Eine Verwandte hat einen sehr schweren Autounfall nur knapp und noch nicht wirklich überlebt. Nun erwacht Sie nach etwa 4 Tagen. Mich würde sehr interessieren: Warum wird empfohlen, Unfallopfern beim erwachen oder innerhalb der ersten Tage nicht über ihren Verletzungsstatus zu informieren? Ist das wirklich hilfreich? Wer bestimmt, wann welche Informationen an die Patienten weiter gegeben werden? Nach welchen Regeln? Wer hat diese Regeln wo veröffentlicht? Kann mir jemand ein Lehrbuch nennen, wie am besten "Aufwacher" informiert bzw. verheimlicht werden sollten?
Bitte konsultieren Sie bei allen medizinischen Problemen einen Arzt Ihres Vertrauens.
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- 14.02.2009 11:54 #1Ganz neu hier
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Unfallopfer über Zustand informieren?
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- 14.02.2009 13:57 #2Wohnt praktisch hier





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AW: Unfallopfer über Zustand informieren? Hallo Salvador,
weiß jetzt nicht, ob es in einem Lehrbuch festgehalten wird, welche Informationen zu welchem Zeitpunkt weitergegeben werden sollten, aber ich habe Verständnis dafür, dass man sich Gedanken darüber macht.
Entscheidend mit von Bedeutung für eine Genesung ist auch die innere Einstellung des Patienten. Schlechte Nachrichten sind daher eher nicht Genesungsfördernd.
So lange der Zustand eines Patienten noch sehr wacklig ist, finde ich das durchaus vertretbar, wenn man primär den Zustand stabilisieren möchte. Auf der dann etwas stabileren Basis, können die Auswirkungen einer schlechten Nachricht besser abgefangen werden. Da natürlich jeder Mensch unterschiedlich ist, wird es da kaum ein Patentrezept geben.
Liebe Grüße UlrikePhantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.
Ich habe keine besondere Begabung, bin nur leidenschaftlich neugierig.
Albert Einstein
- 24.02.2009 15:32 #3Arzt (Anästhesie & Notfallmedizin)

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AW: Unfallopfer über Zustand informieren? Diese, oft nicht ganz leichte, Entscheidung treffen die Ärzte der Intensivstation zusammen mit den Angehörigen und ggf. den sonstigen behandelnden Ärzten. Nach einer schweren Verletzung bzw. mehreren Verletzungen (sog. Polytrauma) die ein, evtl. "künstliches", Koma nach sich ziehen, ist es manchmal nicht günstig den Patienten sofort mit dem vollen Ausmass seiner Verletzungen zu konfrontieren. Zum einen ist der Patient u.U. nicht in der Lage das zu verstehen und einzuordnen, zum anderen fördert eine Aussage wie "Guten Morgen, sie waren eine Woche im Koma, ach ja, sie können nie wieder laufen..." nicht unbedingt den Willen die Situation durchzustehen. In der Regel ist das eine Phase der Verwirrung, in der alle Mitarbeiter der Intensivstation und auch die Angehörigen viele Dinge immer und immer wieder erklären müssen. In dieser Situation muss man es einfach langsam angehen um den Patienten nicht zu überfordern. "Time is non-toxic"
Sowas steht wahrscheinlich nicht in einem Lehrbuch, sondern man muss einfach versuchen einzuschätzen, wann man was sagen kann, natürlich ist das nicht immer einfach.
- 15.06.2009 17:54 #4Ganz neu hier
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AW: Unfallopfer über Zustand informieren? Naja eigentlich finde ich es durchaus nachvollziehbar, dass man nicht direkt über alles aufgeklärt wird. Gerade wenn der Zustand noch sehr instabil ist. Das kann sich im schlimmsten Falle negativ auf den Gesamtzustand auswirken, und das möchte man ja sicherlich vermeiden!
- 31.07.2009 18:28 #5Noch neu hier

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AW: Unfallopfer über Zustand informieren? Guten Abend!
Heute spreche ich nur für mich:
ich möchte unbedingt sofort über Alles mich betreffende informiert werden. Immer und in jeder Lage. Zumindest, wenn ich danach frage! Wie kann ich im Allgemeinen sicherstellen, dass eben nicht eine Gute Seele mich beschützen will und mir Wesentliches verheimlicht, bzw. schön redet? Habe ich keinen Rechtsanspruch auf vollständige und richtige Information, jederzeit? Wie setze ich den durch?
Mit freundlichen Grüssen
Ingo
- 31.07.2009 22:46 #6Arzt (Anästhesie & Notfallmedizin)

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AW: Unfallopfer über Zustand informieren? Genau das ist aber in derlei Situationen nicht Deine Entscheidung. So leid es mir tut, aber manchmal muss man den Patienten vor der Wahrheit schützen bis er in der Lage ist sie zu verkraften. Das mag unpopulär sein, aber so mache ich das.
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