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Thema: Mein kleiner Bruder :(

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In dieser Diskussion geht es um "Mein kleiner Bruder :(" im "Psychische Erkrankungen" Forum, als Teil von Patientenfragen.net
...

  1. #1
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    23.09.2010
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    2

    Standard Mein kleiner Bruder :(

    Liebes Forum!

    Ich bin verzweifelt und bitte deswegen um eure Hilfe. Ich glaube mein kleiner Bruder hat leichte (oder schwere?) Anzeichen von Schizophrenie + Dorgensucht.
    Kurz zur Vorgeschichte:
    Wir sind insgesamt 4 Kinder, wobei meine 2 Halbbrüder nur von meinem Vater sind. Meine Schwester (28) haben beide Elternteile gemeinsam. Als ich noch im Bauch meiner Mutter war haben sich meine Eltern scheiden lassen. Mein Vater hat kurz darauf die Mutter meiner Brüder geheiratet (1985). Der jüngste in unserer Runde ist mein Bruder Alexander (20). Er war eigentlich immer schon ein eher schwierigeres Kind und sehr schwer zu erziehen, wobei ich glaub, dass mein Vater und seine Mutter nicht viel für die Erziehung getan haben. Mein anderer Bruder: Lukas (24) hat ein sehr ruhiges Gemüt und kommt gut alleine zu recht. Mein kleinerer Bruder leider gar nicht. Er hat eigentlich immer schon eine stützende Hand gebraucht. Als er dann 10 Jahre alt war, haben auch mein Vater und seine Mutter sich scheiden lassen. Grund: Bei ihr wurde Hepatitis C diagnostiziert, nach viele Behandlungen und wochenlangen Krankenhausaufenthalten, hat sie sich komplett verändert. Sie war nicht mehr die Person, die sie vorher war. Sie war plötzlich voll aufgekratzt, immer auf Achse, hat ihren Alkoholkonsum sehr stark gestiegen. Mein Vater und sie haben halt plötzlich nicht mehr zusammen gepasst und haben sich scheiden lassen. Für meinen kleinen Bruder, glaube ich, war es eine sehr schlimme Erfahrung. Er hat nie darüber geredet, aber die neue Freundin meines Vaters hat er niemals akzeptiert und hat sie beschimpft. Seine Mutter hat kurz darauf auch angefangen Cannabis zu rauchen und sich anzuziehen, als wäre sie gerade erst 16 geworden. Ich bin mir sicher, dass sie auch schon lange schwere Depressionen bzw. psychische Störungen hatte (in der Jugend hat sie mal versucht sich umzubringen).

    Mein kleiner Bruder hat das alles einfach nicht akzeptieren können. Er war auch immer in der Schule sehr schlecht, hatte Schwierigkeiten, das alles ernst zu nehmen.

    Als mein Bruder 14 wurde, wurde es ganz schlimm. Mein anderer Bruder Lukas ist gerade frisch mit meiner besten Freundin zusammengekommen. Plötzlich ist Alexander total ausgezuckt. Er konnte es einfach nciht akzeptieren, dass sein geliebter Bruder (damals die einzige Bezugsperson) ihm nicht mehr soviel Aufmerksamkeit geben kann. Später waren sie dann alle gemeinsam auf Urlaub (Lukas, seine Freundin, Alexander, mein Vater, meine Schwester, die Freundin meines Vaters und deren Tochter). Dort ist Alexander eines Abends total ausgezuckt und ist sogar mit einer zerbrochenen Bierflasche auf die Freundin unseres Bruder losgegangen und hat sie bedroht. Danach hat er nur noch geweint.

    ...das alles ist es schon einige Jahre her (ca. 5?). In der Zwischenzeit hat er sehr viele Schulen abgebrochen und zu guter Letzt auch seine Lehre zum Frisör, obwohl ihm das Haareschneiden und stylen immer sehr viel Spaß gemacht hat. Er hat sich immer unfair behandelt gefühlt und hat sich immer auf extreme Weise als Opfer gefühlt, in jeder Lebenslage. An unserem regelmäßigen Sonntagsmittagstisch wurde er von allen eigentlich immer nur belächelt, weil er sich in jede Kleinigkeit so hineingesteigert hat (jetzt ärgere ich mich, dass wir nicht schon früher was geändert haben). Er hat zeitweise ganz schreckliche Wutausbrüche gehabt.

    Es ist alles eskaliert und zu einem wahrlich ernstem Thema für die Familie geworden, als ich letztes Jahr von Lukas Freundin erfahren habe, dass Alexander ein massives Drogenproblem hat. Das hat er meinem Vater gestanden, der mir und meiner Schwester nichts davon erzählen wollte, weil Alexander ihm das anvertraut hat. Alexander wollte nciht, dass wir etwas davon erfahren, weil er sich geschämt hat und er dann wieder nur als Versager dastünde. Er kokst, er raucht Cannabis und Heroin hat er auch schon genommen. Mein Vater war mit seinem Latein am Ende, er wusste nicht, was er machen sollte, bis er irgendwann aufgegeben hatte. Alexander war kurzfristig mit seiner Mutter auch beim Psychologen, als sich herausstellte, dass er die Psychologin auch angelogen hatte.

    Mein Vater starb diesen Jänner an einem Herzinfartk im Alter von 51 Jahren. Sein letztes Gespräch 2 Wochen vorher mit Alexander war ein sehr schlechtes. Er hat ihm gesagt, dass wenn er seinen Lebensstil nicht ändere, er nie wieder zu ihm nach Hause kommen soll. Alexander ist daraufhin wütend davon gerannt. Das nagt an Alexander, das weiß ich, er hat ihm nämlich als Grabbeigabe einen sehr emotionalen Brief mit vielen Entschuldigungen beigelegt und ihm unter anderem versprochen, sich zu ändern ihm zu Liebe.

    Leider hat das nicht funktioniert, sogar bei der Beisetzung ist Alexander EINGESCHLAFEN! Seine Mutter hat mir gesagt, dass die Müdigkeit von den Substituten kommt und er das dann kaum kontrollieren kann.

    ALexander hat Schulden und distanziert sich von uns 3 Geschwistern. Ich versuche immer die verständnisvolle Schwester zu sein, doch er hebt nicht ab vom Handy, er schreibt nicht zurück auf SMS. Er sagt immer, dass alles okay sei. Und wir alle sehen ihn immer seltener. Ich habe so Angst um ihn, dass ihm was passiert. Er hat auch nur irgendwelche drogensüchtigen Freunde, die dann immerwieder bei ihm in seiner 30 m2 Wohnung übernachten.

    Seit 5 Wochen spricht er nicht mehr mit Lukas. Er hat ihm eine SMS geschrieben, dass er einfach nur sein Geld haben will, welches er noch von seinem Erbe bekommt und er solle sich gefälligst um diesen Sch.... Hausverkauf kümmern, dass er an sein Geld rankommt. Er hat ihn außerdem noch geschrieben, dass er total versnobt sei und mit ihm nichts mehr zu tun haben wolle.

    Zu mir ist er immer so lieb, ich denke dann immer an unsere Kindheit und kann nicht glauben, was passiert ist. Aber diese Anzeichen waren schon so früh zu erkennen. Er hat sich nie verstanden gefühlt, sich immer unfair behandelt gefühlt, er war so oft manisch, dass er im einen Moment total mies drauf war und dann wieder voller Freude war. Das hat schon so richtig mit seinen 11 Jahren angefangen. Aber nie hat es irgendwer ernst genommen. Ich habe immer auf meinen Vater gehofft, doch der ist nun leider nicht mehr da

    Ich weiß nicht mehr weiter, bitte helft mir. Ich kann damit nicht leben, nichts zu tun....

    PS: SOrry für die Länge des Beitrages
    CK1

  2. #2
    Fühlt sich wohl hier Avatar von sei
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    21.10.2006
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    159

    Standard AW: Mein kleiner Bruder :(

    Hi CK,
    ich hatte drei drogenabhängige Geschwister und kann dir nur sagen das dein Bruder ganz alleine eine Entscheidung für oder gegen Drogen treffen muss.
    Es wird allgemein geraten Drogenabhängige raus zuwerfen und nicht mehr zu unterstützen, damit sie irgendwann ganz unten sind und der Leidens druck sehr hoch wird, dann trifft der ein oder andere die Entscheidung sich helfen zu lassen was aber nicht immer gelingt.
    Wir hatten es damals so gehalten das meine Geschwister immer einen Platz zum Schlafen hatten und jederzeit zum Essen vorbei kommen konnten, ein Rausschmiss geschweige denn den Kontakt abzubrechen hätte niemand fertig gebracht. Natürlich mussten auch sämtliche Wertsachen in Sicherheit gebracht werden, wenn sie da waren. Man kann eigentlich nur ein offenes Ohr anbieten und Unterstützung/Begleitung falls die Entscheidung für einen Entzug und eine Therapie getroffen wird.

    Es ist hart aber im Grunde steht man dem machtlos gegenüber und kann nur warten und hoffen das irgendwann in dem Süchtigen der Wille aufzuhören entsteht und das dann auch während und nach dem Entzug so bleibt.

    Psychosen können durch Drogen verstärkt und auch ausgelöst werden, was du beschreibst könnte aber genausogut eine Reaktion auf die Umwelt aus der Hilflosigkeit und Überforderung heraus gewesen sein, genauso wie eine bipolare Störung und etliches Möglichkeiten mehr. Da müsste ein Psychiater ran um das genau abzuklären (Falls ihr noch keine offizielle Diagnose habt), es gibt auch gute Medikamente die einiges bewirken, das geht aber nur wenn dein Bruder mitarbeitet und darauf hast du kaum Einfluss, leider.

    Es gibt einen sehr wahren Satz: Man kann andere nicht ändern, nur sich selber.
    D.h. du kannst deinen Bruder nicht zum besseren ändern, aber er selber kann es, vielleicht findet er irgendwann den Anreiz der nötig ist um die Sucht anzugehen.

    L.G.
    Das Glück kann man nur schätzen,wenn man das Unglück kennt.

  3. #3
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    Standard AW: Mein kleiner Bruder :(

    Hallo Sei!
    Vielen Dank für deine ehrliche Antwort. Es ist schlimm, so machtlos zu sein, aber du hast Recht, er muss selber erkennen, dass er sein leben ändern möchte. Ich habe nur so Angst, dass das nie passieren wird und sein Leben viel zu früh zu Ende sein wird.
    Darf ich fragen, haben deine Geschwister es geschafft von den Drogen wegzukommen? Bzw. haben sie sich helfen lassen?
    Ich glaube ernsthaft, dass er wahrscheinlich schon vorher große psychische Probleme hatte und wie du sagst, wahrscheinlich durch den Drogenkonsum verstärkt wurden. Ich hab ihm auch schon gesagt, dass ich immer für ihn da bin und dass er jederzeit zu mir kommen kann, wenn er das Bedürfnis danach hat, einfach einen sauberen, warmen Schlafplatz zu haben oder einfach nur zu reden.

    ich hätte mir früher nie gedacht, dass es bei uns in der Familie soweit kommen kann.... wir waren immer füreinander da und hatten großes Glück und es hat uns nie etwas gefehlt.

    Vielen Dank, mit deinem Beiträg hast du mir sehr viel weitergeholfen, ich kann eigentlich nur hoffen und bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt.

    LG CK

  4. #4
    Fühlt sich wohl hier Avatar von sei
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    159

    Standard AW: Mein kleiner Bruder :(

    Hi CK,

    naja, zu der Zeit war es mit psychiatrischer Hilfe noch nicht so gut bestellt da hat sich in der Zwischenzeit eine Menge getan, gerade auf dem Gebiet der Depressionen, die fast jeder Abhängige kennt und was einen Rückfall fördert.

    Mein einer Bruder hat das Leben nie besonders lebenswert gefunden und wohl deshalb mit Drogen angefangen, irgendwann kamen die Suizidversuche und eines Tages hat es dann geklappt, seine Freundin hat das mit ihm zusammen gemacht und sie liegt jetzt in einem Pflegeheim.

    Meine Schwester hingegen hatte es mit der Unterstützung und Leidensfähigkeit ihres Freundes geschafft, sie war 11 Jahre clean, ist dann aber an den Spätfolgen des Drogenkonsums gestorben.

    Ein anderer Bruder hat "nur" gekifft, leider sind in unserer Familie Psychosen und dergleichen genetisch veranlagt und durch das Kiffen ist wohl eine Psychose ausgelöst worden.
    Er kann die Wohnung nicht mehr verlassen, ist extrem depressiv und gelegentlich auch sehr aggressiv. Komplett ausgetickt und vegetiert regelrecht vor sich hin, wahrscheinlich könnte er Besserung erreichen wenn er sich in Behandlung begäbe, macht er aber nicht weil er der Meinung ist das ihm sowieso niemand helfen kann.
    Er hat mich lange Zeit, Tag und Nacht, terrorisiert so das ich den Kontakt weitgehend abgebrochen habe, wir sind nur noch über Dritte in Verbindung und diese Dritten müssen einiges aushalten was über ihre Grenzen geht.

    Ich kenne aber verhältnismäßig viele ehemalige Abhängige die es geschafft haben, die meisten aus eigener Kraft, nur beim Entzug haben sie sich helfen lassen und die führen jetzt ein sehr gutes Leben. Es geht also, braucht aber einen sehr festen Willen und auch ein Ziel, einen Grund der motiviert. Bei meiner Schwester war die treibende Kraft der Freund, er hat sie auch nach dem Entzug 24Std. am Tag nicht aus den Augen gelassen und am Drogenkauf gehindert. Für sie war das der richtige Weg, andere werden durch Kontrolle erst angestachelt wieder anzufangen, könnte man mit Trotz vergleichen.
    Es gibt viele Wege um clean zu werden, das Problem ist den Richtigen zu finden was wieder einige Versuche bedeuten kann und dazu reicht der Wille oftmals nicht aus. Es gibt aber Programme die gut helfen können. Hier bei uns gibt es eins in dem sich die Abhängigen zwei/drei mal am Tag ihren Schuss abholen können und so ein recht normales Leben führen. Es gibt auch Kliniken die statt Methadon zum Entzug Heroin verwenden was anscheinend relativ gute Erfolge erzielt soweit ich gehört habe sogar erfolgreicher ist als Methadon. Ich weiß aber nicht ob das im Versuchsstadium ist, also noch nicht für jeden zur Verfügung steht, meine aber irgendwo gelesen zu haben das es in manche Kliniken angewendet wird.

    Vielleicht gibt es ja irgendein Programm auf das sich dein Bruder einlassen würde und das ihm nicht soviel Angst macht, es ist ja auch beängstigend zum Entzug in eine Psychiatrie zu gehen wenn man nichts darüber weiß was die dort machen und wie der Ablauf ist. Allerdings haben Langzeit abhängige fast immer Erfahrung mit dieser Institution, vielleicht hat dein Bruder da ja auch schon Erfahrungen die nicht besonders gut sind, dann würde es nochmal schwieriger sein ihm da gut zu zureden.

    L.G.
    Sei

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