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Thema: Positives bringt mich in Not

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In dieser Diskussion geht es um "Positives bringt mich in Not" im "Psychische Erkrankungen" Forum, als Teil von Patientenfragen.net
...

  1. #1

    Standard Positives bringt mich in Not

    Guten Abend zusammen,

    ich leide an Depressionen und PTBS. Seit ca. zwei Jahren kämpfe ich zusätzlich gegen SVV, zuerst nur kognitiv, aber inzwischen muss ich mir auch körperlich Schaden zufügen. Ich mache zur Zeit eine analytische Therapie, die mir merklich gut tut und ich bin sehr froh, in guten Händen zu sein.

    Trotzdem quält mich seit Beginn dieser Therapie ein Problem, was für mich sehr schwierig ist und es würde mich interessieren, ob es hier jemanden gibt, die das kennt und mir dazu etwas sagen könnte. Ich merke, dass ich zwischendurch ganz kleine Fortschritte mache. Doch sobald ich auch nur ansatzweise etwas Positives über mich versuche zu formulieren, kippt die Stimmung. Ich schäme mich für meine Aussage so sehr und kann es mit dem Gefühl, dass auch nur irgendetwas an mir ok sein könnte, kaum aushalten. Ich weiß nicht warum, aber ich bin einfach überzeugt, dass es nichts Gutes, Liebeswertes an mir gibt, was mir eine Daseinsberechtigung gibt. Es darf einfach nicht so stehen bleiben, dass ich nicht von Grund auf schlecht, hässlich, dumm, schmutzig, etc. bin. Ich kann es gefühlsmäßig nicht aushalten, auch wenn es rational möglich wäre. Meine Therapeutin ist schon so vorsichtig, wenn sie mir etwas Positives sagen möchte, weil auch dann der Schuss sofort nach hinten los geht. Es stürzt mich regelmäßig in s**z*dale Krisen und SVV und der Kampf ist extrem anstrengend, dem Druck standzuhalten. Leider gelingt es nicht immer. Aber auch wenn ich mich nicht ver*let*e, habe ich dann immer Suizidfantasien. Auch nach drei Jahren Therapie (VT, Klinik und jetzt analytische Therapie) konnte mir keiner helfen, die automatisierte Selbstabwertung zumindest mal abzuschwächen. Ich weiß nicht, warum diesbezüglich einfach nichts wirklich hilft. Mein Kopf sagt, ich bin nicht wertlos. Mein Herz sagt, mich braucht es nicht auf dieser Welt. Und wenn es jemand anders sogar sagt, kann ich es auch nicht ertragen. Keiner darf sagen, dass ich wichtig bin, ohne mich in die Krise zu stürzen. Für meinen Partner und mein Umfeld ist das natürlich schwer nachzuvollziehen.

    Andere werden durch Lob, liebevolle Worte oder Positives aufgebaut und fassen langsam Vertrauen, und ich würde mich dann am liebsten in Luft auflösen, bestrafen, weil es nicht sein darf.

    Kennt das jemand von euch? Es macht alles so schwer, obwohl ich so hart arbeite. Hat jemand Erfahrung damit und kann mir mit dieser eventuell Mut machen?

    Vielen Dank und liebe Grüße
    Susi


  2. #2
    Fühlt sich wohl hier Avatar von Charles Brandon
    Geschlecht
    maennlich
    Alter
    71 Jahre
    Mitglied seit
    13.10.2008
    Beiträge
    156

    Standard AW: Positives bringt mich in Not

    Hallo Susi,

    Es wäre ein sehr großer Zufall, wenn sich in diesem Forum jemand aufhalten würde, der ein halbwegs ähnliches Problem hat. Angst vor positiver Beurteilung durch andere Menschen scheint mir eine sehr spezielle Störung zu sein. Ich weiß allerdings nicht, ob diese Erscheinung im Zusammenhang mit SVV vielleicht doch häufiger vorkommt. Aus (psycho-)logischer Sicht kann man eine Erklärung für die Angst finden, aber die Erklärung hilft wahrscheinlich kein bißchen weiter.

    Offensichtlich ist das Problem nicht eine Folge mangelnder "Einsicht". Der Kopf weiß ja, daß Du nicht wertlos bist, aber Dein Herz ist anderer Meinung. In Wirklichkeit ist es aber nicht das Herz, sondern irgend etwas, das auch im Kopf sitzt. Das Gehirn denkt mit Hilfe der Synapsen und Botenstoffe, das Herz schlägt nur vor sich hin.

    Aus meiner Sicht ist die irrationale Überzeugung von der eigenen "Wertlosigkeit" und die damit verbundene Angst vor Lob eine Art Denkstörung. Sie liegt ungefähr auf einer Ebene mit der unbegründeten Annahme, daß der Nachbar einen umbringen will, obwohl der Mann ganz harmlos und freundlich ist. Und weil es eine Denkstörung ist (Fehler in Synapsen und Botenstoffen), müßte mit psychiatrischen Mitteln herangegangen werden, um das Denken zu verbessern. Psychotherapie kann ergänzend hilfreich sein, aber mit "Vernunft" und "Aufarbeitung" allein wird sich das Problem nicht lösen lassen. Da Du aber sogar schon in stationärer Therapie warst, nehme ich an, daß psychiatrische Mittel längst angewendet werden - im Klartext: Medikamente.

    Deshalb bleibt am Ende Ratlosigkeit, obwohl Du doch Mutmachen erhofftest. Das tut mir leid, aber mit phrasenhaftem Gutzureden wäre Dir auch nicht gedient.

    Erfreulich finde ich, daß Du trotz allem einen Partner gefunden hast. Es gibt also doch etwas Positives im Negativen. Ich mit meiner schizoiden Persönlichkeitsstörung habe das im ganzen Leben nicht geschafft.

    Vielleicht gibt es irgendwo ein Forum, das für Dein Anliegen besser geeignet ist. Ich wollte nur vermeiden, daß Du hier überhaupt keine Antwort bekommst.

    Alles Gute!
    Charles

  3. #3

    Standard AW: Positives bringt mich in Not

    Hallo Charles,

    vielen lieben Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, mir so ausführlich zu antworten. Ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, dass mein Problem, oder besser eines meiner Symptome, so speziell ist, dass ich hier sonst keine Antworten bekomme. Um so mehr weiß ich es zu schätzen, dass Du hier geschrieben hast. Und es war gar kein phrasenweises Gutzureden, es war konstruktiv und durchaus hilfreich.

    Auch wenn ich schon diverse Therapieerfahrung habe, bin ich seit fast zwei Jahren ohne Medikamente unterwegs. Ich habe dabei einfach kein gutes Gefühl gehabt.

    Es ist schon so, dass ich auch hin und wieder Probleme mit SVV habe, aber im Vergleich zu Borderlinern doch eher am Rande. Es sind eher die kognitiven Verletzungen, die ich mir zufüge (viel Essen, gar nichts essen, extrem viel Sport, extrem viel Arbeit, etc.) Es ist sehr schwer, wenn man vom Kopf her sagen kann, ich habe etwas gut gemacht, und man weiß genau, danach schämt man sich so für seine guten Gedanken, dass man es kaum aushalten kann. Da verzichtet man ganz oft darauf, sich selbst gut zu bewerten. Wobei - wirklich schwierig wird es erst, wenn ich es tatsächlich ausspreche. Es zu denken, ist noch halbwegs aushaltbar.

    Zum Glück sind die offensichtlichen Probleme erst nach der stationären Depressionstherapie entstanden. Da hatte ich schon lange einen lieben Partner gefunden. Aber natürlich ist es sehr schwer und eine Belastung für die Beziehung. Es ist für jemand Gesunden sehr schwer zu verstehen, dass er, wenn er was Nettes zu mir sagt, sich damit abwertet. Denn wenn ich mich grässlich fühle, wertet sich jemand, der das anders sieht, automatisch ab.

    Die analytische Therapie ist mir sehr wichtig, da ich einfach wissen will, warum ich so schlecht über mich denke. Vermutlich habe ich es sehr früh immer wieder gesagt bekommen, aber es ist mir bisher nicht bewusst. Wie so Vieles, was mich jetzt belastet. Aber nach all den Dingen, die ich bisher gemacht habe, ist das für mich der beste Weg. Ich hoffe, er hilft mir längerfristig weiter.

    Ich werde auf jedem Fall mal schauen, ob ich ein Forum finde, wo mein Thema etwas besser passt und ich eventuell Menschen finde, die ähnliche Erfahrungen machen. Danke auch für diesen Tipp.

    Danke und auch Dir alles Gute,

    Susi

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