiater behandelt werden müssen, vergehen nicht von selber.

    Ich möchte dir einfach mal meine Sichtweise der Dinge, die du erlebt hast, aufzeigen. Kann ja sein, dass ich mich irre, aber ich habe selber schon so viel erlebt und bin durch viele tiefe Täler gegangen, so dass ich auch ein bisschen mitreden kann.

    In deiner Kindheit, so scheint mir, hast du dein ganzes Selbstbewusstsein aus deinen überdurchschnittlichen Leistungen und aus der übermäßigen Zuwendung durch deine Eltern gezogen. Leider haben sie dich nicht gelehrt, dass du auch ohne Leistungen ein wertvoller Mensch bist. Jeder Mensch ist ein Kind Gottes, und deshalb haben wir alle unseren Wert, egal was wir leisten. Wenn Kinder verhätschelt werden und ihnen alles abgenommen wird, bekommen sie oft unbewusst das Gefühl, dass man ihnen nichts zutraut. Daher rühren viele Minderwertigkeitskomplexe.

    Wenn die Eltern sich scheiden lassen, geben sich die Kinder oft selber die Schuld daran. Wenn man nicht vernünftig mit ihnen spricht, weil man meint, sie würden es nicht verstehen, lässt man sie im Ungewissen und die Schuldgefühle bekommen Nahrung. Es ist klar, dass für dich eine Welt zusammengebrochen ist. Und noch dazu in der Pubertät, die eine Selbstfindungsphase sein sollte, bei dir war Untergangsstimmung. Das ist nur schwer zu verkraften, und noch schwerer, wenn man damit allein gelassen wird. Du hast dich damals in deinem Schmerz zurückgezogen und ihn nie wirklich verarbeitet, nur verdrängt und weggeschoben.

    Später hast du geglaubt, Beziehungen zu Männern könnten dir ein Selbstwertgefühl geben. Aber das stimmt nicht. Man darf nie von jemandem so etwas erwarten, denn das geht immer in die Hose. Nicht der beste Mann auf der Welt kann die Leere und Hoffnungslosigkeit in dir ausfüllen. Das musst du selber lernen, indem du deine eigene Mitte findest, in der Gott wohnt. Nur so kannst du die Leere überwinden, und erst dann wirst du wirklich beziehungsfähig. Erst dann kannst du dich selber, so wie du einfach bist, akzeptieren und mögen.
    Du hast Verletzungen, die nie geheilt sind, sie schwelen und sind eitrig und tun weh. Sie müssten freigelegt und behandelt werden. Du musst dir selber klar werden, dass du einfach so ein wertvoller Mensch bist, egal was du tust oder nicht tust oder wie du bist oder nicht bist. Dein jetziger Freund hat das anscheinend erkannt. Kannst du nicht mit ihm das alles besprechen? Vielleicht kann er dir helfen, durch Gespräche deine schlimmen Erlebnisse aufzuarbeiten. Du kannst schon zu einem Psychologen gehen, aber du musst erst mal sehr lange auf den ersten Termin warten, und zudem dauert es auch eine längere Zeit, bis du alles aufgearbeitet hast.

    Soviel für den Moment. Ich hoffe, dass ich dir ein paar Denkanstöße geben konnte. Wenn du da weiterreden willst, schreib gerne wieder.
    Alles Liebe und Gute!

  3. #3
    Nachtigall
    Gast

    Standard AW: Depression in Remission?

    Hallo catan,
    ein paar Dinge fallen mir dazu noch ein:
    1. Du kannst nichts dafür, wie du erzogen wurdest. Alle Eltern machen Fehler, meine konnten mir auch kein Selbstwertgefühl geben, wahrscheinlich, weil sie es selber nie gelernt haben.
    Deine Eltern haben den Fehler gemacht, dir eine heile Welt vorzugaukeln, obwohl sie das Beste für dich wollten, aber sie haben's auch nicht anders gewusst. Sie hätten dich aufs richtige Leben vorbereiten sollen, und das verlangt nun mal, dass man bestimmte häusliche Aufgaben erfüllt und Pflichten übernimmt, und sie hätten dir nicht die heile Ehe vorspielen sollen. Aber ich kann sie im letzten Punkt auch gut verstehen, weil man nicht will, dass die Kinder drunter leiden, wenn man nicht miteinander klar kommt. Mit all dem hast du ein falsches Bild vom Leben bekommen, und da sind die Enttäuschungen vorprogrammiert. Aber mit Schuldzuweisungen ist hier niemandem gedient, also gib weder dir noch deinen Eltern die Schuld dafür. Es ist halt mal so, man muss das Beste draus machen.

    2. Dass die Noten schlechter werden und man nicht mehr motiviert ist, dass man sich abkapselt und keine emotionale Bindung verspürt, dass man gereizt ist und in nichts mehr einen Sinn findet, das alles ist völlig normal in der Pubertät, das habe ich auch so empfunden, obwohl unsere Familie intakt war und ich nie verhätschelt worden war. In dem Alter muss man sich selber erst kennenlernen, man merkt, dass die Welt doch anders ist, als man sich es vorgestellt hat, man sieht plötzlich die Fehler der Eltern und findet sie blöd. (Ein Bekannter sagte mal humorvoll, aber sehr treffend dazu: Man merkt, dass man in der Pubertät ist, wenn die Eltern plötzlich so blöd geworden sind.) Man ist grundsätzlich gegen alles, was die Eltern sagen und tun, und will sich selber austesten, weil man ja eigentlich "alles selber kann". Das Ganze ist sehr wichtig für den Ablösungsprozess. Da würde was gewaltig schieflaufen, wenn man in dieser Zeit immer mit den Eltern gut klarkommen würde. Ich habe selber 3 Kinder großgezogen und musste und konnte das als Mutter auch akzeptieren.

    3. Deine depressive Phase kam wohl aus dem Zustand der Enttäuschung, und da dir jeder Wunsch erfüllt worden war, konntest du nie lernen, mit Enttäuschungen zurechtzukommen, deshalb hast du sie so empfunden, als würdest du dich nie wieder davon erholen. Ja, Enttäuschungen sind schon was Schlimmes, aber man muss dann immer zur Einsicht kommen, dass man sich von etwas ein falsches Bild gemacht hat, das nun zerplatzt ist wie eine Seifenblase.

    4. Du hattest auf deine Fragen, woher all dein Schmerz kommt, nur die eine Antwort: "Ich bin selber dran schuld. Immer passiert mir sowas." Das hat die folgenden Jahre geprägt, was sich auch auf deine Beziehungen ausgewirkt hat. Du musst davon wieder wegkommen und dir sagen: "Das Leben war eben so, da kann man nichts mehr ändern. Aber ich kann meine Zukunft so gestalten, dass ich lerne, wirklich glücklich zu werden, egal ob mit oder ohne Mann. Denn ich bin unglaublich viel wert, darum kann ich einfach so die schönen Dinge im Leben annehmen und glücklich sein."

    5. Das wirkliche Glück eines jeden kann nie von der Beziehung zu anderen kommen, es muss aus einem selber kommen, erst dann kann man auch andere glücklich machen. Erst wenn man sich selber annimmt - mit allen Stärken und Schwächen, dann kann man sich selber mögen. Erst dann erkennst du, dass eine gelingende Beziehung nicht davon abhängt, wieviel du für den anderen tust, damit es ihm gut geht. Du darfst und sollst auch für dich selber sorgen, damit es dir gut geht. Es heißt nicht umsonst: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.

    Fang einfach mal an, das Gute in dir zu sehen. Wenn du nichts sehen kannst, frag deinen Partner oder evtl. eine Freundin, die ehrlich mit dir ist. Ich bin sicher, sie werden mehr Gutes von dir erzählen können als Fehler, und das darfst du auch annehmen. Schreib mal alles auf, was in dir Gutes ist, sonst vergisst du es gleich wieder beim nächsten Problem. Denk immer daran, dass jeder Mensch wertvoll und liebenswert ist, auch du.

Ähnliche Themen

  1. Depression als Schlaganfallrisiko
    Von aerzteblatt.de im Forum Nachrichten
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 21.09.2011, 19:00
  2. Depression als Schlaganfallrisiko
    Von aerzteblatt.de im Forum Nachrichten
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 15.08.2011, 18:20
  3. Depression
    Von Knepple im Forum Psychische Erkrankungen
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 03.05.2011, 20:15
  4. Depression als Demenzrisiko
    Von aerzteblatt.de im Forum Nachrichten
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 06.07.2010, 19:00
  5. Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 08.12.2006, 17:00